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Chronik: Archiv
Donnerstag, 23. November 2017

Königsspringer Hamburg · Schachclub von 1984 e. V.


Königsspringer Hamburg
Schachclub von 1984 e. V.

Chronik

Archiv

Deutsche Vereinsmeisterschaften U20/U16 2009
 26. bis 30. Dezember 2009 in Chemnitz (U20) und Verden (U16) 
Endstand U20
Pl. Mannschaft g. u. v. MP BP Bhz.
1. Hamburger SK 5 2 0 12 27,0 58,0
2. SG Bochum 31 5 1 1 11 25,0 60,0
3. FSV Großenseebach 4 1 2 9 25,0 59,0
4. SF Neuberg 4 1 2 9 24,5 48,0
5. Schachfreunde Brackel 4 1 2 9 23,5 59,0
6. SG Grün‑Weiß Dresden 4 0 3 8 24,5 45,0
7. Brackweder SK 4 0 3 8 21,0 58,0
8. SC Dillingen 3 1 3 7 23,5 61,0
9. Heilbronner SV 2 2 3 6 21,5 38,0
10. USG Chemnitz 3 0 4 6 20,5 48,0
11. USV Potsdam 2 2 3 6 20,0 35,0
12. Königsspringer Hamburg 2 2 3 6 18,5 39,0
 

Max Borgmeyer (2½/7)
Adrian Lock (3½/7)
Daniel Maiorov (3½/7)
Justus Streich (3½/7)
Markus Langmann (3/7)
Shumon Akram (2½/7)

 
13. SG Aufbau Elbe Magdeburg 2 2 3 6 18,0 51,0
14. SC Tamm 2 2 3 6 17,5 43,0
15. SV Walldorf 1 0 6 2 11,5 39,0
16. SG Blau‑Weiß Stadtilm 0 1 6 1 14,5 43,0
Endstand U16
Pl. Mannschaft g. u. v. MP BP Bhz.
1. SK Bebenhausen 5 2 0 12 18,5 61,0
2. OSG Baden‑Baden 5 1 1 11 20,0 61,0
3. SV Mülheim Nord 5 1 1 11 17,0 58,0
4. Heilbronner SV 4 0 3 8 16,0 59,0
5. Segeberger SF 3 2 2 8 16,0 59,0
6. SF Heinsberg 4 0 3 8 15,5 47,0
7. SG Oesede‑Georgsmarienhütte 3 2 2 8 15,0 62,0
8. Königsspringer Hamburg 4 0 3 8 15,0 59,0
 

Eugen Raider (3½/7)
Guido Stanau (4½/7)
Henry Steinfeldt (3/7)
Max Hort (4/7)

 
9. VfR SC Koblenz 3 1 3 7 14,5 49,0
10. SC Noris‑Tarrasch Nürnberg 3 1 3 7 14,5 48,0
11. SK Gernsheim 3 1 3 7 14,5 37,0
12. SG Bochum 31 3 1 3 7 14,0 47,0
13. SV Herzogenrath 2 3 2 7 13,5 52,0
14. Stader SV 2 3 2 7 11,5 48,0
15. USG Chemnitz 2 2 3 6 14,0 44,0
16. SV Dresden‑Striesen 2 2 3 6 13,5 35,0
17. SC Bamberg 2 1 4 5 11,0 38,0
18. SG Porz 1 1 5 3 9,5 40,0
19. SC Turm Illingen 1 1 5 3 9,0 37,0
20. SV Muldental Wilkau‑Haßlau 0 1 6 1 7,5 39,0
Bericht U20

Der Muskelkater kam langsam: erst in den Oberschenkeln, dann in den Schultern, im Rücken. Ich liege auf der Couch und mache nichts. Das ist es. Nichts. Wie schön.

Nach der Odyssee im Zug bin ich erstaunt, dass der Muskelkater erst mit einem Tag Verspätung kommt. Aber vorher hat das Adrenalin verhindert, dass ich die Schmerzen in den Muskeln vernehmen kann.

Selten habe ich etwas gemacht, das so anstrengend war. Am 22.12. war erst klar, dass wir den Nachrückerplatz in der U20 bekommen können (die Verantwortlichen von Schott Mainz meinten, sie hätten nie zugesagt, deswegen war erst so kurzfristig klar, dass es noch einen Nachrückerplatz gibt). Dass dieser wahrgenommen werden konnte, haben wir dem Vorstand zu verdanken und dem flexiblen kurzfristigen Einsatz der sechs Spieler. Danke.

