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Chronik: Archiv
Freitag, 24. November 2017

Königsspringer Hamburg · Schachclub von 1984 e. V.


Königsspringer Hamburg
Schachclub von 1984 e. V.

Chronik

Archiv

Deutsche Vereinsmeisterschaft U16 2002
 26. bis 30. Dezember 2002 in Burg Stargard 
Endstand
Pl. Mannschaft g. u. v. MP BP Bhz.
1. SV Rüdersdorf 5 2 0 12 21,0 53,0
2. HSK‑Post Hannover 4 2 1 10 18,5 57,0
3. SV Medizin Erfurt 4 2 1 10 17,5 59,0
4. SF Köln‑Mülheim 3 3 1 9 16,0 59,0
5. Dresdner SC 3 3 1 9 15,5 51,0
6. SC Keltern 3 2 2 8 15,0 53,0
7. SG Pang/Rosenheim 3 2 2 8 13,5 58,0
8. Königsspringer Hamburg 3 1 3 7 16,0 45,0
9. Heeper SK 2 3 2 7 15,5 43,0
10. SC Leipzig‑Gohlis 3 1 3 7 14,5 49,0
11. SF Berghofen‑Wambel 2 3 2 7 14,5 44,0
12. SV Herzogenrath 3 1 3 7 14,0 54,0
13. Dicker Turm Münnerstadt 3 1 3 7 14,0 44,0
14. STR Mannheim‑Lindenhof 3 0 4 6 15,0 38,0
15. SV Wolfbusch 2 2 3 6 13,5 61,0
16. Hamburger SK 3 0 4 6 13,0 58,0
17. SAV Torgelow 2 2 3 6 12,5 38,0
18. SC Nusplingen 0 3 4 3 7,5 39,0
19. SG Aufbau Elbe Magdeburg 0 3 4 3 7,0 38,0
20. SK Gernsheim 0 2 5 2 6,0 39,0
Ergebnisse
Königsspringer Hamburg
1  Georg Herzenstein  1 ½ 1 ½ 1 ½ ½  5/7
2  Hannes Vater       1 ½ ½ ½ ½ 1 0  4/7
3  Otto Klink         1 ½ 0 0 1 ½ 0  3/7
4  Clemens Harder     1 0 0 1 0 1 1  4/7
Bericht

Zwischen Weihnachten und Neujahr finden traditionell die Vereinsmeisterschaften statt. Souverän hat sich unser Team über die Nachrückerregelung qualifiziert und damit die Hochwassermeisterschaften in Magdeburg geschickt umschifft (höhö).

Am zweiten Weihnachtstag machten wir uns am Vormittag vom Hamburger Hauptbahnhof aus auf den Weg. Über die Metropolen Bützow und Neubrandenburg kamen wir auch recht problemlos am Bahnhof (»Bahnhof«) in Burg Stargard an. Wir waren recht früh und erfuhren so den Luxus des Bustransfers vom Ausrichter Norbert Bauer persönlich. Und wenn wir schon dabei sind: Die Ausrichtung des Turniers war sehr hervorragend. Turniertechnisch, von der Unterkunft und Verpflegung her und medizinisch (Erklärung folgt) war diese Ausrichtung absolut astrein. Auf ein 6er‑Zimmer gelegt machten es sich Georg Herzenstein, Hannes Vater, Otto Klink und Clemens Harder sogleich gemütlich. Die Auslosung erfolgte am gleichen Abend und die erste Runde sollte am nächsten Morgen beginnen.

Wir waren übrigens mit fünf Spielern des SC Königsspringer vor Ort. Wie das? Der gute alte Bekannte Peter Nies hatte den SK Gernsheim über die Quali in Hessen und auf Bundesländerebene zur Deutschen Meisterschaft geführt. Nur erlaubten die Statuten der Deutschen Schachjugend den Einsatz von Peter nicht, so war er vom Spitzenbrett zum Schlachtenbummler degradiert, schade. Darum und weil Swiss‑Chess keine passiven Mitglieder in die DWZ‑Berechnung aufnimmt, war die erste Auslosung falsch. Eine Auslosung der ersten Runde wurde ausgehängt und 15 Minuten später kam dann die richtige Auslosung. Mit dem Setzplatz Nr. 9 in der Mitte des Feldes waren wir leicht überbewertet, denn Otto an Brett 3 hatte seit Jahren kein Training. Für Hannes und Clemens war es überhaupt die erste Deutsche Meisterschaft. Dennoch, mit einem Platz unter den Top 10 sollte unser Team die Nominierung als Nachrücker in jedem Falle rechtfertigen.

