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Chronik: Archiv
Freitag, 24. November 2017

Königsspringer Hamburg · Schachclub von 1984 e. V.


Königsspringer Hamburg
Schachclub von 1984 e. V.

Chronik

Archiv

10. Nordhäuser Schachopen
 29. Juli bis 1. August 2010 
Endstand
Pl. Teilnehmer T. TWZ Verein g. u. v. Pu. Bhz. SoBe.
1. Slobodjan, Roman GM 2559 ESV Nickelhütte Aue 5 2 0 6,0 30,5 25,75
2. Hillmann, Michael   2160 SV Sangerhausen 4 3 0 5,5 29,0 21,50
3. Müller, Fabian FM 2319 SV Salzgitter 4 3 0 5,5 28,5 21,00
4. Bente, Björn   2262 Hamburger SK 4 3 0 5,5 28,0 20,75
5. Harder, Clemens   2103 Königsspringer Hamburg 5 1 1 5,5 23,0 18,25
6. Schellmann, Frank CM 2077 Deutscher Blindenschachbund 4 2 1 5,0 31,0 23,25
7. Müller, Richard   1952 TuS Coswig 1920 4 2 1 5,0 29,0 21,25
8. Strache, Michael   2290 SV Sangerhausen 3 4 0 5,0 29,0 19,00
9. Hannes, Diana WFM 2169 SV Medizin Erfurt 3 4 0 5,0 28,5 18,00
10. Just, Wolfgang   2175 SV Lok Leipzig‑Mitte 5 0 2 5,0 27,0 19,50
11. Hellwig, Tobias   2142 SV Schott Jena 3 4 0 5,0 27,0 19,50
12. Hartung, Thomas   2067 SV Merseburg 5 0 2 5,0 26,0 18,00
13. Duzy, Stefan   1890 Erfurter SK 5 0 2 5,0 25,5 17,50
14. Urban, Lars   1886 SV Empor Erfurt 5 0 2 5,0 21,5 14,00
15. Borgmeyer, Max   2136 Königsspringer Hamburg 3 3 1 4,5 28,0 18,25

:

19. Hagenlüke, Thomas   1967 Königsspringer Hamburg 3 3 1 4,5 25,5 16,00

:

36. Maiorov, Daniel   1982 Königsspringer Hamburg 3 2 2 4,0 24,5 10,25

:

110 Teilnehmer

Bericht

Ein Turnier voller Verrücktheiten

Bevor ich gleich anfangen werde in einem etwas ausführlicheren Bericht auf das ›10. Nordhäuser Open‹, an dem wir zu viert (Daniel, Max, Clemens und Thomas H.) teilgenommen haben, einzugehen, muss ich im Vorwege eine kurze philosophische Abhandlung darüber verfassen, was den *piep*‑Spieler (*piep* = Schach; Insider – nech, Daniel?) als einzigartiges Individuum von dem größten Teil der Menschheit unterscheidet. Dabei ist es von essentieller Bedeutung, das Wesen des *piep*‑Spielers inklusive all seiner Verrücktheiten zu beleuchten. Diese Verrücktheiten sind nicht mit einem einzelnen Begriff zusammenzufassen, sondern müssen als ein System betrachtet werden, an dessen Mitwirkungen alle gemeinsam beteiligt sind.

Der *piep*‑Spieler ist zu Beginn seiner Karriere, welche üblicherweise bereits im Jugendalter beginnt, ein völliger normaler Mensch, der mit sich selbst absolut im Reinen ist. Je länger jedoch diese Karriere andauert, desto mehr erlangt der Sog dieses tödlichen Spieles Kontrolle über einen. Man wird mit der Zeit richtig besessen davon, man kann fast sagen: manisch. Dieser Kontrollverlust macht sich dadurch bemerkbar, dass man jeglichen Sinn für die Realität verliert und ein Leben ausgegrenzt von der Gesellschaft führt. Man beginnt etwas abstruse Verhaltensweisen an den Tag zu legen, die jeglichem Sinn entbehren und kann tagein tagaus nur noch an *piep* denken. Darunter leiden vor allen Dingen die sozialen Kontakte und die persönliche Integrität. Dies ist insofern absolut inakzeptabel, da man möglicherweise irgendwann feststellen wird, dass das Leben ein einziger Scherbenhaufen ist und man letztlich nie wirklich gelebt hat.