So knapp war die reguläre Quali gescheitert gegen Aufbau Elbe Magdeburg und so musste diese einmalige Chance auf die Teilnahme wahrgenommen werden. Unabhängig vom Ergebnis.

Und so war die Vorbereitungszeit viel, viel zu kurz, und wir haben nicht mal einen zweiten Betreuer stellen können vom Verein aus. Und so machte ich mich mit den Spielern Max, Adrian, Daniel, Justus, Markus und Shumon auf den Weg ins ferne Sachsen. Was uns dort erwartete, übertraf alle Erwartungen.

Angekommen nach 6:30 Stunden mit dem Regionalverkehr, gingen wir den Weg zum Hotel per pedes, das spart nicht nur Geld, sondern ist nach langer Bahnfahrt der richtige Ausgleich. Fies war nur der Anstieg à la Elbhang ganz zum Schluss. Im Hotel angekommen standen wir nicht auf der Liste, aber mit Parole »Schott Mainz« bekamen wir doch Schlüssel. Nicht nebeneinander, nicht mal nah beieinander, aber was soll’s.

Die Zimmer waren 4 Sterne! Sehr geräumig, große Betten, schöne Badezimmer, ein 32 Zoll Flachbildfernseher mit Sky (ehemals Premiere)! Und Doppelzimmer für alle. Das war aber schon mal schlecht für Mannschaften, denn größere Zimmereinheiten sind für Mannschaften besser, die den Teamspirit brauchen. Mannschaften mit vielen Individualisten waren hier im Vorteil.

Auf zum Abendessen. Die Schlange verspricht nichts Gutes. Maximal 40 Teilnehmer können gleichzeitig essen, es gibt nur eine Mahlzeit pro Teilnehmer, es gibt keinen Nachschlag, es gibt keinen Salat, es gibt nichts zu trinken und für den Nachtisch, Wackelpudding, gibt es auch keine Löffel. Getränke sollen wir käuflich erwerben im Hotel‑Restaurant (bummelige 10 Euro pro Mahlzeit), das sich neben unserem kleinen Essenssaal befindet. Ist der Saal voll, heißt es im Stehen essen oder auf dem Fußboden.

Die nächste Überraschung wartet bei der Betreuerbesprechung. Frischlinge als Turnier‑Ausrichter und Organisatoren, die so was noch nie gemacht haben. Alle von sich sehr überzeugt, und von dem, was sie da tun. Beratungsresistent. Das wurde so heiter, wie man es erwarten konnte.

Es gilt die Null‑Karenz‑Zeit, wer zu Rundenbeginn nicht am Brett ist, hat sofort verloren. Folgendes rät der Organisator: »Bitte lassen Sie einen ihrer Spieler kampflos verlieren und rufen sie danach das Schiedsgericht an, das wird dann entscheiden«. Danke für diesen Ratschlag.

Es gibt keine Getränke zu den Mahlzeiten. Die Schuld wird an die DSJ weitergeschoben. Es werden Essensmarken ausgegeben, eine Marke, eine Mahlzeit. Jede Marke hat einen Stempel, wer eine falsch gestempelte Marke bringt oder keine Marke hat, soll für das Essen bar bezahlen. Getränke dürfen nicht mitgebracht werden. Die Betreuersitzung dauert weit über eine Stunde, ergeben tut sie nichts.

Noch mehr Überraschungen am Abend. Wir sind an Setzplatz 9 und dürfen am Tisch 1 gegen HSK in voller Montur antreten. Um 00:45 Uhr sind die Spieler vorbereitet, danach kann ich die ersten 5 von insgesamt 21 Stunden Schlaf vor Ort antreten.

In der Nacht haben sich andere Hotelgäste beklagt, dass die Schachspieler noch um 00:30 Uhr auf den Fluren »Krach« gemacht haben. Viele Rentner sind im Hotel und automatisch sind einige Opfer der Fehlplanung des Hotels (keine Struktur bei der Zimmervergabe, alles ist ein Mosaik).

Vor der ersten Runde im großzügigen aber leider völlig unterschiedlich beleuchteten und dadurch nicht sonderlich geeigneten Spielsaal gab es eine kurze Ansage. Die erste Runde geht für uns 1:5 verloren. Nur Shumon (souverän) und Daniel (hätte auch matt setzen können) erreichen halbe Punkte. Zum Mittagessen: Nudeln oder Milchreis, eine Portion, keine Getränke. Es ist Sonntag, ich kann nirgendwo einkaufen gehen.