Die erste Runde bescherte uns die SG Aufbau Elbe Magdeburg (Setzplatz Nr. 19), die ohne ihre Spitzenbretter spielen mussten (diese waren abgestellt zur DVM U20). Allerdings sah es gar nicht so nach einer klaren Sache aus zu Anfang. Ich sach mal, hätte auch ganz gut ein 2:2 werden können, aber zum Glück konnte Endspielgott Clemens das Blatt noch einmal wenden. Bei Otto bewahrheitete sich die Faustregel »Solange noch Springer auf dem Brett sind, solange ist nichts entschieden«. Das macht dann 4:0.

Jetzt begann die Zeit der Leiden. In der zweiten Runde dieses Tages spielten wir gegen den SV Wolfbusch, da standen zweieinhalb Punkte auf dem Brett, es wurden aber sehr unglücklich nur anderthalb gemacht. Ottos fehlende Spielpraxis (und davon hatte er sehr viel) ermöglichte seinem Gegner Naßwalter (Das sind doch mal Namen!) eine Abwicklung in ein Endspiel König und Springer gegen König. Wir, also der Rest der Mannschaft und ich, versuchten fieberhaft Otto die Grundzüge des Spiels noch einmal zu erklären. Wir konnten ja nicht ahnen, dass das Training schon so lange her ist. Nach dieser Runde war es jedenfalls die Lektion: Das Ziel des Spiels ist es, den gegnerischen König matt zu setzen.

Aber halb so wild: nach zwei Runden 2:2 MP, das ist normal im Schweizer System. Wir wollten eigentlich auch nur 6:0 nach drei Runden vermeiden, denn dann gäbe es ja nur noch starke Gegner. Und gegen starke Gegner kriegt man auf den Kopf – muss ja nicht sein. Allerdings wollten wir auch 2:6 Punkte nach vier Runden vermeiden, denn das hätte unnötig den Umsatz der Kneipe ›Zum Tröster‹ und des ›Getränkeland‹ direkt gegenüber von der Jugendherberge gesteigert – muss auch nicht sein.

Aber am nächsten Morgen gegen Dicker Turm Münnerstadt (Digger Turm!) kam es wieder zu einem unglücklichen 1½:2½, da Clemens und Otto verloren und Hannes sein Endspiel nicht gewinnen konnte.

Als dann in der Folgerunde Otto eine Figur gegen den Heeper SK einstellte, als sich sozusagen seine fehlende Spielpraxis am Ende wieder durchsetzte, da sah ich schon die dritte Niederlage auf uns zukommen. Wir erläuterten Otto nochmals: Schach ist ein Spiel für zwei Spieler, der eine hat Weiß und der andere Schwarz, Weiß fängt an und man zieht immer abwechselnd. Der Kneipenwirt rieb sich schon die Hände und die Verkäuferin im Getränkeland holte schon neues Wechselgeld, da erlöste uns Clemens mit einem Sieg an Brett 4, so wurde es wenigstens 2:2, denn die beiden ersten Bretter kamen nicht über Remis hinaus.

3:5 Punkte, das ist das ganz harte Schweizer Gambit, allerdings unter erschwerten Bedingungen. Exakt zur vierten Runde erbrach sich nämlich ein Spieler der Ausrichtermannschaft in den Turniersaal. Um genau zu sein: er kotze sogar, jawohl, und das zweimal. Einmal in den Flur vor dem Turniersaal und einmal in den Turniersaal selbst. »Ja, und?« Das werden einige Spieler des Travemünde‑Turniers einwenden, denn die haben ja regelmäßig erbrochen. Aber hier lag die Pizza etwas anders. Denn der Spieler vom SAV Torgelow hatte nicht nur gebrochen, er hatte auch einen Magen‑Darm‑Virus im Gepäck. Und dieser Virus hat sich dadurch gleichmäßig über das gesamte Teilnehmerfeld und die Betreuerschaft verteilt. Hier muss einfach mal gesagt werden: Kotzen richtig! Am Abend waren rund 15 Fälle dieses Virus registriert, der Notarzt kam und nahm sogar ein Kind mit ins Krankenhaus (41° Fieber), an die anderen verteilte er Spritzen, Tabletten und Tropfen (und zwar, für Spezialisten: Carminativum Hetterich).

