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Chronik: Archiv
Sonnabend, 18. November 2017

Königsspringer Hamburg · Schachclub von 1984 e. V.


Königsspringer Hamburg
Schachclub von 1984 e. V.

Chronik

Archiv

Deutsche Schulschach‑Mannschaftsmeisterschaften 2007
 12. bis 14. Mai 2007 in Kiel (WK III) 
Endstand
Pl. Mannschaft g. u. v. BP MP Bhz.
1. Athenaeum Stade 6 0 1 19,0 12 60,0
2. Deutschorden‑Gymnasium Bad Mergentheim 5 1 1 18,0 11 60,0
3. Gymnasium Nidda 4 2 1 16,0 10 63,0
4. Carl‑Zeiss‑Gymnasium Jena 4 2 1 16,0 10 60,0
5. Immanuel‑Kant‑Gymnasium Dortmund 4 0 3 16,5 8 56,0
6. Gymnasium Bondenwald Hamburg 4 0 3 16,0 8 59,0
 

Adrian Lock (3½/7)
Alexej Rabinovitch (4/7)
Eugen Raider (4/7)
Felix Mau (4½/7)

 
7. Willibald‑Gluck‑Gymnasium Neumarkt 3 2 2 15,0 8 52,0
8. Friedrich‑Ebert‑Oberschule Berlin 3 1 3 16,5 7 44,0
9. Goethe‑Gymnasium Chemnitz 3 1 3 16,5 7 38,0
10. Gymnasium Altenholz 3 1 3 15,0 7 45,0
11. Privatgymnasium St. Paulus Bruchsal 3 1 3 15,0 7 42,0
12. Marie‑Luise‑Kaschnitz‑Gymnasium Völklingen 2 3 2 14,0 7 50,0
13. Alexander‑von‑Humboldt‑Gymnasium Greifswald 3 0 4 15,5 6 51,0
14. Karl‑Friedrich‑Schinkel‑Gymnasium Neuruppin 3 0 4 10,5 6 40,0
15. Hohenstaufen‑Gymnasium Kaiserslautern 2 1 4 14,0 5 48,0
16. Max‑Planck‑Schule Kiel 1 1 5 9,0 3 39,0
17. Luther‑Gymnasium Wittenberg 1 0 6 5,0 2 38,0
18. Freie Evangelische Bekenntnisschule Bremen 1 0 6 4,5 2 37,0
Bericht

Wenn einer eine Reise tut, …

Die Qualifikation in Hamburg war ein Spaziergang für das Gymnasium Bondenwald; nur zwei Konkurrenten mussten bezwungen werden. Aber die fehlende Konkurrenz sorgte für überzogene Erwartungen bei den Spielern: »Wir fahren zur Euro!« war definitiv der falsche Slogan, den Alexej Rabinovitch (SKJE), Eugen Raider und Felix Mau ausgaben. Zur Europameisterschaft der Schulmannschaften in Bulgarien qualifizieren sich die drei Erstplatzierten der deutschen Meisterschaft.

Spitzenbrett und Führungsspieler Adrian Lock und ich konnten während der Anreise nach Kiel (vielen Dank an Frau Lock!) nur schwer angehen gegen diese überzogenen Erwartungen. Adrian und ich ahnten, dass es auf deutscher Ebene richtig harte Schulmannschaften geben würde, während sich die unerfahrenen Alexej (Brett 2), Eugen (Brett 3) und Felix (Brett 4) die Partien in Kiel rosarot vorstellten.

Auf den Boden der Tatsachen kamen die drei erst wieder, als sie die Setzliste sahen: Setzplatz 10! Neun bessere Mannschaften, von denen mindestens zwei Topfavoriten waren (Athenaeum Stade und Gymnasium Deutschorden Bad Mergentheim). Und in Runde 1 wartete die Setzplatznummer 1: Immanuel Kant Gymnasium Dortmund, mit Spitzenspieler Zelbel (DWZ 2150), der den DWZ‑Schnitt seiner Mannschaft nach oben zog.

Adrian und ich hatten jetzt endlich die Gelegenheit, den anderen zu erklären, was es bedeutet, an einer Deutschen Meisterschaft teilzunehmen und zu erläutern, was die Mannschaft tun muss, wenn sie oben mitspielen will.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Freizeit während des Turniers ging zu 90 % für die Vorbereitung auf die nächsten Gegner drauf. Alle zogen sehr gut mit! Der Ablauf war so vorgesehen: Am ersten Spieltag waren es drei Runden, am zweiten Spieltag ebenfalls drei, am Abreisetag eine. Nur die Hafenrundfahrt am zweiten Tag nutzten die Jungs, um sich mal alleine mit etwas anderem zu beschäftigen als Schach.

Zum Verlauf des Turniers braucht man nicht viele Worte verlieren: Gegen alle harten Gegner wurde gespielt: die drei Erstplatzierten Stade, Mergentheim und Nidda (Hessen). Gegen diese konnten sie gut mitgehalten, aber die Kämpfe gingen immer 1:3 verloren. Die Erfahrung bzw. Spielstärke fehlte, um mehr rauszuholen. Aber nur ein Sieg gegen einen von den dreien hätte den dritten Platz bedeutet, und doch sensationell die Teilnahme an der Euro. Es fehlten eben 10 bis 20 % zu diesen Teams. Alle anderen Mannschaften hatten die Jungs gut im Griff, so auch die an 1 gesetzten Dortmunder, die in Runde 1 mit 3:1 besiegt wurden.

