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Chronik: Archiv
Sonnabend, 18. November 2017

Königsspringer Hamburg · Schachclub von 1984 e. V.


Königsspringer Hamburg
Schachclub von 1984 e. V.

Chronik

Archiv

Deutsche Ländermeisterschaft 2006
 20. bis 25. November 2006 in Saarbrücken 
Endstand
Pl. Mannschaft TWZ g. u. v. MP BP Bhz.
1. Württemberg 1996 4 3 0 11 37,0 51,0
2. Nordrhein‑Westfalen I 2016 5 1 1 11 36,5 59,0
3. Sachsen 1973 5 1 1 11 36,0 55,0
4. Niedersachsen 1958 5 1 1 11 35,0 51,0
5. Rheinland‑Pfalz 1922 4 0 3 8 35,5 50,0
6. Hessen 1889 4 0 3 8 33,5 46,0
7. Nordrhein‑Westfalen II 1856 4 0 3 8 31,5 46,0
8. Sachsen‑Anhalt 1773 3 0 4 6 26,5 50,0
9. Hamburg 1731 2 0 5 4 26,0 50,0
 

Georg Herzenstein (3/7)
Jonathan Carlstedt (4/7)
Max Borgmeyer (6/7)
Milana Smolkina (3½/7)
Phil Wiese (5/7)
Daniel Pfeiffer (2/7)
Nora Herbold (1½/7)
Selena Goedeke Tort (1/7)

 
10. Mecklenburg‑Vorpommern 1657 2 0 5 4 23,5 48,0
11. Saarland 1447 1 0 6 2 15,0 42,0
Bericht

DLM 2006 – Eine Geschichte, die erzählt wird

Vom 20. bis 25. November fand in Saarbrücken die diesjährige DLM statt, deren Verlauf und besondere Vorkommnisse in diesem Bericht ihren Platz finden sollen. Doch wo soll man da anfangen – bei den kaputten Zügen, interessanten Fragen, unendlichen Geschichten, Cola vor der Partie, Turmeinstellern, Mecklenburgischen Betreuern oder Württembergischen Teilnehmerinnen? Damit ist eigentlich schon alles gesagt, aber der Form halber werde ich auf einige Dinge etwas näher eingehen.

Der Weg

Selbstverständlich waren am Morgen des Treffens alle pünktlich, wie man es von disziplinierten und gut erzogenen Kindern und Jugendlichen erwartet. Aber wo ist nur der Zug? Eine Verspätung bei der Deutschen Bahn hat es doch fast nie gegeben?! Zwei Stunden später im Zug sprach eine nette Stimme: »Tja, liebe Fahrgäste …«, und wies uns darauf hin, dass wir schon mit einem ICE an Kassel vorbeirasen könnten, statt mit dem Ersatzzug einer S‑Bahn hinterher zu eiern. In Saarbrücken verliefen wir uns kurz, fanden doch den richtigen Weg und hatten für künftige Spaziergänge einen geeigneten Orientierungspunkt in Form des Erotik‑Gigants, einem großen Discountgeschäft für alle U20‑Bretter und Betreuer. Am Ende blieb uns eine wichtige Erkenntnis – der Döner am Mannheimer Hauptbahnhof ist nicht gut …

