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Chronik: Archiv
Freitag, 24. November 2017

Königsspringer Hamburg · Schachclub von 1984 e. V.


Königsspringer Hamburg
Schachclub von 1984 e. V.

Chronik

Archiv

Norddeutsche Vereinsmeisterschaft U12
 21. bis 24. August 2003 in Magdeburg 
Endstand
Pl. Mannschaft g. u. v. MP BP Bhz.
1. SK Johanneum Eppendorf 5 1 1 11 19,0 53,0
2. USV Potsdam 5 1 1 11 17,0 59,0
3. Naumburger SV 5 0 2 10 18,5 61,0
4. Königsspringer Hamburg 4 1 2 9 14,5 60,0
5. SK Zehlendorf I 3 2 2 8 16,0 58,0
6. GW Dahlenwarsleben 4 0 3 8 15,5 39,0
7. Motor Eberswalde 4 0 3 8 15,5 38,0
8. AE Magdeburg 3 1 3 7 17,5 40,0
9. Hamburger SK 2 3 2 7 15,5 57,0
10. USV Halle 3 1 3 7 15,0 44,0
11. TuRa Melle 3 1 3 7 13,5 55,0
12. Greifswalder SV 1 4 2 6 13,0 51,0
13. SK Norderstedt 2 1 4 5 12,5 44,0
14. SK Weisse Dame Hamburg 2 1 4 5 11,5 38,0
15. SK Zehlendorf II 1 1 5 3 9,5 44,0
Bericht

Auf zur Norddeutschen Vereinsmeisterschaft nach Magdeburg, hieß es vom 21. bis 24. August diesen Jahres für Max, Justus, Markus, Henry und Shumon. Für Julian und mich als Betreuer eine Herausforderung der ganz besonderen Art, kannten wir die Elite unserer Jugendabteilung doch fast nur vom Hörensagen. So diente die Reise für uns also auch zum Kennenlernen.

Nach tränenreichem Abschied am Hamburger Hauptbahnhof erreichten wir Magdeburg planmäßig zur Brotzeit. Nicht so die Norderstedter, die – protzig, wie sie nun mal sind – mit dem ICE und Betreuer Andreas Kohtz ab Hamburg Hauptbahnhof NACH uns losfahren wollten, um VOR uns anzukommen. Aber wegen Bauarbeiten zwischen Hamburg und Hannover wurde daraus nix (hehe) und so verpassten die Norderstedter sogar das Abendessen. (Das Essen war für JH‑Verhältnisse übrigens recht angenehm).

In der Bahn bespitzelte Justus unsere Konkurrenten vom SK Weisse Dame Hamburg, die mit uns im Regionalexpress reisten. Leider sollten wir nicht gegen sie kommen, sodass diese Bemühungen umsonst blieben, aber das wusste zu dem Zeitpunkt ja noch keiner.

In Magdeburg angekommen, fanden wir den Weg vom Bahnhof zur Jugendherberge mit Hilfe von Henrys Kompass aus der ›Mickey Mouse‹ recht souverän. Obwohl kein weiter Weg, erwies sich auch hier eine Rollkonstruktion am Gepäck als sehr nützliches Hilfsmittel – das galt vor allem für den Fall, dass das Eigengewicht kleiner als das Gewicht des Gepäcks war.

Die DDR‑Vergangenheit ist Magdeburg übrigens nur noch schwer anzumerken. Das Zentrum ist doch recht schön und hat so richtig innenstädtisches Flair. Auch wenn manche Plattenbauten hier und da noch hervorstechen, so liegt das doch vielmehr an der verunglückten Art, sie mit schrägen Farben zu verunstalten – so auch die Jugendherberge, die von der Lage immerhin nicht besser sein könnte.

Mit dem starken SKJE, die sicherlich ihre beste Mannschaft aller Zeiten stellten, dem HSK, deren Mannschaft hauptsächlich aus noch DWZ‑losen aber sehr talentierten Jugendlichen bestand und uns nahmen drei Hamburger Teams an den U12‑Mannschaftsmeisterschaften teil, die sich alle eine Chance auf die Quali zur Deutschen Meisterschaft machten. Favoriten waren außerdem natürlich der USV Potsdam, Zehlendorf und der Naumburger SV.

Max und Justus waren an den Brettern 1 und 2 gesetzt, die anderen drei sollten je nach Stimmung rotieren.

Die erste Runde gewannen wir hoch und verdient mit 3½:½ gegen den Greifswalder SV. Nur Max gab nach sehr passiver Philidor‑Eröffnung gegen einen guten Gegner einen halben Punkt ab – über die andere Hälfte konnte er aber noch recht glücklich sein. Julian erteilte Max nach der Runde dann auch prompt Philidor‑Verbot, und von nun an würden wir ihm andere Eröffnungen zeigen müssen. Das war aus vorbereitungstaktischen Gründen sowieso schlauer, und: Punkten kann man gerade in jungen Jahren schließlich nur im Angriff.

Leider sahen wir dann in der zweiten Runde gegen die an 1 gesetzten Naumburger keinen Stich und verloren in gleicher Höhe.