Der sechste Platz am Ende mit 8:6 Punkten ist ein sehr respektables Ergebnis, weil die Jungs immer an der Spitze mitgespielt haben und sich immerhin dreimal die Möglichkeit erspielt haben, sich das Ticket zu Euro zu ziehen. Sie haben sich mit der Spitze im Deutschen Schulschach messen dürfen, und auch das ist ein Turniererfolg. Sie konnten nicht mithalten, das konnte man auch nicht erwarten. Sie haben sich als Mannschaft präsentiert, einer für alle, alle für einen. Es gab keinen Zoff untereinander, und auch die hohe Zahl von komischen und teilweise unerträglichen Figuren bei dieser Meisterschaft wurde gut ertragen. Nur eines der krasseren Beispiele: Der Mann aus Süddeutschland, der eine braune Lederjacke trug, den Stechschritt im Gang hatte und mit Sätzen um sich warf, die Floskeln enthielten wie »zäh wie Leder« oder »hart wie Kruppstahl«, beim Namen seiner Schule kein Wunder. Aber muss ich nicht haben. Dieselbe Schule beauftragte einen (vermutlich bezahlten) Trainer, die Spieler des jeweiligen Gegners auf die Toilette zu verfolgen, um einen möglichen Betrug feststellen zu können. Perfide.

Die Ausrichtung der Meisterschaft hatte den Charakter von 40 % (von möglichen 100 %): Gespielt wurde nicht immer am selben Ort, die Zahl der Helfer war unterhalb der Zahl, die erforderlich gewesen wäre. Paarungen und Ergebnisse kamen zu unterschiedlichen Zeiten und häufig mit Verspätung raus. Die Kompetenz der Schiedsrichter war auf niedrigem Niveau. Gar nicht klar ging, dass es kein Mittagessen gab, sondern sich die Kinder Lunchpakete machen mussten, um dann abends warm zu essen: bei zwei Tripel‑Runden wohlgemerkt; einfach zum Kopf schütteln. Viel hatten die Ausrichter auch damit zu tun, den Niedergang von Meerbauer Kiel zu feiern. Da blieb nicht viel Zeit für anderes. Das i‑Tüpfelchen setzte die Herberge obendrauf, indem sie muffeliges, also verschimmeltes Mohn‑Brot anbot, das Adrians Magen während der letzten Runde postwendend zurückschickte an seinen Mundausgang. Unlecker.

Bleibt noch eine kleine Einzelkritik:

Alexej wurde astrein integriert die Mannschaft und bekam einmal mit, wie Vorbereitung deluxe geht. Er wird gut geschlafen haben am Montagabend. Alexej brummte ordentlich der Schädel, aber für eine so anstrengende Veranstaltung hat er (noch) nicht die richtige physische Konstitution. Sein Ergebnis von 4 aus 7 ist echt stark!

Eugen gelang es vorbildlich, den Geschirrbestand der Herberge zu dezimieren, genauso war er fleißigster Schmutzigmacher. Eugen ist komplett Teflon beschichtet, spielt irgendwo zwischen 900 und 1600 DWZ. Mal wie 900, mal wie 1600. Er muss noch einiges dazu lernen, wenn es um Meisterschaften geht, aber er wird noch die Gelegenheit dazu bekommen. Er erspielte 4 aus 7, war dabei gegen alle guten Mannschaften chancenlos (0 aus 3).

Felix war der Topscorer (4,5 Punkte) am hinteren Brett, aber auch er stellte sich die Aufgabe zu leicht vor. Gegen die Topteams machte er 1,5 aus 3, das war zu wenig für ganz oben.

Am Spitzenbrett konnte sich Adrian beweisen und hinterließ bei den anderen Spielern und Betreuern einen bleibenden Eindruck. Zum Beispiel kam der sympathische Bayer von Postbauer Heng auf mich zu und gratulierte mir zu Adrians Leistung. In der letzten Runde konnte Adrian dieses Vertrauen zurückzahlen mit einem Sieg (trotz Schimmelbrot) gegen 1900 DWZ und erreichte am Ende 3,5 aus 7 gegen Schnitt 1850. Adrian konnte beweisen, dass er ein guter Führungsspieler ist.

Gemeinsam verteilten wir eine Menge Schnitt‑Lauch, aber so viele Lauchs, wie da am Start waren, da hätte die Herberge den ganzen Garten abernten müssen. Die Musikrelaxation übernahm Modern Talking mit dem Smash‑Hit: »You can win, if you want«.

Mein Einsatz bei diesem Turnier war ein bisschen kurzfristig, und er war auch ziemlich anstrengend mit sechs Vorbereitungen für vier Spieler innerhalb von 48 Stunden. Inzwischen bin ich aber wieder auf dem Wege der Besserung. Nur Fotos gibt es nicht, ich hatte die Kamera nicht eingepackt.

Sinnvoll war diese Veranstaltung gewiss, besser hätte es vom Turnierverlauf nicht sein können: gegen alle Starken gespielt. Hinzu kommt ein ordentlicher Zusammenhalt, der Spaß kam ebenfalls nicht zu kurz. Der Trainingseffekt war enorm, sie haben alle vier mächtig was dazu gelernt. Nur das Ergebnis hätte besser sein können. Aber vier Plätze besser als Setzplatz, insgesamt sechstbeste Schulmannschaft Deutschlands, das ist kein Grund zur Enttäuschung und gibt eben das Leistungsvermögen der Mannschaft wieder: gut!

Nächstes Jahr fällt Adrian raus und Darius kann nachrücken, bis dahin müssen sich die anderen drei mächtig verbessern, wenn sie noch weiter vorn landen wollen.

(Boris Bruhn)

 
 
 
 
 
 
 
 
https://www.kshamburg.de/archiv/07dssm.php
01.01.2017, 00:01 (tr)
 
 
 
 
 
 
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