Die Gesellschaft

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Verzeihung, ich hatte uns ja noch gar nicht vorgestellt. Unsere kleine Gruppe bestand aus
Selena – die schüchterne Kleine sorgte ausschließlich für »positive Vibrations« und verlangte allen ein Lächeln ab.
Nora – konnte noch zu ihrer Teilnahme überredet werden. Durch ihre nette und liebenswürdige Art ein guter Zeitgenosse für Selena.
Milana – nie ohne einen frechen Spruch auf den Lippen und sich oft vor Lachen krümmend. Sie zeigte uns, dass auch Geschichten, die nicht erzählt werden, interessant und lustig sein können.
Daniel – die Neugier in Person. Konnte Fragen über Fragen stellen und griff bei deren Beantwortung auf schlechte Vorbilder zurück. Kennt jedes Detail der Fußball‑Bundesliga und spielt selbst einen gepflegten Ball.
Phil – weit besser als der WM‑Rasen der FIFA. Unternehmungslustig und für jeden Spaß zu haben. Stellte bei Konversationen mit Max seine ausdrucksstarke Mimik und Gestik unter Beweis.
Max – ordentlich und diszipliniert und damit ein passender Zimmergenosse für Daniel. Versuchte durch tiefsinnige Aussagen, das Niveau der Dialoge mit Phil zu heben – vergeblich.
Johnny – leidenschaftlicher Cola‑Konsument. Muss an seiner Verhandlungstaktik noch arbeiten. Ist immer für ’ne Unterhaltung in Stammtischatmosphäre zu begeistern.
Der Erzähler – das oben genannte schlechte Vorbild.
Boris – unser Ein und Alles, was Betreuer und Trainer angeht. Ein Urgestein der Szene mit mehr Geschichten auf Lager, als es überhaupt gab. Hatte alles gut im Griff.

Trotz einiger Differenzen verstanden sich alle mehr oder weniger gut miteinander. Bei vielen gemeinsamen Mahlzeiten wurde sich köstlich amüsiert, und auch sonst wurden jede Menge lustiger Geschichten erzählt, die das Hamburger Jugendschach im Laufe der Zeit schrieb. Eine Geschichte behielt ich jedoch für mich, was Milana zur Weißglut brachte. Dabei geht es um die letzte Runde der DVM‑U16 2002. Der eine oder andere Königsspringer wird sich daran erinnern, wie ich Boris hinter Jevgenija Shmirina stehen sah und plötzlich in Lachen ausbrach und mich den Rest der Partie nicht einkriegen konnte …

Das Spiel

Schachlich lief fast alles nach Plan. Durch eine geschlossene Mannschaftsleistung schafften wir öfter mal ein 3:5, gegen das Saarland ein 6:2 und gegen das Freilos ein glückliches 8:0, was auf den Brettern ganz anders ausgesehen hätte. So landeten wir auf unserem Setzplatz 9.

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Wirklich interessant waren die Einzelergebnisse und das Geschehen auf den Brettern. Die arme Selena hatte dabei das meiste Pech. Sie war immer sehr aufmerksam bei der Vorbereitung und erkämpfte sich oft eine aussichtsreiche Stellung, nur gelang es ihr nicht, den Sack zuzumachen und ihr Spiel mit Erfolg zu krönen. Die Erfahrung, die sie aus diesem Turnier zog, dürfte sie aber einen großen Schritt weitergebracht haben.

Seltsames geschah ab und zu auf Noras Brett. Sie spielte eine normale Partie, die urplötzlich zu Gunsten ihrer Gegner entschieden wurde. Die Gründe dafür waren den meisten schleierhaft, aber als Resultat fuhr Nora mit einem misslungenen Turnier (½/6) nach Hause.

Daniel bekam meistens recht gute Gegner. Er spielte ein wenig zu schnell und wurde dafür mit nur einem Punkt belohnt. Dass Potenzial in ihm steckt, ist allerdings auch bei diesem Turnier deutlich geworden.

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Phil war von seiner Zahl und seiner Stärke ein sehr starkes Brett 5. Er spielte auch ganz gut (4½/6!), bis auf einen groben Ausrutscher. Sobald er sich auch noch die nötige Abgeklärtheit und Kaltblütigkeit im Schach angeeignet hat, wird er nicht mehr so viele Schwierigkeiten gegen schwächere Gegner haben, wie bei diesem Turnier.

Milana spielte souverän und konstant und ließ ihren Gegnern keine wirkliche Überlegenheit am Brett. Für sie war das ein Sizilianisch‑Thementurnier, wobei ich annehme, dass sie auch andere Stellungen so sicher spielen kann.