Um nun endlich auf das Turnier in Nordhausen zu sprechen zu kommen, muss ich noch kurz anfügen, dass die von mir eben getätigten Ausführungen als eine persönliche Erkenntnis, geschürt durch dieses Turnier, betrachtet werden können. Eine solche Fülle von Menschen, die nicht mehr Herr ihrer eigenen Sinne sind, habe ich selten erlebt und möchte ich auch nicht mehr erleben. Dies gilt sowohl für die Schiedsrichter als auch für die Teilnehmer. Ich kann nur hoffen, dass ich nie einer solchen geistigen Umnachtung erliegen werde und mich die Macht des *piep*‑Spiels zu keiner Zeit meines Verstandes berauben wird.

Das Turnier hat jedenfalls bereits am Donnerstag den 29. Juli begonnen und endete am 1. August. Clemens, Max und ich trafen uns an dem besagten Donnerstag um 06:00 Uhr früh in Niendorf Nord, um von Herrn Borgmeyer nach Nordhausen gefahren zu werden. Daniel hingegen reiste schon einen Tag früher mit seinen Eltern zusammen an, da die sich entschlossen hatten, einen Kurzurlaub ganz in der Nähe zu machen.

Gerädert vom frühen Aufstehen, traten wir also um 10:30 Uhr zur ersten Runde an. Max und ich konnten unsere Partien relativ souverän gewinnen, wohingegen Clemens sich sichtlich schwer tat. Er spielte eine Pirc‑Partie, in der er wohl die ganze Zeit leicht überlegen stand, was er jedoch nicht zu einem Sieg ummünzen konnte. In der Zeitnot übersah er sogar noch ein taktisches Motiv, was eigentlich eine Niederlage zur Folge hätte haben müssen, aber sein Gegner zeigte sich aus unerfindlichen Gründen gnädig und einigte sich mit Clemens auf ein Remis.

Für Daniel startete das Turnier besonders ärgerlich. Und zwar nicht, weil er seine Partie gegen einen schwächeren Gegner verlor, sondern weil gar kein Gegner erschien und er kampflos gewann. Dabei wurde in der Ausschreibung ausdrücklich darauf hingewiesen, dass kampflose Partien in der 1. Runde vermieden werden. Es ist einfach unbegreiflich wie so etwas Desaströses geschehen konnte.

Die Nachmittagsrunde desselben Tages verlief für keinen von uns wirklich erfolgreich. Einzig Max konnte seinem Gegner, der ihm allerdings wertungszahltechnisch deutlich unterlegen war, ein Remis abringen. Ganz besonders war diese 2. Runde für mich eine komplett neue Situation. Ich musste gegen Frank Schellmann antreten, dem man auf Grund der Tatsache, dass er blind ist die Züge ansagen muss. Dies war für mich vor allen Dingen in der Zeitnot ein nicht ganz so einfach zu bewältigendes Unterfangen und möglicherweise litt meine Konzentration erheblich darunter.

Nachdem wir die ersten beiden Runden mehr oder weniger erfolgreich beendet hatten, machten wir uns noch in die Nordhäuser Altstadt auf, um ein kleines Feierabend‑Bierchen zu trinken. Wir fanden dazu eine nette kleine Bar‑Diskotheken‑Kombi. Dabei ist besonders die Freundlichkeit der Bedienungen hervorzuheben. Diese Freundlichkeit war zwar zum Teil mit akuter Verplantheit und Übereifrigkeit getränkt, aber schlussendlich war ich davon positiv angetan und fühlte mich adäquat bedient. Es ist mir übrigens generell aufgefallen, dass im Osten die Mentalität eine ganz andere ist und die Menschen viel aufgeschlossener sind als im Westen.

Zurück in der Jugendherberge lernten wir unseren Zimmerkollegen kennen, der gewisse Gerüche absonderte und unsere Schlafversuche durch exorbitant laute Schnarchgeräusche zumindest unbewusst und nach ungeklärten Angaben auch bewusst unterbunden hat. Schlussendlich war es für jeden von uns doch möglich, ein bisschen Schlaf zu tanken und für die Runden am nächsten Tag einen fitten Zustand zu erlangen. Wir erschienen am nächsten Tag alle mal wieder zu spät zur Runde, da der Fußweg zum Spielort zwanzig Minuten betrug und keiner von uns jemals rechtzeitig losgegangen ist. Zumindest mussten wir deshalb auf die unnötige »prae‑rundliche« Ansage verzichten.