In der zweiten Runde geht es gegen Potsdam, den Sieger der Oststaffel. Schon deuten sich bei Max die typischen Schwierigkeiten an, er steht nach der Eröffnung schlecht. Bei den anderen alles in Ordnung. Adrian noch nicht ganz wach, Daniel spielt Vorbereitung, keine Gefahr. Justus bekommt eine Justus‑Stellung, Shumon braucht ewig und einen Tag gegen 1200. Es wird klar, dass dies nicht Shumons Turnier wird. Markus spielt gut, steht aussichtsreich, will dann aber kein Remis machen, steht ganz am Ende sogar noch auf Verlust, aber der Gegner sieht es nicht und es geht 3:3 aus. Der erste Mannschaftspunkt, immerhin. Nach mehr als 5 Stunden Spielzeit.

Lange dauern die Partien hier. Manche finden kein Ende. Königsspringer sind häufig beteiligt. Das Pflaster ist hart, alle kämpfen bis zum Ende. Aus Spaß an der Freud ist keiner hier. Das hier ist die Königsklasse.

Das Abendessen wie üblich. Zwischendurch gehe ich zum Bahnhof und kaufe Getränke, erst am 28. ist wieder Wochentag. In der 3. Runde vormittags geht es gegen Tamm. Max spielt seine Vorbereitung und stellt nach zwei Stunden eine Figur ein. 1:0 für die anderen. Daniel hat sich nicht die ganze Vorbereitung vom Vorabend gemerkt. Außerdem spielt er zu langsam und stellt sich lustige Fragen. In Zeitnot wickelt er ab in ein verlorenes Bauernendspiel. Justus spielt eine neue Eröffnung, alles geht gut, er spielt remis. Markus besiegt seinen Gegner deutlich. Shumon entscheidet den Kampf: Er kennt nach der Eröffnung noch nicht den richtigen Zug und spielt ungünstig weiter. In derselben Eröffnung kann Adrian einen schönen Sieg herausspielen. Am Ende 3,5:2,5 für die anderen.

1:5 Punkte, das ist zu wenig. Aber das Turnier beeindruckt die Jungs zu sehr. Zu wenig zu essen, zu harte Gegner, zu kurze Zeit zum Vorbereiten. Mehr als das, was am Ende herauskommt, war nicht drin, war nie drin. Aber für die Zukunft vielleicht ganz gut. Die Nächte sind für mich kaum länger als 5,5 Stunden.

Vor Runde 4 dann eine Ansage vom Ausrichter: »Ihr wohnt hier für 30 Euro die Nacht, da muss man auch mal Abstriche machen. Wir würden das hier gerne wieder machen. Das Hotel hat sich vertan. Bis zum vorletzten Abend müssen wir, die Schachspieler, 30 Zimmer räumen. Es werden in einem anderen Hotel Zimmer bereitgestellt. Bitte meldet Euch freiwillig bis morgen Mittag. Wenn sich bis dahin niemand freiwillig gemeldet hat, sehen wir uns leider gezwungen, die Mannschaften aus der unteren Tabellenregion der U20 umziehen zu lassen.«

Wir spielen am vorletzten Tisch. Das war die beste Motivation. Die Kommando‑Aktion »siegen oder gehen« tritt in Kraft. Daraufhin geben sich die Jungs ordentlich Mühe und siegen zweimal hintereinander: erst gegen den Setzplatzletzten Walldorf, dann sogar gegen Heilbronn. Immerhin.

Der Umzug ist abgewendet, das Team gehört nicht zum Abschaum. Die Teams von unten melden sich »freiwillig« für den Umzug. Das ist die Form der Freiwilligkeit, die ich unseren Kindern auf keinen Fall beibringen will (das Mf… lässt grüßen). Was bei den Ansagen des Ausrichters durchgezogen wurde, erinnert an etwas anderes als eine Deutsche Meisterschaft. Alles kostet 12 Euro, das I‑Kuh Menü, die Reinigung von Handtüchern, die Reinigung von Stühlen. Alle sind zu laut. Das geht gar nicht.