Max hatte es meistens mit gleich guten Gegnern zu tun, das allerdings nur auf dem Papier, denn er bewies am Brett das Gegenteil. Mit 5/6 war er der Topscorer des Teams und bereicherte die meisten seiner Gegner mit viel Erfahrung.

Johnny erlebte ein wechselhaftes Turnier. Mal spielte er sehr gut und ließ den Gegnern keine Chance, mal hatten seine Gegenüber ihm ihren Punkt zu verdanken. Insgesamt kann er aber doch zufrieden sein, glaube ich, zumal ihn eine Erkältung in den Schlussrunden Punkte kostete.

Bei mir lief es sehr gut, aber ich machte trotzdem keine Punkte (2/6). Leichte Einsteller wurden mir zum Verhängnis und vereitelten mein spielerisch bestes Turnier. Der zweizügige Turmeinsteller in der vorletzten Runde ermöglichte Württemberg, mit einem halben Brettpunkt Vorsprung deutscher Ländermeister zu werden. Es sei ihnen aber auch gegönnt, weil sie ein cooles, starkes Team mit nicht weniger coolen Betreuern waren und ein gut aussehendes Mädchenbrett in ihren Reihen hatten.

Auf dem zweiten Platz landete NRW 1 mit einem halben Brettpunkt Rückstand und Dritter wurde Sachsen mit einem Brettpunkt Rückstand, alle mit 11:3 Mannschaftspunkten, punktgleich mit dem Vierten, Niedersachsen. Es war also ein spannungsgeladenes Finale um den Titel, der von den Württembergern ausgelassen gefeiert wurde.

Die Zeit

Während in der zweiten Runde das Freilos noch um Punkte gegen uns kämpfte, schauten wir uns die Stadt an. Unsere Begeisterung über Saarbrücken hielt sich in Grenzen. Wir fanden nicht mal eine Premiere Sportsbar, um Bremen – Chelsea zu gucken.

Ansonsten gab es kein Freizeitprogramm, weil die Abende im Sinne der Vorbereitung genutzt werden mussten. Lediglich am Donnerstag konnte man entscheiden zwischen einem Kinobesuch, Schwimmen und einem Fußballturnier. Die Hamburger Mädels gaben sich einstimmig dem neuen 007 hin, während die Jungs die Hamburger Ehre wenigstens im Fußball verteidigen und den HSV vergessen machen wollten. Das Turnier war zu kurz und wir haben nicht mal gewonnen, weil unser letztes Spiel aufgrund einer Auseinandersetzung abgebrochen wurde. Nachdem Daniel von einer Gegenspielerin umgehauen wurde und sich verletzte und ich danach einen Zusammenstoß mit der stämmigen Spielmacherin von Mecklenburg überlebte, eilte ihr Freund herbei, um mich auf mögliche körperliche Interaktionen gegen mein Gesicht hinzuweisen.

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Alles in allem spielten wir gut. Max war ein super Keeper und hielt, was zu halten war. Vor ihm stand Johnny und bot den Gegnern durch seine Ballsicherheit kaum Chancen. Phil war eine gute Offensivkraft und kam in entscheidenden Situationen blitzschnell mit nach hinten. Daniel zeigte sich als guter Techniker und schneller Angreifer, hatte allerdings durch seine körperliche Unterlegenheit oft das Nachsehen gegenüber großen Gegenspielern und wurde zweimal durch Fouls unserer Gegner verletzt. Großartig, wie er danach immer die Zähne zusammenbiss. Meine Aufgabe war es mehr oder weniger, die Mittelanstöße auszuführen und die gute Teamleistung in Resultate umzuwandeln.