In der dritten Runde kam es dann zum Lokalderby gegen den HSK. Der HSK war ein recht unangenehmer Gegner, da wir in unserer Datenbank kaum Partien zur Vorbereitung fanden, es aber von unseren Leuten Max, Justus, Henry und Markus hingegen eine ganze Menge gab. Gut, dass der HSK‑Betreuer Oliver Frackowiak keinen Laptop dabei hatte – uns hatte Familie Borgmeyer netterweise das neueste Hightech‑Modell mit der aktuellen Buerbase‑Datenbank und allen sonstigen Schikanen gesponsert (ohne den hätten wir die Quali garantiert nicht geschafft, noch mal vielen Dank dafür!).

Es zeichnete sich schnell ein 2:2 ab, Markus spielte als Letzter beim Spielstand von 2:1 für uns, hatte aber außer einem nackten König nicht viel den gegnerischen Schwerfiguren entgegenzusetzen. Als wir dann doch leicht frustriert beim Analysieren auf unserem Zimmer waren, platzte Markus mit breitem Grinsen und den Worten »Jetzt ist Partytime« herein. Sein Gegner hatte ihn patt gesetzt! Die folgenden Minuten hätten schöner nicht sein können.

Julian und ich waren uns einig, dass das wahrscheinlich der entscheidende Punkt (im doppelten Sinne) des Turnieres war. Auch gab dies neue Motivation und schweißte das Team zusammen.

Der anschließende knappe, aber nie gefährdete Sieg über den USV Halle mit 2½:1½ resultierte nicht zuletzt daraus.

Dieser Triumph war übrigens für Julian und mich einer der ganz besonderen Art, da die Spieler des USV Halle neben unserem Betreuerzimmer hausten und ihr Betreuer wohl die Betreuung aufgegeben hatte. Anders hätten wir uns nicht erklären können, warum dieser Chaoten‑Haufen bis nachts in die Puppen Radau machte und uns durchgehend mit »Penno« beschimpften. Aber ein Königsspringer lässt seine Autorität nie untergraben, schon gar nicht auf dem Schachbrett!

Shumon war mit 100 % bislang bester Spieler und wurde fortan nur noch das »Shumonster« genannt.

Aber es ging noch weiter: Gegen Direktkonkurrent Zehlendorf kam es zur kleinen Vorentscheidung. Julian bereitete Max und Markus an Brett 1 und 3 vor, die jeweils mit Weiß per Grand‑Prix‑Angriff des Gegners Sizilianer aus den Fugen heben sollten und an Brett 2 und 4 sollte des Weißen Damengambit durch Albins Gegengambit ausgekontert werden, das ich noch von meinen U13‑Mannschaftsmeisterschaften (wo ich mit dem guten Albin so manchen Punkt holte) aus guten alten Zeiten der Schierholz‑Schule bestens kannte. Es hieß also: Alles oder Nichts.

Die Vorbereitung klappte bestens, alle Spieler standen nach den ersten zehn gespielten Zügen klar besser. Es reichte dann, dass dieser Vorteil an zweieinhalb Brettern in Punkte umgemünzt wurde, sodass es wieder mal hieß: 2½:1½. Der wichtigste Sieg des Turniers!

Mit 8:2 Punkten sah es nun – zwei Runden vor Schluss – schon sehr gut aus und wir konnten uns nun auf das Match der Matche gegen den SKJE vorbereiten. Max wurde 23 Züge mit Schwarz gegen Italienisch, Möller‑Angriff vorbereitet, nach denen er einen Mehrbauern behaupten sollte. Justus wurde angewiesen, mittels Keres‑Angriff Wesals Sheveninger Sizilianer zu attackieren. Markus sollte gegen Tilmann einfach gewinnen, da wir ihn für favorisiert hielten und an Brett 4 spekulierten wir auf Henrys glückliches Händchen.

Das Derby begann mit einem Paukenschlag: Markus ließ sich nach zehn Zügen einzügig mattsetzen! Wir waren aus der Reserve gelockt.

Immerhin schlug bei Max die Vorbereitung an, und schon bald war Niclas Huschenbeth anzumerken, dass seine Motivation auf dem Tiefpunkt war. Nach 20 Zügen wich er von der Vorbereitung ab, nach sieben weiteren Zügen hatte er eine Figur weniger und vier Züge später war seine Dame weg. Das hieß für ihn (dem immerhin nominell stärksten Spieler des Turniers): dritte Null in Folge! Lange Rochade!

Wesal zeigte aber am zweiten Brett, dass er noch eine Klasse besser als Justus war und gewann recht locker in einer recht unübersichtlichen Verwicklung. Er holte zu Recht mit 7/7 den Brettpreis.

Jetzt richteten sich alle Blicke auf die Partie Henry Steinfeldt – Leonhard Rohnke. Leonhard schlug mit seinem Läufer Henrys Springer. Der schlug mit seinem Bauern zurück und bedrohte nun seinerseits Leonhards Springer. Doch Leo nahm davon nicht die geringste Notiz, sodass Henry plötzlich eine Figur mehr hatte. Der Rest war für Henry reine Routine und schon bald holte er den so wichtigen Punkt.