Hervorheben muss ich positiv das Frühstück. Das könnte spielend mit dem aus Willingen mithalten. Bacon, Eier in jeder Facon, Croissants, Obst, unzählige Marmeladensorten, Aufschnitt, Käseplatte, leckere Getränke usw. usw. Also das glatte Gegenteil vom Abendessen (lecker, ausreichend, nicht limitiert). Für die anderen Dinge (die uns angepriesen wurden) wie die Eisdisco, Sky mit Premierleague, den Fitnessraum oder das hauseigene Schwimmbad mit Sauna haben wir keine Zeit. Drei Doppelrunden, wer nicht ganz unten landen will, muss was dagegen tun.

Die Schiedsrichter der DSJ sind beschäftigungslos, was sie dazu bewirkt hat, sich Beschäftigung zu suchen (hm, na ja).

In der sechsten Runde bekommen die Jungs die Chance, sich in das Turnier zu beißen. Kurze Vorbereitungszeit, müde Gegner. Genau die Art Chance, die es braucht. Denkste. Alle sind müde. Keine Ahnung, was los ist. Keine Motivation, kein Glaube an die eigenen Stärken, die Vorbereitung kommt auf das Brett und dann nur noch Grütze. Kein Biss. 2:4 gegen Chemnitz.

Am Abend nach der 6. Runde bekommen wir unseren eigenen Chemnitzer zugeteilt für das Abendessen, der von uns in Erfahrung bringen will, wie uns die Meisterschaft gefällt. Er setzt sich einfach zu uns und fragt subtil. Bereitwillig geben wir Auskunft und teilen ihm unmissverständlich mit, dass wir anderer Ansicht sind als er. Nun gibt er alles auswendig Gelernte zum Besten: »Man kann sich auch eine Pizza bestellen, wenn man noch Hunger hat.«, »Man muss auch mal Abstriche machen.«, »Man muss diese Meisterschaft mit der letzten vergleichen, da hatten wir kein Sky.«, »Fitnessraum und Schwimmbad, wo hat man das schon.«, »So ein schönes Hotel.«, »Ihr müsst die Bedingungen auch zu schätzen wissen, die wir hier haben.«, »Die DSJ hat uns kein größeres Budget freigegeben.«, etc. pp. Fein. Nur hätte der Anwärter auf die Ernst‑Thälmann‑Medaille das auch der Pflanze erzählen können, wenn er auf keine einzige von unseren Antworten eingeht. Albern.

Da merkte man, dass der stets bemühte Ausrichter nicht nur keine Erfahrung mit Meisterschaften hat und kein Schach spielt, sondern dass er sich vorher nirgends Rat geholt hat oder auch nur einen Augenblick lang den Eindruck machen wollte, dass man ihm Ratschläge geben kann.

Vor der letzten Runde nun wurden wir mit den 5:7 gegen den Letzten Stadtilm gelost (0 Punkte). Daniel hatte kein Interesse mehr am kämpfen, er macht schnell remis. Das erste Mal kann er frühstücken gehen. Guten Appetit! Das kostete letztendlich den Mannschaftssieg und ich musste den ganzen Tag über mein Namensschild mit der Aufschrift Delegationsleiter tragen: Fremdschämen als Strafe. Alle finden uns sozial, weil wir nur 3:3 gespielt haben.

Zu den Einzelspielern: Max schaffte zwischendrin noch 2,5 Punkte, das ist okay. Adrian konnte nach seinen beiden Nullen am Anfang danach unbesiegt bleiben. Keine Konstanz bekamen die anderen vier Spieler rein: Daniel (mit DWZ‑Plus), Justus, Markus und Shumon (zusammen haben sie 185 DWZ‑Punkte in Chemnitz gelassen).

Die Enttäuschung hält sich in Grenzen, denn was gefehlt hat, haben die Spieler von alleine gesehen. Und ähnlich wie Potsdam und Magdeburg sind ausschließlich Hobby‑Spieler am Start gewesen. Vielleicht arbeiten unsere Jungs jetzt auch mal zu Hause mit Datenbanken oder einem Schachbuch. Vorausgesetzt, sie wollen besser werden. Vielleicht findet sich zusätzlich ein starker Spieler aus der 1. Mannschaft, der die JBL regelmäßig trainieren kann. Aber selbst wenn nicht, sind sie vom Image her mir immer noch am liebsten. Und das Abitur hat absoluten Vorrang.

