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Chronik: Archiv
Sonnabend, 18. November 2017

Königsspringer Hamburg · Schachclub von 1984 e. V.


Königsspringer Hamburg
Schachclub von 1984 e. V.

Chronik

Archiv

KSH 1 · 1. Bundesliga 2001/02
Termine Tabelle Spieler Ergebnisse
↑
↓
Termine
1 06.10.2001 Königsspringer Hamburg Stuttgarter Schachfreunde 1 : 7
2 07.10.2001 TV Tegernsee Königsspringer Hamburg :
3 24.11.2001 Lübecker SV Königsspringer Hamburg 7 : 1
4 25.11.2001 Königsspringer Hamburg Hamburger SK 2 : 6
5 01.02.2002 Königsspringer Hamburg SV Werder Bremen :
6 02.02.2002 Königsspringer Hamburg SG Heiligenhaus :
7 03.02.2002 SG 1868‑Aljechin Solingen Königsspringer Hamburg 6 : 2
8 23.02.2002 SV Wattenscheid Königsspringer Hamburg 4 : 4
9 24.02.2002 Königsspringer Hamburg SV Castrop‑Rauxel :
10 16.03.2002 Königsspringer Hamburg Schachfreunde Neukölln 2 : 6
11 17.03.2002 (spielfrei)   Königsspringer Hamburg      
12 13.04.2002 Godesberger SK Königsspringer Hamburg 5 : 3
13 14.04.2002 Königsspringer Hamburg SG Porz 0 : 8
14 27.04.2002 Königsspringer Hamburg Erfurter SK :
15 28.04.2002 SK König Plauen Königsspringer Hamburg 4 : 4
↑
↓
Tabelle
Pl. Mannschaft 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 BP MP
1. Lübecker SV 6 4 5 5 5 7 74,0 27
2. SG Porz 5 4 5 5 6 6 5 8 7 77,5 25
3. SG Aljechin Solingen 5 5 6 4 4 3 5 5 5 5 6 6 66,0 20
4. Werder Bremen 3 4 4 7 4 6 66,0 19
5. Hamburger SK 2 3 3 4 4 4 6 6 62,0 17
6. TV Tegernsee 4 4 2 4 5 5 4 4 6 5 62,0 17
7. Godesberger SK 3 4 4 4 5 4 5 57,5 16
8. SF Neukölln 4 4 3 4 4 4 6 55,5 15
9. Stuttgarter SF 3 3 5 1 3 4 6 4 7 59,5 14
10. SV Castrop‑Rauxel 3 3 4 4 4 6 53,0 11
11. SV Wattenscheid 3 2 3 4 4 3 5 4 54,0 9
12. Erfurter SK 2 3 2 4 2 4 3 7 50,0 8
13. König Plauen 3 3 4 2 3 4 4 4 6 47,5 8
14. Königsspringer SC 1 0 2 2 3 2 1 4 4 31,5 2
15. SG Heiligenhaus ½ 1 2 2 ½ 2 ½ 1 2 24,0 2
↑
↓
Spieler
RL Name 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
1 Lamprecht, Frank ½ ½ 0 0 0 0 ½ ½ ½ 0          
2 Pajeken, Wolfgang 0 0 0 ½ 0 ½ 0 0 0 ½   0 0 ½ 0
3 Hochgräfe, Markus 0 ½ 0 0 ½ 0 0 ½ ½ 0   0 0 ½ ½
4 Trisic, Aleksandar 0 0 ½ 0 0 0 0     0       ½ ½
5 Buhr, Carl‑Christian 0 0 ½ 0       0 0     1 0 0 ½
6 Voigt, Martin 0 0 0 0 0 1 ½ ½ ½ ½   1 0 1 1
7 von Bülow, Georg 0 ½ 0 1 ½ 1 ½ 1 1 0   ½ 0 1 1
8 Berger, Steve ½ 0 0 ½ 0 0 0 1 0 ½       0 ½
9 Wendt, Jan‑Dietrich         ½ 0 ½ ½ 1 ½   0 0    
10 Zimmermann, Julian                              
11 Rosmann, Ilja                           0 0
12 Lindner, Daniel                       ½ 0    
13 Fjodorow, Peter                       0 0    
14 Lampe, Jörg                              
↑
↓
1. + 2. Runde
06.10.2001 Königsspringer Hamburg Stuttgarter Schachfreunde 1 : 7

07.10.2001 TV Tegernsee Königsspringer Hamburg :
SV Castrop‑Rauxel Erfurter SK 4,0:4,0
SV Wattenscheid SK König Plauen 5,5:2,5
Schachfreunde Neukölln SG Aljechin Solingen 4,0:4,0
Godesberger SK Hamburger SK 4,5:3,5
SG Porz Lübecker SV 3,5:4,5
SV Werder Bremen TV Tegernsee 4,5:3,5

Erfurter SK SV Wattenscheid 3,0:5,0
SK König Plauen SV Castrop‑Rauxel 4,5:3,5
SG Heiligenhaus Schachfreunde Neukölln 0,5:7,5
Hamburger SK SG Porz 3,0:5,0
Lübecker SV Godesberger SK 5,0:3,0
Stuttgarter Schachfreunde SV Werder Bremen 1,0:7,0

Dünne Luft

An diesem Wochenende stand unser lang ersehnter erster Auftritt in der Bundesliga an. Leider bekamen wir die befürchteten, von vielen prophezeiten »Klatschen«, aber deshalb ist noch lange nicht der totale Frust angesagt.

Die Spielbedingungen waren wirklich nobel, wir spielten in den Businesslogen des Bremer Weserstadions mit Blick auf den Innenraum mit dem Fußballplatz des SV Werder.

Am Samstag war trotz des deprimierenden 1:7 gegen Mitaufsteiger Stuttgart sicher mehr drin. Nach zwei Stunden waren alle eigentlich noch ganz ordentlich aus der Eröffnung gekommen, und in der WM‑Qualifikation lag Griechenland gegen England mit 1:0 vorn. Doch dann ging fast alles schief. Carl erlag dem wachsenden Druckspiel von Schmittdiel, während Martin im Franzosen durch eine überraschende Kombi von Duppel einen Bauern verlor. Die beste Gewinnchance an dem ganzen Wochenende ließ Aleksandar aus, als er in einem wilden Zeitnotgehacke mit zwischenzeitlich einem bis zwei Mehrbauern gegen Buhmann die Zeit überschritt. Den ersten halben Punkt für Königsspringer in der Bundesliga sicherte Steve ab, als er nach der Zeitnotphase eine dreimalige Stellungswiederholung reklamieren konnte. Zäh verteidigte sich Wolfgang gegen das positionelle Damenopfer von Gabriel, letztlich aber doch erfolglos. Markus stand lange nur minimal schlechter gegen Bunzmann, aber im Leichtfigurenendspiel setzte sich der entfernte Freibauer durch. Ich verschenkte einen weiteren halben Zähler, indem ich es einfach versäumte, im rechten Augenblick die Züge zu wiederholen. Nur gut, dass Frank sich wieder so zäh verteidigte, dass Hickl schließlich kein Weiterkommen mehr sah und remis anbot.