Dieser Tag verlief für uns Königsspringer äußerst erfolgreich. Wir holten zusammen sieben Punkte aus acht Partien und waren alle sehr zufrieden damit. Einzig Daniel musste in Runde 4 die Überlegenheit seines Gegners anerkennen und war bedauerlicher Weise die gesamte Partie über chancenlos. Clemens hingegen sah man an, dass er, gebeutelt durch den schlechten Start in das Turnier, eine fulminante Aufholjagd hinlegen wollte. Er zerriss seinen Gegner förmlich sowohl in der Luft als auch auf dem Schachbrett. Was für einen unglaublichen Kampfgeist dieser Mann an den Tag gelegt hat, ist verblüffend. Hochachtungsvolle Gratulation, Clemens.

Am Abend desselben Tages hatten Daniel, Clemens und ich die Idee ins Auge gefasst, dem ganz in der Nähe des Spielortes gelegenen Kino einen Besuch abzustatten. Max hingegen wollte schachlich für den nächsten Tag vollständig ausgeruht sein, weshalb er nicht mitkommen wollte. Stattdessen schaute er sich noch ein paar Beschimpfungsorgien von Dr. Cox und seinen Kollegen an, um anschließend den Schlaf der Wohlerzogenheit kosten zu können. Diesen Schlaf genehmigten sich Clemens und Daniel ebenfalls, nachdem wir von unserem Kinobesuch zurückgekehrt waren. Ich hingegen nutzte schon die Langweiligkeit des Films, um mich in den Zustand der Regeneration zu begeben. Eigentlich wurde ja in den Medien immer angepriesen, wie unglaublich gut ›Inception‹ sei. Naja, mich hat er jedenfalls keineswegs überzeugt und ich würde ihn unter keinen Umständen weiterempfehlen.

Der nächste Tag startete mit dem obligatorischen Zuspätkommen zur Runde. Es muss jedoch noch ausdrücklich erwähnt werden, dass Max und meine Wenigkeit jeden Tag nur ca. fünf Minuten zu spät kamen und sowohl Clemens als auch Daniel ca. zwanzig Minuten. Ursächlich dafür ist natürlich vor allen Dingen Daniel und seine genetisch bedingte Langsamkeit. Max und ich wollten an allen Tagen auf Daniel warten, bis es uns schlicht und ergreifend zu lange gedauert hat und wir uns ohne ihn auf den Weg machten. Natürlich war die Uhrzeit zu dem Zeitpunkt schon so weit fortgeschritten, dass an ein rechtzeitiges Eintreffen am Spielort nicht mehr zu denken war. Clemens hingegen wartete tatsächlich auf Daniel, was ihm anscheinend nichts auszumachen schien, da er sogar noch gemütlich zusammen mit Daniel einen Kaffee trank.

Die *piep*‑Partien dieses Tages verliefen für uns Königsspringer relativ erfolgreich. Einzig Max verlor die 6. Runde gegen FM Fabian Müller. Dieser kann ebenfalls zu den Gestalten gezählt werden, die ich als ein kleines bisschen abstrus bezeichnen würde. Besonders auffällig ist sein extravaganter Gang, der an jemanden mit einem Stock im A… erinnert. Max gelang es jedenfalls auf dem Brett eine unklare Stellung entstehen zu lassen, die er jedoch nicht zu seinen Gunsten umstrukturieren konnte. Ich vermute, dass das seiner Unerfahrenheit zuzuschreiben ist.

Clemens, in seinem Siegesrausch nicht mehr zu bremsen, gewann auch an diesem Tag beide Partien. Über die Umstände, wie ihm das gelang, möchte ich zu seiner Ehrenrettung lieber keine Worte mehr verlieren. Dies gilt ebenfalls für Daniels Partien, von denen vor allen Dingen die zweite von Merkwürdigkeiten nur so strotzte, auf die ich jedoch nicht näher eingehen möchte. Zumindest gelang es ihm nach einem harten Kampf ein Remis zu ergattern. Somit holte er an diesem Tag anderthalb Punkte, was für ihn schon eine beachtliche Leistung darstellt. Im Gegensatz zu meiner Person, die natürlich wieder einmal vollends überzeugen konnte, aber leider nur zwei halbe Punkte herausholte.

Erst der Abend bot einige Wendungen des Geschehens, die vor allen Dingen Gestank beinhalteten. Genauer gesagt waren daran drei Personen beteiligt. Zum einen unser Zimmerkollege und zum anderen zwei Freunde von ihm, die für diese eine Nacht zu Besuch kamen und ebenfalls in dem Achter‑Zimmer nächtigten. Wie sich im Nachhinein herausstellte, war eine dieser beiden Personen eine Frau, was ich jedoch nur an zwei Wölbungen oberhalb des Bauches erkennen konnte. Ansonsten wäre dieser Mensch für mich auf ewig ein nicht zu identifizierendes Wesen geblieben. Des Weiteren verbrachten wir den Abend mit langen Diskussionen über den Sinn des *piep*‑Spiels und über grundsätzlich unterschiedliche Lebenseinstellungen. Natürlich kam es auch zu einem kleinen Psychoduell zwischen Max und mir, da wir in der letzten Runde aufeinandertreffen sollten. Dabei habe ich die ganze Zeit innerlich gespürt, wie Max die Knie schlotterten. Meine Präsenz jagt eben so manchem eine Heidenangst ein.