2:2! Das hieß für uns, dass wir noch ein Unentschieden brauchten, um Vierter zu werden und uns zu qualifizieren.

Leider wurden wir gegen die starken Potsdamer gelost, denen wir nicht gewachsen waren.

Markus brachte mit Weiß den berühmt‑berüchtigten Willie‑Aufbau aufs Brett. Er stand auch nicht schlecht, bis er in unrochierter Stellung den f‑Bauern zog und in fiese Schachs geriet. Aber er kämpfte sich in ein sehr unklares Turm‑Läufer‑Endspiel mit beidseitigen Chancen. Doch ließ er den gegnerischen König zu weit vordringen und konnte irgendwann das Matt nicht mehr abwenden.

Justus verlor erst eine Qualität, spielte dann richtig gut auf, aber es schien nicht zu reichen. Da der Gegner nur halb so groß war wie Justus, und beim Ziehen auf seinem Stuhl stehen musste, hatte er Probleme, das ganze Brett zu übersehen und ließ dann plötzlich seinen Turm auf einem von Justus’ Läufer gedeckten Feld los. Justus vergaß wohl, sich dafür zu bedanken; jedenfalls brach sein Gegner in Tränen aus.

Shumon griff sehr aggressiv an und stand zwischenzeitlich recht gut. Doch dann tauschte er alles ab, stellte einen Bauern ein, später eine Figur und zu guter Letzt die Qualität.

Wir ahnten nicht, dass Shumon ohne Schuhe angetreten war, da er keine Zeit gehabt hatte, diese vor der Runde anzuziehen. Ein Shumonster ohne Schuhe – das geht natürlich nicht.

Max verlor nach guter Partie zu allem Überfluss eine Stellung, die mindestens remis war.

Hinterher mussten wir erstmal ein Trosteis, sponsored by Borgmeyers, zu uns nehmen.

Wir hatten noch großes Glück, dass Zehlendorf gegen den Ausrichter AE Magdeburg nicht über ein 2:2 herauskam, denn sonst wären wir punktgleich gewesen, wobei Zehlendorf viel mehr Brettpunkte als wir gehabt hätte. Überglücklich, nicht ohne Schützenhilfe strandeten wir also auf dem vierten Platz.

Immerhin: Wir hatten gegen alle starken Teams (die zweitbeste Buchholz des Turniers) gespielt und dafür sehr ordentlich gepunktet. Immer knapp gewonnen, selten, aber wenn, dann hoch verloren. Effizienter ging es kaum. So sind wir den Weg des geringsten Frustes gegangen und dafür belohnt worden. Es ist immer gut für das Selbstvertrauen, wenn man mehr Glück als Pech hat. Dieses Phänomen auf Können zurückzuführen und den Zufall zu zerreden, das war sicherlich die große Aufgabe für uns Betreuer. Denn schachlich gibt es bei allen noch viel zu verbessern.

Meister wurde hochverdient und seit langem mal wieder eine Hamburger Mannschaft: der SKJE. Glückwunsch!

Fazit: Max war ein starkes und zuverlässiges Brett 1. An Brett 2 war Justus sehr abgezockt und nicht wegzudenken. Wenn Justus mehr trainieren würde, könnte er sicherlich mit den ganz Großen mithalten. Markus Langmann zeigte große taktische Schwächen, aber ein mindestens so großes Kämpferherz. So manchen wichtigen Punkt konnte er mit seinem unermüdlichen Kampfesmut erringen und nach dem ›Wie‹ fragt hinterher sowieso keiner. Henry verlor erst unglücklich dreimal in Folge, aber man musste doch sagen, dass das Ergebnis unabhängig von seinem Resultat unverändert gewesen wäre, bis auf das Match gegen den SKJE – und da hat er ja gewonnen! Ein wahrer Teamspieler. Shumon war für mich ein großer Gewinn. Gegen Schwächere gibt es keinen, der seine Überlegenheit so schnell umsetzen kann, und auch gegen Stärkere kann er gut mithalten. Dafür, dass er so neu im Schachgeschäft ist, war seine Leistung sehr gut. Alle – aber vor allem Shumon – konnten mit Sicherheit viele nützliche Erfahrungen sammeln.

Für mich war es ein großes Turnier, das mir sehr sehr viel Spaß bereitet hat, und ich darf hier mit Sicherheit auch für Julian sprechen. Zwischen Weihnachten und Neujahr geht es dann auf die deutsche Meisterschaft nach Verden an der Aller.

Ich wünsche euch dann viel Glück (da ich selbst zu der Zeit in Travemünde mein Können zum Besten gebe) und sage einfach: Jungs, macht weiter so! Ihr könnt in Zukunft noch einiges bewegen!

Vielleicht noch die legendäre Endstellung Langmann, Markus – Dalakian, Haroutioun: Weiß: Ka1, Schwarz: Kc2, Tc7, Sc1. Letzter Zug: Weiß: Kb2–a1, Schwarz: Kd2–c2

(Ingo Wilms)

 
 
 
 
 
 
 
 
https://www.kshamburg.de/archiv/03nvm.php
01.01.2017, 00:01 (tr)
 
 
 
 
 
 
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