Am zweiten Tag stand mit Tegernsee, angetreten mit sieben Großmeistern, nun die nominell viertstärkste Mannschaft der Bundesliga auf dem Programm.

Unser geheimer Vier‑Stufen‑Plan lautete wie folgt: 1.) den Kampf gewinnen, 2.) falls 1.) misslingen sollte, ein 4:4 erreichen, 3.) falls auch das nicht klappen sollte, mehr Brettpunkte als am Samstag zu erzielen, auf jeden Fall aber 4.) die Höchststrafe eines 0:8 zu verhindern! Blenden wir uns nun nach etwa vier Stunden wieder ein beim Zwischenstand von 0:4. Wolfgang geriet gegen einen gut vorbereiteten Ribli mit Schwarz schnell unter Druck, Carl verlor gegen Nataf einen zweischneidigen Königsinder, Martin wurde im Benoni von Teske mit einem Figurenopfer auf Position in eine unangenehme Verteidigung gedrängt und Steve verlor im Leichtfigurenendspiel gegen die Frauengroßmeisterin Kachiani‑Gersinska. Mehr Glück hatte ich gegen Stangl, denn obwohl ich nach einer typischen Kombi einen Bauern verloren hatte, war des entstehende Endspiel etwas überraschend glatt remis! Nun ging es also noch darum, Ziel 3.) zu erreichen. Und das gelang! Zwar verlor Aleksandar nach passiver Verteidigung gegen Hertnecks a‑Freibauern, aber der »Doktor von Mallorca« (der Spitzname wurde am vorigen Abend beim gemeinsamen Essen beim Chinesen kreiert) hielt gegen Andrei Sokolov stand (Anmerkung für Uneingeweihte: 1987 war der Russe mal Dritter der Weltrangliste!). Und Frank spielte nach eigener Aussage zwar wieder grottenschlecht, aber die Mauer hielt auch gegen Chenkin dicht! Sein zweites Remis am ersten Brett, ich wollte, ich könnte so »schlecht« spielen! Endstand 1½:6½, aber heute war ehrlich gesagt auch brettpunktemäßig kaum mehr drin.

Fazit nach der ersten Doppelrunde: In der ersten Bundesliga ist die Luft sehr dünn, dünner als vielleicht doch manche Optimisten gehofft hatten. Dennoch besteht kein Grund zum schwarz malen, denn:

Wir werden noch stärker! Die Umstellung auf die Doppelrunde, die strengen Gegner (unter Elo 2400 bzw. IM geht’s gar nicht!) und die ganze Atmosphäre der Bundesliga sind Dinge, an die wir uns erst noch gewöhnen müssen, aus denen wir aber auch einiges lernen werden.

Im Fernduell gegen Heiligenhaus haben wir am Sonntag einen ganzen Brettpunkt gut gemacht – auch andere Teams können hoch verlieren!

Die Hoffnung stirbt zuletzt! Die Stimmung in der Mannschaft ist in Ordnung, wir sind ehrgeizig, darum bin ich absolut sicher, dass wir in den nächsten zwölf Runden noch was reißen werden!

Also dann, am 24./25.11. bietet sich dazu in Hamburg die Gelegenheit. Dann kommt es zu den zwei Highlights für uns in dieser Saison: zuerst gegen den deutschen Meister Lübecker SV, am Sonntag dann zum Lokalderby Hamburger SK – Königsspringer.

(Georg von Bülow)


Noch ein Bericht

Am Samstag, den 6. Oktober 2001 brach für den Schachclub Königsspringer eine neue Zeitrechnung an. Wir hatten die Ehre, in der Premier Division des Deutschen Schachs, in der sogenannten 1. Bundesliga zu spielen. Wie sind wir dahin gekommen? Zur Erinnerung, in der 2. Bundesliga haben wir durch etwa neun 4½:3½‑Siege die wohl schlechteste, aber effektivste Brettpunktzahl aller Aufsteiger aller Zeiten errungen. Als Strafe für ein solch frevelhaftes Verhalten sollten wir nun Kanonenfutter für sämtliche deutsche GMs werden. Wir, das sind folgende Persönlichkeiten:

  1. Frank Lamprecht: Endspielexperte, Buchautor, ewiger Student, Bridgespieler
  2. Wolfgang Pajeken: Aljechinkenner, Internetzocker, Temperamentsbolzen, Werbestratege
  3. Markus Hochgräfe: Auch Endspielexperte, Doktor‑Physiker
  4. Aleksandar Trisic: Zeitnotzocker, kein Schläfer, Mister‑100‑Prozent, Gebrauchtwagenexperte
  5. Carl‑Christian Buhr: Fast‑IM, großer Kämpfer, Aachener
  6. Martin Voigt: Shirov‑Fan, ewiger Student #2
  7. Georg von Bülow: Mannschaftsführer, Hamburger Meister a. D., Informatiker
  8. Steve Berger: Schüler, großer Kämpfer #2, Gambitexperte

Kurz vor der Abfahrt um 11:00 Uhr am Samstag trafen wir uns am Brunnen nahe des Tibarg, um von einer atemberaubend jungen und attraktiven Journalistin für das Niendorfer Wochenblatt fotografiert zu werden. Zu diesem Anlass haben einige Herren feinen Zwirn angezogen, andere beschränkten sich auf Totenkopfpullover (der Name wird aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht bekanntgegeben).

Wir fuhren mit zwei Autos nach Bremen. Rechtzeitig kamen wir in der Business‑Lounge des Bremer Weserstadions an (für alle weiblichen Leser: Das Weserstadion ist das Fußballstadion des SV Werder Bremen, einem Fußballclub der 1. Bundesliga). Unser erster Gegner war Stuttgart (für alle RTL‑Zuschauer: große Stadt im Süden Deutschlands). Da sie an allen Brettern Elo‑mäßig überlegen waren, rechneten wir uns nur einige wenige Brettpunkte aus. So wird es sowieso die ganze Saison lang gehen, jeder halbe Brettpunkt an jedem Brett ist ein Erfolg. Das dürfte einiges über unsere Chancen aussagen. Den Kampfverlauf hat Georg schon dargestellt, ich konnte nur froh sein, sechs Stunden am Brett gequält zu werden. Das war immer noch besser, als Bierhoff beim Köpfen zuzusehen! Das 1:7 fiel etwas hoch aus, aber wir konnten sicher sein, immer noch besser als die deutsche Fußballnationalmannschaft gespielt zu haben. Das letzte Mal 1:7 der ersten Mannschaft gab es übrigens gegen SC Diogenes, wie ich aus eigener Erinnerung weiß! Nach dem Kampf bezogen wir Quartier im Ibis‑Hotel und gingen zu einem chinesischen Chinesen, wo es chinesisches Essen aus China gab.