Der letzte Morgen in Nordhausen stand im Zeichen der Abreise. Alle packten ihre Koffer, der eine langsamer und der andere noch langsamer (nech, Daniel?). Anschließend begaben sich alle, wie immer zeitlich versetzt, zum Spielort, um das Turnier zu einem guten Abschluss zu bringen. Daniel hatte wohl bereits die Lust verloren und einigte sich mit seinem Gegner relativ früh auf remis. Clemens’ Gegner hingegen glänzte nicht am Brett, sondern einzig und allein durch Abwesenheit. Es ist einfach unglaublich, dass Clemens in dieser Runde seinen ersten Gegner mit einer DWZ, die die 2000 übersteigt, bekommen hätte und dann einfach so kampflos gewinnt. Er beendete das Turnier somit mit fünfeinhalb Punkten, ohne dafür auch nur irgendetwas geleistet zu haben. Es ist einfach nur skandalös.

Das Highlight dieses Tages bildete jedoch die Partie zwischen Max und mir, welche sehr scharf und taktisch geführt wurde. Um wenigstens ein Beispiel unserer schachlichen Meisterleistung in Nordhausen zu präsentieren, stelle ich sie für alle zum Nachspielen bereit:

Max Borgmeyer – Thomas Hagenlüke

1.e4 c6 2.d4 d5 3.exd5 cxd5 4.Ld3 Sc6 5.c3 Dc7 6.Se2 Lg4 7.f3 Ld7 8.Lf4 e5 9.dxe5 Sxe5 10.O‑O Ld6 11.Sa3 a6 12.Sc2 Sf6 13.Scd4 Sh5 14.Lf5 O‑O 15.Lg5 Sg6 16.Lxd7 Dxd7 17.Dd3 Dc7 18.g3 h6 19.Ld2 Tfe8 20.Sf5 Se5 21.Dxd5 Tad8 22.Sed4 Lc5 23.De4 Sc4 24.Dg4 Sxd2 25.Tf2 Lxd4 26.cxd4 Sc4 27.Dxh5 Se3 28.Sxe3 Txe3 29.Dc5 Dd7 30.Td1 Tc8 31.Db4 Dd5 32.f4 Dxa2 33.Dxb7 Tce8 34.d5 Tb3 35.Dc6 Teb8 36.d6 T3b6 37.De4 Tb4 38.Dd5 Dxd5 39.Txd5 T4b6 40.d7 Td8 41.Tc2 Tbb8 42.Tc6 a5 43.Tc8 Tbxc8 44.dxc8D Txc8 45.Txa5 Tc1+ 46.Kg2
½:½

Das eigentliche Highlight dieses Tages war jedoch die anschließende Analyse unserer Partie. Max und ich wollten nur nochmal entspannt unsere Partie betrachten, was jedoch auf Grund einer sehr aufdringlichen ostdeutschen Person nicht möglich war. Diese Person fühlte sich selbst als Schachgott und griff aufs Unverschämteste in unsere Analyse ein. So etwas habe ich selten erlebt und ich gebe offen zu, dass ich kurz davor war, vollkommen auszurasten. Naja, jedenfalls war es das letzte Aufruhr erregende Ereignis, was mir dort wiederfahren ist.

Ich konnte es kaum erwarten, dass endlich die Siegerehrung beginnt und wir von Herrn Borgmeyer wieder nach Hause gefahren werden können. Zwei von uns waren an der Siegerehrung sogar unmittelbar als Preisträger beteiligt. Zum einen Max, der den dritten Platz in der Sektion der Jugend belegte und zum anderen Clemens, der völlig unverdient insgesamt Fünfter wurde. Zumindest bin ich froh, dass das Turnier beendet ist und die Verrücktheiten hoffentlich ein Ende haben werden.

(Thomas Hagenlüke)

Quelle: Nordhäuser Schachopen
 
 
 
 
 
 
 
https://www.kshamburg.de/archiv/10ndh.php
01.01.2017, 00:01 (tr)
 
 
 
 
 
 
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