Wie hat der Ausrichter unseren Jungs bei der Medaillenvergabe mitgegeben (mehr als ein Drittel der Teams war schon abgereist): »Teilnahme ist alles«. »Jawohl, Genosse Major!«

Sieger wurde der HSK (nicht ohne heftige DWZ‑Schrammen, wobei deren immer noch weit weniger schlimm sind als die unseren). Meistermacher sind die Schachfreunde Neuberg, die dem HSK Schützenhilfe leisteten mit einem Sieg gegen Bochum und dadurch »Helden für einen Tag« (Till Lindemann von Rammstein – oder eben David Bowie) wurden.

Die U20w fand am selben Ort statt und dort gewann Stuttgart‑Wolfbusch mit dem coolsten Betreuerteam Häcker/Maxion. Nadine Stitterich war die einzige Spielerin vor Ort, die alle besiegen konnte, bei den Jungs erzielte Christopher Seifert aus Neuberg 6,5 Punkte am 3. Brett, mit teils sehr beeindruckenden Partien, die genau wie alle anderen auf dem DVM‑Portal der DSJ zum Download bereit stehen.

Sehr skurril und hochgefährlich war noch der Vorfall am letzten Abend im Ausweichhotel Mercure. Da wohnten im 21. Stock nur Schachspieler. Und irgendeiner wollte vermutlich testen, ob der Rauchmelder auch noch funktioniert, wenn er selber brennt. Das Feuer griff über auf die Deckenplatten und wurde zum Glück schnell gelöscht. Gruß nach Berlin! So musste das gesamte Hotel evakuiert werden zu später Stunde. Alle mussten aus dem 21. Stock zu Fuß nach unten. Ein Mädchen erlitt einen Schock. Die Kripo ermittelt. DVM U20, oder was?

Auf der Rückfahrt am 30.12. haben wir in Leipzig den Anschluss verpasst, weil unser Regionalexpress läppische 45 Minuten Verspätung hatte. Kälte und Regen bescheren mir einen Schnupfen. Aber angekommen sind wir trotzdem. Und lustig war’s. Wir hatten unseren Spaß, eine wertvolle Erfahrung mehr und ich kann sagen: Die Jungs haben sich sehr gut benommen. Merci.

Vielen Dank an Harris, KittyKat, Sido und die Beatles für die musikalische Untermalung.

Das neue Jahr hat angefangen. Schön. Prost Neujahr 2010. Ich bin Rekonvaleszent.

(Boris Bruhn)

Bilder von der DVM U20
Bericht U16

Wie jedes Jahr stand auch dieses Mal wieder eine Schachreise am 2. Weihnachtstag auf dem Programm. 6 motivierte Königsspringer (Eugen, Guido, Henry, Max, Steffen und ich) trafen sich gegen 14:00 Uhr am Hauptbahnhof, um im nahegelegenen Verden eine gute Figur bei der Deutschen Vereinsmeisterschaft U16 zu machen.

Nachdem die Zugfahrt und der nette kleine Spaziergang vom ca. 30 minütig entfernten Bahnhof zur Jugendherberge gemeistert war, kam die erste kleine Überraschung. Leider mussten wir Betreuer uns ein Zimmer mit zwei weiteren Betreuern teilen. Naja, kein Problem, ist man ja schon gewohnt.

Die zweite Überraschung folgte nur wenige Augenblicke später. Passender Weise gab es exakt 2 Schlüssel, für drei Parteien, sodass wir im Laufe der Reise ständig damit beschäftigt waren unsere netten Nachbarn zu suchen bzw. von ihnen gesucht zu werden. Zum Glück umfasste die Herberge ein überschaubares Arsenal. Wer jetzt denkt, die Unannehmlichkeiten sind nun abgehakt, der irrt. Wieder nur Augenblicke danach betreten wir unsere Zimmer und stellen die Heizung an, weil es echt schweinekalt war. Über Weihnachten war der Hausmeister so nett den Kessel auszuschalten und leider hatte dieser nicht die Güte wieder anständig zu arbeiten und Wärme zu verteilen. Erst am zweiten Tag, kam er so langsam zu Potte.