Am nächsten Morgen wurden wir früh geweckt, schließlich wird in der 1. Bundesliga schon um 09:00 Uhr gespielt. Unser Gegner war TV Tegernsee, wobei ich nicht weiß, wofür das TV steht. Ich kenne TV Kaiser, TV‑Geräte, … Durch das Grübeln über den Sinn dieses Vereinsnamens abgelenkt, bezogen wir wieder Prügel, denn auch diesmal gab es lediglich drei Remisen gegen sieben Großmeister und eine Großmeisteress zu bestaunen. Da TV noch stärker als Stuttgart besetzt war, kann dieser Kampf als kleine Steigerung betrachtet werden. Nächstes Mal geht es gegen Lübeck, wo wir um das ½:7½ kämpfen werden. Leider findet zur gleichen Zeit die WM statt, da bin ich mal gespannt, ob Shirov der SC Königsspringer oder Anand wichtiger ist. Gegen Shirov hab ich mal ›Uno‹ gespielt (bei Martin zuhause), also sollte er sich noch an mich erinnern. Am Sonntag darauf folgt dann das Saisonhighlight gegen den HSK im HSK, wir hoffen auf zahlreiche Zuschauer, dann ziehe ich mir auch wieder einen Anzug an.

(Markus Hochgräfe)

↑
↓
3. + 4. Runde
24.11.2001 Lübecker SV Königsspringer Hamburg 7 : 1

25.11.2001 Königsspringer Hamburg Hamburger SK 2 : 6
Erfurter SK TV Tegernsee 2,0:6,0
SK König Plauen Stuttgarter Schachfreunde 4,0:4,0
Hamburger SK SV Werder Bremen 4,0:4,0
SG Heiligenhaus Godesberger SK 1,5:6,5
SG Aljechin Solingen SG Porz 3,5:4,5
SV Castrop‑Rauxel Schachfreunde Neukölln 4,0:4,0

TV Tegernsee SK König Plauen 5,0:3,0
Stuttgarter Schachfreunde Erfurter SK 6,0:2,0
SV Werder Bremen Lübecker SV 3,5:4,5
Godesberger SK SG Aljechin Solingen 4,0:4,0
SG Porz SG Heiligenhaus 7,0:1,0
Schachfreunde Neukölln SV Wattenscheid 4,5:3,5

Bericht

Nachdem wir uns in den letzten Kämpfen unter Wert verkauft haben, wollten wir uns diesmal steigern. Warum? Der Höhepunkt der Saison sollte auf uns warten. Am Samstag ging es gegen den amtierenden deutschen Meister, Lübeck, und am Sonntag gegen den Lokalrivalen, HSK. Unsere Mannschaftsaufstellung barg keine großen Überraschungen, wir boten wieder die spitzenmäßigsten Leute auf. Leider hat Lübeck uns nicht den Gefallen getan, es uns gleich zu tun. Sie spielten stark ersatzgeschwächt, mit Speelman am ersten Brett, ohne Shirov, Adams und Bareev. Bei Shirov kann ich es noch verstehen, er konnte sich an unser letztes ›Uno‹‑Spiel erinnern und hatte Angst, dass er sich nochmal blamieren würde. Adams und Bareev hatten wahrscheinlich Angst, aufgrund des wahrscheinlichen Remis gegen Frank zuviel Elo‑Punkte einzubüßen. Trotz der vielen Ausfälle war Lübeck dank der Anwesenheit von sieben GM und einem IM noch als leichter Favorit einzustufen.

Gespielt wurde im Gebäude der HanseMerkur‑Versicherung. Wer glaubt, dass Versicherungen einem nur das Geld abknöpfen, um sich zu bereichern, hat 100‑prozentig Recht, anders kann ich mir nicht erklären, wie sich eine Firma einen solchen Nobelschuppen leisten kann.

Die Partien sollten direkt ins Internet übertragen werden, was die allgemeine Nervosität noch erhöhte. Ausserdem wurde mit diesen neumodischen Digitaluhren gespielt. Mehrmals in der Partie habe ich mich erwischt, wie ich die Digitaluhr auf Zeiger »umgedacht« habe.

Nun zum Kampf: Ziemlich schnell geriet Wolfgang gegen Epishin unter Druck. Auch Martin geriet gegen Hector nicht in die erwartete gewürfelte Stellung, sondern in ein schlechteres Endspiel, was er dann ebenfalls verlor. Georg probierte es gegen Agdestein mit einem Figurenopfer, der erhoffte Druck ließ aber zu Wünschen übrig. Frank hatte gegen Speelman ein nur leicht schlechteres Endspiel, sodass wir auf sein übliches Ergebnis hoffen konnten. Ziemlich schnell machte Carl‑Christian nach einer langweiligen Partie gegen DeFirmian remis. Aleksandar stand gegen Hansen recht gut, bot aber remis an, was dieser annahm. Ich kam schon aus der Eröffnung gedrückt heraus und nach einem taktischen Fehler war es ziemlich schnell aus. Nach der Zeitnotphase konnte Frank leider sein Endspiel nicht mehr halten und verlor. Georg musste die Höchststrafe ertragen, ein verlorenes Endspiel weiterzuspielen, weil Agdestein zu unfähig war, vorher zu gewinnen. Dafür stand Steve besser und besser. Schliesslich hatte er Dame und Springer gegen Turm und Bauer auf der siebten Reihe. Leider hat er die gewonnene Stellung so überzogen, dass er sogar noch verlor. Letztlich gab es ein 1:7, was in dieser Höhe wieder einmal unverdient war, man muss halt die ganze Zeit gut spielen gegen solche Gegner.

Früh morgens ging es gegen den HSK. Früher hieß der HSK mal HSV, dann HSK im HSV, jetzt HSK. Aufgrund dessen wussten wir kaum, auf wen wir uns vorbereiten sollten. Zu unserem Leidwesen spielten sie leider in Fast‑Bestbesetzung.