Unangenehm daran war, das auch Georg betroffen war. Er hatte einen Tauchsieder dabei und machte sich am frühen Abend noch einen Tee, dabei entstand der legendäre Satz: »Ich hatte gewartet, bis das Wasser kochte.« Darüber hat sich Hannes dermaßen scheckig gelacht (wegen der Präteritum‑Form von ›kochen‹), dass er das Biertrinken einstellte, und zwar für den Rest der Meisterschaft. Erwähnt sei noch, dass er das Biertrinken zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht begonnen hatte. Georg wurde gegen Abend schlecht und die Nacht war bestimmt nicht schön. Wobei daran wieder angenehm war, wie Georg mit der Situation umgegangen ist, nämlich sehr professionell und gefasst. Und auch der Rest der Mannschaft nahm das Ganze sehr gelassen, gelassener als andere. Am nächsten Morgen war Georg zwar immer noch schlecht, aber er trat gegen Mannheim trotzdem an. Es fehlten einige Spieler bei anderen Teams, dennoch wurde die Meisterschaft nicht »abgebrochen«, sondern bis zum Ende durchgezogen. Das Glück war auf der Seite des Turniergerichts, dass einstimmig die Fortsetzung des Turniers beschloss. Denn am letzten Abend kamen nur zehn Fälle hinzu, davon vier Betreuer, der Schiedsrichter, vier Angestellte der Herberge und nur ein weiterer Spieler.

Aber wie sagt Olli Kahn immer: »Mund abwischen, weiter machen!«. Und diese Einstellung schien die Mannschaft an diesem stärksten Tag der Meisterschaft vollkommen verinnerlicht zu haben. Georgs Gegner lehnte das frühe Remis ab, denn der gegnerische Mannschaftsführer wollte um jeden Preis gegen den kranken Georg den ganzen Punkt. Sowas rächt sich meistens. Und prompt erreichten Hannes und Clemens recht rasch Gewinnstellungen, Otto stand auf dem Acker (Spielpraxis, Training, das alte Problem halt) und bei Georg war es unklar. Hannes verdaddelte nun den klaren Sieg und musste froh sein über das Remis. Clemens hatte sich im Endspiel foppen lassen und verlor sogar noch. Aber Otto konnte gegen seine hochschwangere Gegnerin in Zeitnot gewinnen und so lag es an Georg, der trotz Qualität weniger das Remis ablehnte und seinen Gegner nach vollen fünf Stunden besiegte.

Nun hieß es noch schnell eine Stunde schlafen vor der Runde gegen Herzogenrath, das sollte nämlich unheimlich spannend werden. Georg ging es immer noch ziemlich dreckig und Hannes bekam Kopfschmerzen. Dafür kam bei allen die Vorbereitung aufs Brett. Georgs Gegner hatte Glück, denn wäre Georg nicht geschwächt gewesen vom Virus, dann hätte er beim Kaffeehaus‑Schach bestimmt das Nachsehen gehabt, so wurde es remis. In der Zeitnot dann spielten Hannes und Clemens groß auf: Beide waren ganz nervenstark und erspielten sich ganze Punkte. So konnte dann auch Ottos Gegner mit den beiden Mehrbauern im Springerendspiel remis geben, Otto hatte nämlich zuvor sein altes Problem wieder und stand total auf …, aber das hatten wir schon.

4:0 MP und 5½:2½ Brettpunkte mit einer ganz unglücklichen Niederlage in der fünften Runde an Brett 4 und einem erkrankten Brett 1, diese Tagesbilanz konnte sich sehen lassen. Wir hatten sogar den HSK überholt und eine theoretische Chance auf Platz 3. Doch am kommenden Tag wartete mit Dresden ein guter Gegner. Georg war noch nicht wieder ganz fit, sollte gegen Shmirina (Vize‑Europameisterin) den Willie auspacken, Hannes gegen das eigentliche Brett 1 mit Nimzo‑Indisch ein Remis klammern (wenn möglich), Otto sollte gegen Slavtscho Slatschew mit der Grand‑Prix‑Variante im Sizilianisch Stefan Schnock imitieren, der gegen Daniel Werner nach 13 Zügen auf Gewinn stand und nach 19 Zügen mattsetzte, und Clemens sollte mit Schwarz den Willie spielen und seinen Gegner im Mittelspiel abziehen. So war der Plan.