Um sich an die Kälte zu gewöhnen wurden ersteinmal die kläglichen Reste des Wintereinbruchs genutzt, um eine kleine Schneeballschlacht zu inszenieren. Danach ging es zum Abendbrot, das wie auch die anderen Mahlzeiten auf einem für Jugendherbergen hohen Niveau lag. Danach machten wir uns auch gleich beim Ausrichterteam beliebt, indem wir gefühlte zehn Mal fragten, ob wir uns Tabu ausleihen könnten und immer wieder mehr oder weniger höflich auf den nächsten Tag verwiesen wurden, obwohl Steffen es schon geortet hatte und derbe Bock drauf hatte. Leider zahlte sich Penetranz nicht aus. So mussten wir uns die Zeit anders vertreiben. Die Wahl fiel auf das gute alte Stadt, Land, Fluss mit im Laufe des Abends unkonventionellen Kategorien und z. T. noch unkonventionelleren Krankheiten.

Letzte Programmpunkte des Abends waren die übliche Betreuersitzung, wo nochmal ausdrücklich auf die »Null Toleranz«‑Regel hingewiesen wurde (dazu später mehr), sowie die Auslosung mit anschließender Vorbereitung. Mit Setzplatz 9 trafen wir auf Dresden‑Striesen. Ein recht glückliches Los, um einen guten Turnierstart zu erwischen.

Am ersten Spieltag saßen dann auch tatsächlich alle 80 Spieler pünktlich um neun an den Brettern und es konnte losgehen. Wir sicherten uns vorerst die Tabellenführung, indem wir als einziges Team ein glattes 4:0 erreichten. Ein wenig Glück hatte Eugen, dass auch jemand an Brett 1 einen zweizügigen Figureneinsteller nicht bestrafen muss. Gut gelaunt schmeckte das Mittagessen prächtig und wir freuten uns schon auf die nächste Runde, wo Koblenz (Setzplatz 4) auf uns warete. In einem äußerst engen Match stand es schnell 1,5:1,5. Eugen spielte die Eröffnung etwas ungenau und stellte laut Analyse zwei Tempi ein. Es entstand eine hoch taktische Stellung, in der sein Gegner den besseren Überblick und kurz darauf den Punkt sicher hatte. Jedoch war da schon klar, dass Guido seine Partie locker gewinnen würde. Eine fast perfekte Angriffspartie endete standesgemäß mit einem schönen Mattangriff. Etwas zittern ließ uns Max, welcher in guter Stellung einen Bauern einstellte und anschließend nur noch reagieren konnte. Doch unser Glück blieb uns vorerst hold. Turmendspiele (auch die simpel gewonnenen) sind halt nicht jedermanns Sache, sodass sich bald auf Remis geeinigt wurde. All unsere Hoffnungen lagen nun bei Henry. Wie schon in der 1. Runde spielte er mit Abstand am Längsten und wurde wieder belohnt! In einer ansehnlichen Partie hatte er seinen Gegner stets im Griff und konnte das Springerendspiel mit Mehrbauern locker nach Hause bringen. 2,5:1,5 gewonnen! Tabellenführung verteidigt! Warten auf das nächste Hammerlos – nun endlich bei einer Runde Tabu! Und warme Zimmer gab es inzwischen auch! Großes Lob an den Hausmeister, vielen Dank an den Heizkessel!!!

Am zweiten Spieltag machte Steffen das einzig Richtige und blieb bis zum Mittag im Bett. Unser Gegner hieß übrigens Bebenhausen (Setzplatz 2 und neuer Deutscher Meister). Wir durften zumindest als »Zuschauer« an den Brettern sitzen. Richtige Gegenwehr konnte leider nur Max darbieten. Nach dem Startschuss machte ich mich auf zum Einkauf, da endlich Montag war. Als ich wiederkam, war das Unheil schon abzusehen. Eine Stunde später stand es 0:3. 30 Züge wurden keinem unserer ersten drei Brettern gegönnt. Max rettete unsere Ehre, indem er in einem guten Endspiel zwar diverse Bauern einstellte, aber dann ein Dauerschach fand. Unsere höchste Niederlage des Turniers war überstanden, Steffen inzwischen aufgestanden und die Stimmung weiterhin gut, sollte doch jetzt in der zweiten Runde gegen einen wohl schwächeren Gegner ein Sieg möglich sein.