Zum Kampf: Schon nach kurzer Zeit würfelte Martin einen Opferreigen gegen Wahls aufs Brett, doch dieser war augenscheinlich besser vorbereitet. Da ich zudem keine Nackenmassagen ausgeteilt hatte, ging es für Martin den Bach runter. Als Erster war Steve fertig, der sich schon nach wenigen Zügen gegen Sebastian remis trennte. Den Kommentar von Georg dazu könnt ihr nachlesen unter »http://www.wieso‑fragt‑er‑nicht‑vorher‑den‑mannschaftsfuehrer.de«. Trotz starker Erkältung von Wolfgang konnte ich ihn während der Partie so stark aufbauen, dass er gegen Kempinski ein Remis schaffte. Das war’s aber schon fast, in Zeitnot verlor Frank eine scharfe Stellung gegen Dorfman. Trotzdem bleibt er für mich ein vollwertiger Mensch. Aleksandar wurde von Gustafsson überspielt und die Zeitnot tat ihr Übriges. Carl‑Christian verlor sizilianisch gegen Berg und ich ein fast gleich stehendes Endspiel gegen Ftacnik, wieder mal guter Läufer in offener Stellung gegen Springer. Zum Glück habe ich mir das Endspielwerk schlechthin, den Lamprecht‑Bestseller ›Fundamental Chess Endings‹ besorgt, sodass ich diesen Endspieltyp mal lernen kann. Martin gab schließlich auch auf, aber Mister »Ich‑spiele‑immer‑am‑längsten«, Georg von, konnte in einem langen Endspiel Heinemann besiegen! Das Ironische daran ist, dass Georg extra für den ersten Sieg eine Flasche Aldi‑Champagner besorgt hat. Er hat wohl nicht damit gerechnet, dass er ihn selbst trinken muss. Letztendlich gab’s ein verdientes 2:6.

Noch ein paar abschließende Kommentare: Das Beste an der Bundesliga ist, dass es umsonst zu essen und trinken gibt. Die vielen Müllermilch und Brezel haben mich gut getröstet. Kulinarisch lohnt sich das eine Jahr auf jeden Fall. Ich hoffe stark, dass wir absteigen, damit sich meine jährliche Gewichtszunahme in Grenzen hält. Was mich ebenfalls immer wieder erfreut, ist der Anblick russischer Großmeister nach der Partie. Ich hatte bisher immer geglaubt, dass Hosen ohne Gürtel, die auf halb acht hängen, runterrutschen würden (Gesetz der Gravitation). Unsere Verluste kann ich auch leicht erklären, die Decke der HanseMerkur‑Versicherung war nämlich ungefähr 50 Meter hoch.

(Markus Hochgräfe)


Vier Remisen, viele Niederlagen und doch noch ein Sieg für die Moral

Diesmal ist mir der Doktor mit seinem Bericht zu unserem neuesten Desaster doch glatt zuvorgekommen, wahrscheinlich, weil er am Sonntag seine Partie schon nach fünfeinhalb Stunden beendet hatte.

Die Spielbedingungen in der HanseMerkur‑Versicherung waren jedenfalls ausgezeichnet. Parallel zum Kampf gab’s Analysen mit Fritz‑Unterstützung und Simultanveranstaltungen. Für die vor allem am Samstag zahlreichen Zuschauer wurde einiges geboten.

Übrigens konnten sich HSK und Königsspringer darauf einigen, bei ihren eigenen Heimkämpfen auch für die Mitglieder des anderen Vereins keinen Eintritt zu verlangen, eine meiner Meinung nach sehr begrüßenswerte Vereinbarung. Nicht umsonst waren allerdings die Getränke, und mir wurde am Sonntag noch eine saftige Rechnung von einem Catering‑Service präsentiert. »Übernimmst du die, Markus?«

Die Digitaluhren empfand ich als angenehm; wann kann man sonst in der Zeitnotphase seine Bedenkzeit bis zur letzten Sekunde ausnutzen?

Am ersten Tag konnten wir im Gegensatz zum deutschen Meister in Bestbesetzung antreten, da alle unsere Spieler nach reiflicher Überlegung auf die Teilnahme an der FIDE‑Weltmeisterschaft in Moskau verzichtet hatten. Lübeck war hingegen so ersatzgeschwächt, dass sie gegen mich schon einen norwegischen Fußballspieler aufstellen mussten. Der Kampf war dann allerdings ein Spiel auf ein (unser) Tor und fiel mit dem 7:1 standesgemäß, aber etwas zu hoch aus.

Aleksandar kam zu spät und konnte dann überraschend als Erster gegen Hansen remis machen. Den zweiten halben Punkt erklammerte Carl‑Christian gegen DeFirmian. Aus dieser ästhetisch ansprechenden Partie wird mir vor allem das betonierte Vollzentrum in Erinnerung bleiben (Weiß: Bauer e4, d5, Schwarz: Bauer e5, d4). Sonst war eigentlich nur noch Frank nahe am Remis, im Duell der Endspielbuchautoren unterlag er Speelman im Springerendspiel, wofür er sich dann einige hämische Witze gefallen lassen musste. Ein ganzer Punkt gar schien Steve schon sicher zu sein, als er in eine neue Dame verwandeln konnte und es nur noch galt, den gegnerischen Freibauern zu stoppen. Vereinzelt wurden schon Rufe nach dem von mir als Prämie für den ersten Königsspringer‑Bundesligasieg ausgesetzen Champagner laut. Doch irgendwie wurde es immer schwieriger, plötzlich war ein Springer weg und die Dame wurde von einer Freibauernwalze überrollt.

Am Sonntag gegen den HSK beim 2:6 waren wir ähnlich chancenlos. Steve spielte heute nicht, sondern machte nach fünf Zügen remis gegen Dirk Sebastian – kein guter Zug. Die Niederlagen von Aleksandar, Carl und Martin waren recht deutlich. Frank nahm in einer heißen Cambridge‑Springs‑Variante nach bekannten Vorbildern einen Bauern mit, aber Dorfman hatte das Läuferpaar und Angriffschancen. Frank spielte aggressiv und mutig weiter, jedenfalls lehnte er schließlich sogar ein Remisangebot ab. In der Zeitnot geschah dann aber das Unglück: Frank gab nach eigenen Angaben auf, in dem Glauben, er habe die Zeit überschritten – in Wirklichkeit hatte er die Zeitkontrolle geschafft, und die Stellung war unklar. Besser machte es Wolfgang, der gegen Kempinski im Turmendspiel den zweiten halben Punkt beisteuerte.