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Für die entspannte Freizeitgestaltung an den Abenden sorgte neben der – meist zu kurzen – Vorbereitung der Gesprächsstoff, von dem wir immer genügend auf dem Zimmer hatten. Das übliche Abendprogramm beinhaltete neben Blitzen auch Tandem, Tridem, Bullet und Pokern, letzteres stand ganz hoch im Kurs. Johnny und Phil konnten keinen Abend ohne eine gepflegte Pokerrunde verbringen. Phil hatte sogar die Angewohnheit, alle vom Tisch zu fegen, während Johnny die anderen durch seine Redegewandtheit beeindruckte. Im Tridem wiesen wir immerhin die Elo‑stärkeren Niedersachsen in ihre Schranken, die noch lange daran knabbern werden. Boris überfiel ab und an auch mal die Lust, den Boden unseres Zimmers zu wischen. Für uns stellte seine Passion kein großes Problem dar.

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Der berühmte letzte Abend verlief wenig spektakulär. Die Württemberger und einer der Hamburger verschanzten sich mit verbotenen Leckereien in ihrem Zimmer, wo es später am Abend anfing, Mädchen zu regnen und man sie fangen musste, damit sie einem nicht kopfüber auf die Füße fielen und womöglich noch Schaden anrichteten. Einige andere Hamburger spielten die finale Runde Poker und wurden von zahlreichen weiblichen Fans verschiedener Verbände unterstützt. Die Niedersachsen und einige NRWler machten es sich im Zimmer 42 bequem. So verging die Nacht, die Gruppen mischten sich, einige gingen zu Bett, andere nicht …

Die Heimreise war erfreulich ereignislos und der Abschied kurz und schmerzlos. Dafür haben neun Hamburger jetzt noch einige Geschichten parat, die sie womöglich irgendwann erzählen, oder es lassen.

Und zum Abschluss noch einige Zitate, die diese Reise prägten und welche bei mir hängen geblieben sind:

Sie hat kurze Haare, aber tut so, als hätte sie lange. (Phil)

Du hast ja auch weder ein ›D‹ noch ein ›J‹ in deinem Namen. (Boris)

Du kannst die Flasche dann auch umdrehen und … (Boris)

Ich hau’ dir gleich in die Fresse! (Arvid von Rahden)

Darf ich remis machen? (Phil)

Nein. (Boris)

Ah, das ist die Tormusik von … (Daniel)

Johnny, du darfst gerne wieder auf das Mecklenburger Zimmer kommen, da ist auch schon ein Eimer. (Das Mecklenburger Zimmer)

Ich rede zwar nicht mit dir, aber … (Max)

Dann mach’ ich die nächsten beiden Tage das Licht aus. (Johnny)

Ich gehe jetzt die Wahrheit sagen. (Der Erzähler)

Jetzt erzähl mal bitte! (Milana)

Kennen die Wayne? (Boris & Der Erzähler)

Tja, liebe Fahrgäste … (Nette Schaffnerin)

Was Koks ist, weiß ich. (Daniel)

Ich wartete, bis das Wasser kochte. (Der Erzähler)

Jemand lässt mich hier nicht schlafen. (Johnny)

Ja wirklich, wir sollten uns bei den Württembergern mal beschweren gehen. (Phil)

Warum, er ist doch ein netter und gut aussehender Junge?! (Der Erzähler)

Der ist klein und hässlich. (Alina Sancar, Hessen)

Was kann man alles im Erotik‑Gigant kaufen? (Daniel)

Das war’s von mir aus Saarbrücken. Danke für die Aufmerksamkeit.

Und die Moral von der Geschicht’: Manche erzählt man, andere nicht.

(Georg Herzenstein)

Gruppenbild

Hamburg
(Foto)
v. l. n. r.: Selena Goedeke Tort, Nora Herbold, Milana Smolkina, Jonathan Carlstedt (vorn), Phil Wiese (hinten), Max Borgmeyer, Daniel Pfeiffer, Georg Herzenstein

Alle Bilder vom Turnier
 
 
 
 
 
 
 
 
https://www.kshamburg.de/archiv/06djlm.php
15.04.2017, 17:44 (tr)
 
 
 
 
 
 
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