Nach einem gemeinschaftlichen Marsch zum Supermarkt wurde uns das erste und einzige Nordderby zugelost. Vom erwarteten leichten Gegner war nicht mehr die Rede. Segeberg (Setzplatz 3), noch ungeschlagen, war wieder einmal eine Nummer zu groß für uns. Schon bei der NDVM verloren wir in ähnlicher Besetzung mit 1:3, damals denkbar knapp. Auch diesmal hieß es 1:3 und Eugen musste leider die bisher kurze in eine lange Rochade umändern. Max gab sich zum ersten Mal geschlagen. Guido und Henry konnten mithalten und sicherten zumindest noch zwei Remisen. Ein schwarzer Tag neigte sich dem Ende. Doch mit 4:4 Punkten ist noch nichts verloren und nun sollte doch eigentlich ein einfaches Los zu bekommen sein – eigentlich. Ein Blick auf die Auslosung verriet uns, dass wir es mit Heilbronn zu tun bekommen (Setzplatz 5). Zum Glück können wir positiv denken (Setzplatz 4 besiegt, was ist da schon Setzplatz 5) und sammelten während einer intensiven Vorbereitung weiteren Mut.

Die 5. Runde brachte dann auch das gewünschte Resultat. Eugen stellte zwar wieder mal was ein, spielte seinen Gegner danach aber so was von an die Wand, dass man das Klatschen noch einen Raum weiter hören konnte. 1:0! Henry spielte eine solide Partie, sein Gegner fand aber die besseren Züge und glich aus. Am vierten Brett, wo wir sogar einen DWZ‑Vorteil hatten, zeigte Max seinem Gegner, dass er taktisch einer der Besseren ist und gewann erst eine Figur für zwei Bauern und anschließend eine Qualität. Turm gegen B+B = Sieg! 2:1! Guido machte dann alles klar. In einem sehr komplizierten Endspiel mit je vier Bauern auf beiden Flügeln und Springer gegen guten Läufer steuerte er den wichtigen Halben bei, indem er seine Figur opferte alle Bauern bis auf einen tauschte und dann mit dem König gegen den Randbauern in der richtigen Ecke Platz nahm. Sein Gegner war sich zwischenzeitlich dem Siege wohl etwas zu sicher, zumindest brachte er einen gewissen Unmut zum Ausdruck, welchen das Spielmaterial zu spüren bekam. Verlieren soll gelernt sein.

Runde 6 durften wir uns ein wenig ausruhen. Wir spielten gegen Bochum (Nr. 15) und bekamen an drei Brettern die Vorbereitungen in Reinform aufs Brett. Eugen und Guido verwandelten dann auch recht zügig zum 2:0 und Henry, der irgendwie nur Pech hatte und keine Variante bekam, die ihm lag bzw. die wir uns ausgeguckt hatten durfte zum Remis abklatschen. Auch Max wollte eigentlich das Gebot seines Gegners annehmen und in der Stellung war auch nicht so viel los. Doch da unsere Brettpunkte durch die beiden hohen Niederlagen nicht so dolle waren und er deutlich stärker als sein Gegner war, musste er weiterspielen. Zwei Züge später hatte er dann auch gewonnen. Ein Einsteller zur rechten Zeit. Nach dem Mittag wollten wir ein wenig buffen, hatte Guido doch extra den neuen WM‑Ball in Miniformat mitgebracht. Der kleine Fußballkäfig direkt vor der JH schien uns der geeignete Ort. Zu unseren Unmut und dem der noch spielenden Schachakteure, war es wohl im Spielsaal zu hören. Wir schafften es irgendwie ohne Krach zu spielen, was durchaus nicht einfach ist und zu meheren humoristischen Zwischenfällen führte.

Mit soliden 8:4 Punkten hofften wir nun auf einen punktgleichen Gegner. So ein Endspiel um die Podestplätze gegen Oesede oder Mühlheim versprach spannend zu werden. Leider spielten die Spitzenmannschaften nicht nach unseren Geschmack. Segeberg verlor und Baden‑Baden spielte gegen Bebenhausen nur Unentschieden. Alle Rechenspiele wurden auf den Kopf gestellt. Leider zu uneseren Ungunsten. Nach Setzplatz 2, 3, 4 und 5 durften wir uns mit Baden‑Baden (Setzplatz‑Nr. 1) messen. Eine so harte Auslosung wie wir hatte kein anderes Team aufzuweisen. Zu dem üblichen Stress den man so am letzten Abend hat (Zimmer aufräumen etc.) sollte nun auch noch eine intensive Vorbereitung unsere Chancen gegen einen im Durchschnitt 300 Punkte stärkeren Gegner verbessern. Dies klappte zwar im großen und ganzen. Nur Henry biss mal wieder in den sauren Apfel und bekam nicht die erwünschte Eröffnung.