Wie so oft spielten zum guten Schluss noch der Doktor und ich. Markus verlor etwas unglücklich gegen Ftacnik, aber nach fast sieben Stunden konnte ich dann immerhin gegen Thies Heinemann gewinnen. In einem schwierigen und spannenden Leichtfigurenendspiel hatten wir schließlich Läufer plus Bauer gegen Springer auf dem Brett. Ich wünschte, ich hätte die Nalimov‑Tablebases zur Hand gehabt, aber zum Glück reichte es auch so, auch wenn ich noch den ganzen nachfolgenden Montag ziemlich k. o. war.

Nun bleibt der Champagner also in meinem Kühlschrank. So hatte ich mir das zwar nicht vorgestellt, aber man kann nicht sagen, es hätte noch nicht genug Gelegenheiten gegeben, den Preis zu gewinnen! Ein Sieg in 32 Partien ist doch etwas arg wenig, dennoch sollte dieser Erfolg vor der langen Winterpause ein Signal dafür sein, dass wir nicht in allen Kämpfen hoffnungslos unterlegen sein müssen. In der nächsten Dreierrunde im Februar spielen wir gegen Bremen, Heiligenhaus und Solingen, zumindest im zweiten Kampf können wir dann hoffentlich nicht nur um Brettpunkte, sondern auch mal um Mannschaftspunkte zittern.

Und ich setze wieder einen Champagner aus, diesmal für den ersten Sieg eines Nicht‑Mannschaftsführers. Wenn das kein Anreiz ist, …

(Georg von Bülow)

↑
↓
5. + 6. + 7. Runde
01.02.2002 Königsspringer Hamburg SV Werder Bremen :

02.02.2002 Königsspringer Hamburg SG Heiligenhaus :

03.02.2002 SG Aljechin Solingen Königsspringer Hamburg 6 : 2
SK König Plauen Erfurter SK 2,5:5,5
SG Porz Godesberger SK 5,5:2,5
SV Wattenscheid SV Castrop‑Rauxel 3,5:4,5
SG Aljechin Solingen SG Heiligenhaus 6,0:2,0
TV Tegernsee Stuttgarter Schachfreunde 5,0:3,0
Hamburger SK Lübecker SV 2,0:6,0

Schachfreunde Neukölln Erfurter SK 4,0:4,0
SG Porz SV Castrop‑Rauxel 5,0:3,0
Godesberger SK SV Wattenscheid 5,0:3,0
SV Werder Bremen SG Aljechin Solingen 3,0:5,0
TV Tegernsee Hamburger SK 4,0:4,0
Stuttgarter Schachfreunde Lübecker SV 3,0:5,0

SK König Plauen Schachfreunde Neukölln 3,5:4,5
SV Castrop‑Rauxel Godesberger SK 4,5:3,5
SV Wattenscheid SG Porz 2,0:6,0
SG Heiligenhaus SV Werder Bremen 2,0:6,0
Hamburger SK Stuttgarter Schachfreunde 4,5:3,5
Lübecker SV TV Tegernsee 4,0:4,0

Abwärts

Ein langes Bundesligawochende begann für uns am Freitag um 16:00 Uhr im Flughafenrestaurant Bremen. Leider kam diesmal eine Austragung der Kämpfe in der repräsentativen Business‑Lounge des Bremer Weserstadions nicht infrage, da dort am Samstag ein Fußballspiel stattfand. Statt auf einen Fußballrasen konnten wir somit auf das Rollfeld des Flughafens schauen, eine ungewohnte Ablenkung beim Schachspielen. Die Bedingungen in dem schallisolierten Raum waren keineswegs schlecht, allerdings verirrten sich bedingt durch die dezentrale Lage auch kaum Zuschauer dorthin. Dafür wurde es einigen Teilnehmern dieser Veranstaltung ermöglicht, dass sie während des gesamten Wochenendes bis zum Rückflug nicht einmal den Flughafen zu verlassen brauchten.

Mit Carl‑Christian Buhr mussten wir leider auf einen unserer zuverlässigsten Stammspieler verzichten, somit kam Jan Wendt zu seinen ersten Bundesligaeinsätzen. Um es vorwegzunehmen, er enttäuschte nicht, auch wenn er bedingt durch mangelnde Praxis sogar zwei halbe Punkte verschenkte.

Gegen unseren Reisepartner Werder Bremen zogen wir eine deftige 1½:6½‑Niederlage, die aber nicht den gesamten Spielverlauf widerspiegelt. Frank Lamprecht, Wolfgang Pajeken, Aleksandar Trisic und Steve Berger verloren gegen gut vorbereitete Gegner zugegebenermaßen recht eindeutig. Mein Remisangebot an Meins kam wohl etwas zu früh, denn eigentlich hatte ich die Stellung schon ganz gut im Griff. Markus Hochgräfe hatte sich beim letzten Mal Franks Neoklassiker ›Fundamental Chess Endings‹ zugelegt und wusste nun sein obligatorisches leicht schlechteres Endspiel erfolgreich gegen Schandorff zu verteidigen. In den übrigen zwei Partien waren aber zwei glatte Gewinnstellungen verblieben, und es schien nur noch darum zu gehen, wer als Erster gewinnen und damit den von mir abermals ausgesetzten Champagner trinken würde. Zuerst ließ Jan Wendt aber CD Meyer, den er zwischenzeitlich mit einem Mehrbauern schon mal völlig paralysiert hatte, in einem Damenendspiel ins Dauerschach entwischen. Noch schlimmer machte es Martin Voigt, der mit einer glatten Mehrqualität im Endspiel »nur noch« technische Probleme zu lösen hatte, schließlich einen Bauern nach dem andern einstellte und somit Sven Joachim einen unverdienten Punkt schenkte. Einen derart grausamen Partieverlauf ist man sonst höchstens bei FIDE‑Weltmeisterschaften mit der neuen Bedenkzeitregelung gewohnt.

Am Samstag konnte man dann bei uns mit ein wenig Phantasie von einem echten Spitzenkampf sprechen, denn wenn man die Tabelle umdrehte, trafen heute die einzigen noch verlustpunktfreien Mannschaften aufeinander, die zudem noch über ein hervorragendes Brettpunktverhältnis verfügten. Doch hören wir lieber auf zu träumen und wenden uns wieder der Realität zu, die uns heute in aller Härte traf. Viel hatten wir uns für diese Begegnung vorgenommen, doch leider kam alles anders, ganz anders. Heiligenhaus überraschte uns mit einer gegenüber dem Vortag veränderten Aufstellung: An Brett 1 und 4 spielten die Holländer van Mil und Berkvens, die dann auch prompt voll punkteten. Dennoch gibt es keine überzeugenden Grund, gegen solch einen Gegner fast ohne Gegenwehr 2½:5½ unterzugehen. Bei Jan war vielleicht noch etwas mehr drin, schließlich lehnte er ein Remisangebot ab. Martin und ich gewannen mit etwas Mühe gegen unsere schwächeren Gegner nach langen Kampf, dazu kam noch ein halber Punkt von Wolfgang, das war alles. Es war schon deprimierend, denn so einen »leichten« Gegner werden wir in dieser Saison mit Sicherheit nicht mehr bekommen. Abends teilten Martin und ich uns den Champagner, aber eine ausgelassene Feier wurde es nicht.