Bei Clemens ging das klar, er machte den ganzen Punkt. Georg spielte remis gegen Shmirina, und das mit Esspapier! Hannes hatte einige Chancen, verlor dann aber ganz am Ende. Und an Brett 3 lief es salopp gesagt so: Ottlev hatte Slavtscho Slatschew derbe frischlewski gemacht, der stand also richtig auf Broiler, aber dann hat sich Ottlev die Dünne angezogen. Für alle Nicht‑Königsspringer: Otto hatte recht schnell eine klar überlegene Stellung erreicht, die er dann in eine Niederlage verwandelte. Und so wurde dieser Kampf mit 1½:2½ verloren. Diesmal erklärten wir Otto: »Der Läufer zieht immer schräg, der Turm zieht gerade und die Dame zieht wie Turm und Läufer!«. Allerdings haben wir aktive Flutopferförderung geleistet: 2½ Punkte gespendet nach der Jahrhundertflut, Motto: Hamburg hilft Dresden.

Zum Thema Deutsche Meisterschaften noch ein paar Grüße: Gegrüßt seien an dieser Stelle noch die Eheleute Klug, die ihr Kind Caissa genannt haben; eine Weltklasse‑Idee, denn die Gegnerinnen bei der U20w waren dermaßen beeindruckt von der Schachgöttin, dass Caissa mit den Schachfreunden Brackel gleich Deutscher Meister geworden ist. Und hinzu sei die sensationelle Scarlett Hemken to Krax, die mit 4 aus 7 dem SC WAT Günnigfeld (!) den vorletzten Platz bei der U20w sichern konnte. Und dann noch meine Zimmergenossen Dirk Sebastian und Andreas Albers, die mit mir zusammen unter dem Schnarchen des Mannheimers Betreuers (ehemals: Betreuerin) leiden mussten.

Der HSK wurde bei dieser Meisterschaft enttäuschender 16., denn nach der vierten Runde wurde die Mannschaft nach unten durchgereicht. Bei den anderen DVM hat nur der SKJE in der Altersklasse U20w einen erfreulichen vierten Platz belegt.

Was bleibt von dieser DVM U16 übrig? Zum einen der Lieblings‑Vorname: ziemlich eindeutig Dietma, zum anderen die Lieblings‑Himmelsrichtung: Süd. Für Otto noch folgende Hinweise: Der Springer zieht zwei Felder vor und eins zur Seite oder eins vor und zwei zur Seite. Und bei unmöglichen Zügen (z. B. Lc4×g7 oder Sb1–d3) kommt die Schachpolizei.

Diese Deutsche Meisterschaft war aus unserer Sicht ziemlich erfreulich, da neben dem Ergebnis auch das Zustandekommen sehr schön war. Die Einstellung hat absolut gestimmt und trotz technischer Unterausstattung wurde das Beste daraus gemacht. Ich denke, dass jeder in Sachen Spielpraxis eine Menge mitgenommen hat. Die Analysen und die Vorbereitung haben ihre Wirkung sicher nicht verfehlt. So haben die Spieler als Sachpreis für Rang 8 ein Schachbuch für die Vereinsbibliothek ausgesucht, auf der Rückfahrt haben wir neben ein paar Blindpartien auch noch Partien der letzten Runde auf dem Laptop angeschaut. Oder in eine kurze Formel gebracht: Schach hat Spaß gebracht!

Und jetzt kann ich auch etwas ans Ende stellen, was mir sowieso keiner glaubt: Das Licht im Teilnehmer‑Zimmer war jeden Abend bereits vor 23:00 Uhr aus. Aber es stimmt und hat mir sehr imponiert. Ähnlich wie auf Hamburger Ebene hat die Mannschaft sich sehr diszipliniert verhalten und hätte gar keinen Betreuer gebraucht. Und wir hatten einfach mal wieder eine Menge Spaß mit all den Pulaten aus dem Rest der Republik. Diese Geschichten und Anekdoten gehören aber vor allem zu den kommenden Renovierungstagen und Spieleabenden im Clubheim. Der Bericht ist eh schon ewig lang. Nur eines vielleicht noch: Der völlig undeutlich sprechende Betreuer von Berghofen‑Wambel (Dortmund) hat uns zur Abreise noch als Hamburger identifiziert (nach fünf Tagen immerhin) und uns mit auf den Weg gegeben: »Hamburg, das Dresden der Elbe, so sagt man doch.« Schönen Dank auch!

In diesem Sinne: Bis zur nächsten Deutschen!

(Boris Bruhn)

 
 
 
 
 
 
 
 
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01.01.2017, 00:01 (tr)
 
 
 
 
 
 
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