Doch es passierten wundersame Dinge in der letzten Runde. Üblicherweise fand diese eine halbe Stunde früher als alle anderen Vormittagspartien statt. Wir spielten im vorderen Turniersaal, wo die beiden Spitzenpaarungen ausgespielt wurden und bekam erst später mit, was sich im anderen Saal zutrug. Um 08:32 Uhr, also leicht verspätet gab der Turnierleiter die Uhren frei. Bisher war die »Null Toleranz«‑Regel nicht zum Einsatz gekommen, weil alle Spieler pünktlich an den Brettern saßen. Doch drei Mannschaften hatten wohl die geänderten Rundenzeiten nicht mitbekommen oder noch Stress, weil die Zimmer ja unbedingt vor der Runde geräumt sein mussten. Auf jeden Fall wurde auch im Saal 2 mit leichter Verspätung begonnen und ohne Fingerspitzengefühl die Kämpfe an den Tischen 7–9 für beendet erklärt. Spieler, die fünf Minuten später aus dem direkt angrenzenden Speisesaal kamen, mussten verdutzt feststellen 0:4 verloren zu haben. 30 % der angesetzten Partien waren nach einer Sekunde beendet und die Jugendherberge begann zu beben. Sowohl »Profiteure« der neuen Karenzzeit als auch »Opfer« baten erbost darum spielen zu dürfen, weil es gerade für diese Mannschaften eigentlich darum ging Erfahrung auf höheren Niveau zu sammeln und nicht Deutscher Meister zu werden. Die Turneirleitung blieb bei ihrem Standpunkt und eine erste Abreisewelle setzte sich in Gang. Unsere Jungs bekamen von alldem wenig mit und kämpften verbissen um den noch erreichbaren 3. Platz. Nach der Eröffnung waren noch fast alle Stellungen ausgeglichen. Nur Max nahm sein Herz in die Hand und spielte aktiv auf Gewinn. Zumindest vorerst.

Nachdem ich Eugen riet, remis zu bieten und sein Gegner erwartungsgemäß ablehnte, machte ich mir nicht mehr viele Hoffnungen an Brett 1 zu punkten. J. A. Hager ist fast 400 Punkte stärker als Eugen und hatte auch die vielversprechendere Stellung. Doch das Leben überrascht einen immer wieder. Nach wenigen Zügen kam das Gebot von der anderen Seite und wir nahmen dankend an. Guido und Henry standen weiterhin unklar. Und wir durften noch mit einem Punkt aus diesen beiden Partien hoffen. Max’ Stellung änderte nun des Öfteren ihren Charakter. Nachdem Max das natürliche Da3 übersah und somit einen riesen Vorteil verschenkte, bot ihm sein Gegner noch eine Chance. Leider wurde auch Sa5 mit Qualitätsgewinn nicht gezogen und die Stellung kippte immer weiter in die falsche Richtung. Mit etwas mehr Routine wäre Max als sicherer Sieger hervorgegengen. Dieses Mal gab er sich noch geschlagen. Nachdem Henry lange Gegenwehr leistete musste er einsehen, dass das Endspiel einfach verloren ist und der Mannschaftskampf war weg. Guido konnte auch nur noch einen Halben hinzusteuern, was dem Partieverlauf entsprach.

Schlussendlich konnten zwar nicht die erhofften 10 Mannschaftspunkte eingefahren werden, aber mit einem Blick auf die Gegner muss man das Turnierergebniss als Erfolg werten. Alle Spieler haben über ihrer Zahl gespielt, der Teamgeist war wieder herausragend und Spaß hat es auch allen gemacht. Wir durften die Erfahrung machen, dass Siegerehrungen kürzer dauern, wenn einige Mannschaften schon abgereist sind und somit noch etwas Zeit vertrödeln, da die Züge leider nur alle zwei Stunden fuhren. Trotz erhöhtem Personenaufkommen im Metronom Richtung Hamburg konnten alle einen Sitzplatz finden (keine Selbstverständlichkeit, wie erfahrene Bahnfahrer zu berichten wissen). In Hamburg zerstreute sich dann die Truppe und freute sich einen gelungenen Jahresabschluss vollbracht zu haben.

(Clemens Harder)

Quelle: Deutsche Schachjugend
 
 
 
 
 
 
 
https://www.kshamburg.de/archiv/09dvm.php
15.04.2017, 17:44 (tr)
 
 
 
 
 
 
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