Zum guten Schluss spielten wir Sonntag früh ab 09:00 Uhr im Hotel Atlantic beim Flughafen im vierten Stock mit Panoramablick auf die Stadt Bremen. Um es kurz zu machen, nach dem gestrigen Debakel zogen wir uns mit dem 2:6 gegen Solingen durchaus achtbar aus der Affäre. Soll man es als Fortschritt bewerten, dass zum ersten Mal sage und schreibe vier Spieler nicht verloren? Frank verblüffte uns mal wieder mit seiner profunden Theoriekenntnis, mit einem neuen Zug in der Eröffnung erreichte er mit Weiß forciert ein trostloses Turmendspiel, das er dann aber mit präzisem Spiel gegen Piket gewohnt zäh verteidigte. Martin bestätigte seine aufsteigende Formkurve mit einem kämpferischen Remis nach mutigen Gambitspiel gegen Chandler. Jan und ich erreichten die Punkteteilung dagegen ohne allzu große Aufregungen. Von den Verlierern ließ Markus die größten Chancen aus, gegen Lobron schien in der Zeitnotphase sogar mal mehr als ein halber Punkt möglich zu sein.

Alles in allem ein enttäuschendes Wochenende für uns, denn nur ein Sieg im Schlüsselkampf gegen Heiligenhaus hätte uns weiterbringen können. Nun wird es schwer werden, die rote Laterne überhaupt wieder los zu werden. Viel Zeit die Köpfe hängen zu lassen gibt es aber nicht, in drei Wochen geht es gegen Castrop‑Rauxel und Wattenscheid – auf ein Neues!

(Georg von Bülow)

↑
↓
8. + 9. Runde
23.02.2002 SV Wattenscheid Königsspringer Hamburg 4 : 4

24.02.2002 Königsspringer Hamburg SV Castrop‑Rauxel :
SK König Plauen Hamburger SK 2,0:6,0
Erfurter SK Lübecker SV 3,5:4,5
SG Aljechin Solingen TV Tegernsee 6,0:2,0
SG Heiligenhaus Stuttgarter Schachfreunde 1,5:6,5
SV Castrop‑Rauxel SV Werder Bremen 2,5:5,5
Schachfreunde Neukölln SG Porz 1,5:6,5

Hamburger SK Erfurter SK 4,5:3,5
Lübecker SV SK König Plauen 6,5:1,5
TV Tegernsee SG Heiligenhaus 5,5:2,5
Stuttgarter Schachfreunde SG Aljechin Solingen 5,0:3,0
SV Werder Bremen SV Wattenscheid 5,5:2,5
Godesberger SK Schachfreunde Neukölln 4,0:4,0

Und wir können es doch!

Sieben harte Kämpfe mussten wir leiden, uns über jedes Remis und die äußerst spärlichen Gewinnpartien freuen, den übermächtigen Gegnern immer wieder die Hand zur Aufgabe reichen. Das alles ist nun Vergangenheit, die Zukunft sieht rosig aus und der 23. Februar geht als Tag des ersten Bundesliga‑Mannschaftspunktes für Königsspringer Hamburg in die Vereinsgeschichte ein! Dabei sah es aus meiner Sicht zunächst gar nicht so toll aus:

Treffpunkt für den doppelten Marc(k)us und meine Wenigkeit war Samstag um 09:00 Uhr am allseits beliebten Brunnen, um dann locker ins nördliche Ruhrgebiet nach Castrop‑Rauxel zu düsen. Die anderen waren schon am Vortag angereist bzw. mit der Bahn unterwegs, und bis 14:00 Uhr sollte das ja wohl kein Problem sein, oder? Nun, mir schwante schon Böses, als die U‑Bahn bei mir im Alten Teichweg mit einer Schneehaube bedeckt einfuhr. Wir waren froh, dass die inzwischen erreichte Autobahn bis zum Elbtunnel noch mit knapp 80 befahrbar war und hofften zuversichtlich auf die Wetterscheide Elbe, doch weit gefehlt: Es wurde noch glatter und 60 waren das höchste der Gefühle. Auf der A1 Richtung Bremen kam der Schneehagel dann in Windböen waagerecht von vorn und brachte mehr als nur den Scheibenwischer in Schwierigkeiten. Am fiesesten war aber das eigentlich sehr nützliche Navigationsgerät, das um 09:44 Uhr unsere Ankunft auf 13:01 Uhr hochrechnete. Dumm nur, dass ebendieses unsere Ankunft bereits zwanzig Minuten später auf 13:11 Uhr taxierte! Eine kurze Hochrechnung dieser Prognose ließ mich ein Stoßgebet zum Himmel senden und uns kurzfristig mögliche Bahnalternativen ab Bremen diskutieren. Doch dann hatte plötzlich jemand ein Einsehen und wechselte schlagartig auf »trocken mit durchblitzender Sonne« – einfach unglaublich! Unser Mitleid galt nunmehr den Ahnungslosen auf der Gegenfahrbahn! Doch ich schwafle herum, überpünktlich um kurz vor eins trafen wir am Spielort ein.

Gleich beim Betreten des Spielsaals fühlte ich mich heimisch, diese etwas unpersönliche Schulaula‑/Pausenhallen‑Atmosphäre kannte ich doch schon irgendwoher. Na wenigstens spendeten ein paar große Fenster diffuses Ruhrgebietlicht. Unsere Abstiegskonkurrenten aus Wattenscheid hatten fast alles aufgeboten, was auf der Meldeliste stand, und so waren wir mal wieder Maus in der Falle, die allerdings fast andersherum zugeschnappt hätte!

Oben hatten wir zunächst nicht viel zu bestellen: Carl‑Christian verlor recht klar gegen Holzke, Markus Hochgräfe und ich hatten zum Glück Weiß und konnten so Rustemov und Aronian ins Remis klammern, wobei ich deutlich mehr Antischach spielte als unser Doktor, der gegen den Elo‑stärksten Gegner einfach nichts rausholte.

Bei Wolfgang hingegen wurde es haarig: Peter Heine Nielsen hatte äußerst spekulativ eine Figur geopfert, um die schwarzen Steine auf ihrer Grundreihe festzunageln. Die Sache war höchst dubios und Wolfgang wehrte sich fintenreich, nur um im entscheidenden Moment einen gewinnbringenden Abtausch zu übersehen und dann in Zeitnot unterzugehen.

Trotz der ausgelassenen Chance kam das 1:3 an den ersten vier Tischen nicht ganz unerwartet, denn unsere Gegner waren im Schnitt fast 200 Punkte höher bewertet.

Die zweite Mannschaftshälfte hatte es etwas leichter, denn der Rückstand betrug durchschnittlich nur 64 Elopunkte, und wir sind ja wohl chronisch unterbewertet! In der Tat: Was hier geboten wurde, war höchst überzeugend.

Steve ließ Timo Straeter diesmal keine Chance und fuhr endlich seinen lang erwarteten ersten Bundesligasieg ein.

Auch Super‑Ersatzmann Jan Wendt hatte bei seinem Schwarzremis gegen Thomas Thiel stets eher die besseren Karten, äh!, Züge.

Aufregend ging es in Zeitnot bei Georg gegen Holger Ellers zu: In wilder Angriffswut hatte Ellers wohl inkorrekt eine Figur geopfert und dann zum Glück in Zeitnot einen Gewinn ausgelassen, was Georg auf die Siegerstraße brachte. Der gab dann mit Sekunden auf der Uhr noch schnell ein paar Damenschachs, allerdings ohne rechte Übersicht, insbesondere ohne dabei noch ein paar Bauern mitzunehmen. Nach der Zeitkontrolle war dann für die Kiebitze zwar ein superleichter Gewinn zu sehen, doch für Georg war der ausgeschlossen, da das einleitende Schach zu dreimaliger Stellungswiederholung geführt hätte. Zum Glück gab die Position auch noch einen komplizierteren Gewinnweg her!

3½:3½, alles hing nun an Martin Voigt, der sich nach interessantem Partieverlauf mit diversen Verwicklungen gegen Florian Handke mittlerweile in einem komplexen Turmendspiel plagte. Gewohnt sicher, oder sagen wir lieber: Mit ausreichender Übersicht erzwang er schließlich das Remis, bevor er unter seinen jubelnden Mannschaftskollegen begraben wurde.

4:4! Endlich, der erste Mannschaftspunkt!

Nach einer angenehmen Nacht im für Ruhrgebietverhältnisse überraschend malerisch gelegenen Hotel und kurzer Vorbereitung gingen wir mit gestärktem Selbstbewusstsein in den Kampf gegen Gastgeber Castrop‑Rauxel.

Oben ging es wieder so aus wie am Vortag: Carli verlor gegen Ralf Appel und auch Wolfgangs zäher Widerstand gegen den bärenstarken Eduardas Rozentalis war nicht von Erfolg gekrönt. Markus erreichte ein solides Remis gegen Fabian Doettling, und auch ich hatte überraschend wenig Probleme mit Kiril Georgiev, den meine Eröffnungswahl (ein scharfer Slawe) schon bald nötigte sein Jackett abzulegen. Nachdem er einem Remis durch Dauerschach todesmutig auswich, hätte ich sogar gewinnen müssen, übersah aber ein taktisches Motiv und nahm bei knapper Zeit lieber das erneute Dauerschach, statt mein Glück wie gegen Dorfman überzustrapazieren.

Obwohl es zunächst nicht danach aussah, sollte sich dies noch rächen, denn unten war schon wieder einiges los: Jan gewann überzeugend gegen den starken Dirk Hennig, und auch Georg fand seine Stellungsruine nach einem gegnerischen Patzer plötzlich mit einer Mehrfigur wieder! Martin safete ein gekonntes Remis gegen GM Gallagher, aber leider übersah Steve gegen Volkmar Dinstuhl eine Abwicklung in ein haltbares Endspiel, sodass wir schließlich äußerst knapp mit 3½:4½ verloren.

Vielen Dank auch noch mal an Supereisschneefahrer und Schlachtenbummler Marcus Möhrmann. Ich glaube, diesmal war es ganz und gar nicht langweilig zuzusehen!

Moment, da war doch noch was! Ach ja:

»Herzlichen Glückwunsch zur IM‑Norm, Georg!«

Mit 5½ aus 9 hat Georg mehr als doppelt so viel Punkte erzielt, wie einer vom Mannschaftsrest und die Norm sogar übererfüllt!

(Frank Lamprecht)


Aufwärts!

Gewitter, Schnee und ein eisiger Wind begleiteten uns bei unserem Bundesligawochenende in Castrop‑Rauxel westlich von Dortmund. Nachdem fünf von uns bereits am Freitag abend angereist waren, fand der Rest den Weg am Samstag zum Spiellokal, das sich in der Mensa einer Gesamtschule in der Nähe der A42 befand.

Überrascht wurden wir zunächst von der starken Aufstellung der Wattenscheider, die einiges aufgefahren hatten – offensichtlich wollten sie sich mit einem ungefährdetem Sieg gegen uns Luft im Abstiegskampf verschaffen. Dennoch sah es von Beginn an stets vielversprechend aus.

Das erste Remis vereinbarte Jan im Pirc – vielleicht etwas zu früh, denn im Nachhinein betrachtet stand er doch schon recht bequem.

Leider gerieten wir dann durch Carls Niederlage in Rückstand, dafür konnte Steve seinen ersten Sieg in der Bundesliga landen. Im Angriffsstil ließ er seinen Gegner nicht zur Rochade kommen und verlor auch im Endspiel mit Turm und ungleichfarbigen Läufern nicht die Orientierung.

Der Ausgleich, und auch an den übrigen Brettern sah es gut aus: Zwei weitere halbe Punkte erklammerten Frank und Markus nach jeweils frühem Damentausch mit Weiß. Nicht unbedingt schön anzusehen, aber heute sollte diese Punkte noch wichtig werden!

In einer der spannendsten Partien des ganzen Wochenendes hatte Wolfgang zunächst einen Bauern in der Eröffnung mitgenommen, worauf der Däne Peter Heine Nielsen dann sogar eine ganze Figur ins Geschäft gesteckt hatte. Die positionelle Kompensation war unzweifelhaft, genauso wenig war aber ein Matt zu erkennen. Und an einer Stelle hätte sich Wolfgang tatsächlich gewinnbringend von dem Druck befreien können. Leider verpasste er diese Gelegenheit, und am Ende setzte sich doch noch der Favorit durch.

Dafür ging die zweite scharf auf der Kippe stehende Partie zu unseren Gunsten aus: Nach einem etwas unmotivierten Opfer meines Gegners stand ich bereits einmal glatt auf Gewinn, aber nach einem groben Fehler in der Zeitnotphase hätte die Partie zwei Züge lang auf den Kopf gestellt werden können. Stattdessen gewann ich die Dame für zwei Türme, die zusammen mit den Freibauern einen leichten Sieg garantierte.

Auch die letzte noch laufende Partie hatte bereits einen abenteuerlichen Verlauf genommen: Martin spielte gegen den deutschen Vizemeister Florian Handke eine abwechlungsreiche Partie, in der die Betrachter ein ums andere Mal über den Verlauf in Erstaunen versetzt wurden. Im Turmendspiel setzte noch einmal das große Zittern ein, aber in der siebten Stunde konnte Martin seinen Turm für den letzten Bauern geben und mit seinem eigenen Freibauern remis halten.

Es war vollbracht: 4:4, der erste Punktgewinn für uns in der Bundesliga, und das hochverdient! Entsprechend erleichtert und gut war die Stimmung am Abend.

Nach einer ziemlich kurzen Nacht (Gold im Viererbob bei den olympischen Winterspielen) trafen wir am nächsten Morgen um 09:00 Uhr auf die gastgebende Mannschaft aus Castrop‑Rauxel, die sicher noch etwas stärker einzuschätzen ist als Wattenscheid. Wieder konnten wir harten Widerstand leisten, auch wenn es diesmal kein Happyend geben sollte.

Zuerst verloren Steve und Carl, der ein schwarzes Wochenende erwischte – der Prüfungsstress in der Abschlussphase seines Studiums macht sich doch bemerkbar. Wolfgang verlor ein nimzoindisches Endspiel gegen die aktiveren Türme von Eduardas Rozentalis, aber das sollte auch unsere letzte Niederlage gewesen sein.

Markus und Martin remisierten ohne besondere Probleme mit Schwarz, Martin dabei mit dem Schweizer‑Briten Joel Gallagher gegen einen der Co‑Autoren gerade jenes Eröffnungswerkes, mit dessen Hilfe er sich tags zuvor vorbereitet hatte.

Jan konnte seinen ersten ganzen Punkt einfahren, er spielte IM Dirk Hennig ziemlich an die Wand. Eigentlich war dieser Sieg überfällig, Jan hat bisher ausgezeichnet gespielt und liegt nun bei einer Ausbeute von 50 %.

Eine Sensation jedoch war am Spitzenbrett greifbar, Frank ließ gegen den bulgarischen Weltklassegroßmeister Kiril Georgiew (fast Elo 2700!) zweimal den Gewinn aus. Unfassbar! Nachher wusste Frank nicht so recht, ob er sich über den halben Punkt freuen oder ärgern sollte. Dennoch eine tolle Leistung!

In der letzten Partie dagegen stand das Glück auf unserer Seite: Mein Gegner verpasste in Zeitnot diverse Gewinnwege, und als die Zeitkontrolle geschafft war, hatte ich unverhofft eine gesunde Mehrfigur. Nun ja, an diesem Wochenende musste ich eigentlich nur einsammeln, was sich so anbot.

Insgesamt geht das 3½:4½ also in Ordnung, aber wenn man an die Partie am ersten Brett denkt, …

Dennoch überwiegt bei uns eindeutig die Freude über das erste Unentschieden und die siebeneinhalb Brettpunkte – auch wenn wir im Hinblick auf den Abstiegskampf wahrscheinlich zu spät aufgewacht sind. Dank gebührt Marcus Möhrmann, der uns nach Castrop‑Rauxel fuhr und das Wochenende mit uns dort verbrachte, und allen, die uns die Daumen gedrückt haben – siehe die zahlreichen Einträge im Gästebuch! »Die erste Mannschaft braucht eure Unterstützung!«

Und ich bin mir sicher, da geht noch was. Vielleicht schon beim nächsten Heimkampf? Am Samstag, den 16. März treffen wir um 14:00 Uhr auf Neukölln, Spielort ist die Signal‑Iduna‑Versicherung, Neue Rabenstr. 15–19, in der Nähe des Dammtor‑Bahnhofes. Am Sonntag ab 09:00 Uhr spielt dann unser Reisepartner Werder Bremen, die nach den zwei ungefährdeten 5½:2½‑Siegen dieses Wochenendes Tabellendritter sind, gegen die Berliner – der Eintritt ist für alle Königsspringer und HSK‑Mitglieder jeweils frei.

(Georg von Bülow)

↑
↓
10. + 11. Runde
16.03.2002 Königsspringer Hamburg Schachfreunde Neukölln 2 : 6

17.03.2002 (spielfrei)   Königsspringer Hamburg      
Godesberger SK Erfurter SK 4,5:3,5
SG Porz SK König Plauen 5,0:3,0
Stuttgarter Schachfreunde SV Castrop‑Rauxel 5,5:2,5
TV Tegernsee SV Wattenscheid 4,0:4,0
Lübecker SV SG Heiligenhaus 7,5:0,5
Hamburger SK SG Aljechin Solingen 3,0:5,0

Erfurter SK SG Porz 2,0:6,0
SK König Plauen Godesberger SK 4,0:4,0
Schachfreunde Neukölln SV Werder Bremen 4,0:4,0
SV Castrop‑Rauxel TV Tegernsee 4,0:4,0
SV Wattenscheid Stuttgarter Schachfreunde 3,5:4,5
SG Heiligenhaus Hamburger SK 1,5:6,5
SG Aljechin Solingen Lübecker SV 3,5:4,5

Bericht

Zum ersten Mal überhaupt durfte Königsspringer an diesem Wochenende die Bundesliga ausrichten. Wegen des Rückzugs von Magdeburg wurde nur je ein Kampf pro Tag ausgetragen – am Samstag trafen wir auf Neukölln, am Sonntag spielte unser Reisepartner Werder Bremen gegen die Berliner. Dennoch kann man ohne Zweifel feststellen, dass diese Premiere zu einer gelungenen wurde – die als Spielort genutzte Kantine der Signal‑Iduna‑Versicherung nahe beim Dammtor‑Bahnhof, vielen Hamburger Schachspielern als Austragungsort des Mannschaftspokals und von Blitzmeisterschaften bekannt, erwies sich als absolut geeignet, um eine ansprechende Bundesligaatmosphäre zu garantieren. Ein besonders Lob gilt Olaf Ahrens und Wolfgang Fenske, die in erster Linie für den reibungslosen Ablauf sorgten, sowie Günter Schierholz, Siegfried Seemann und Familie Borgmeyer für ihre Unterstützung. Das Zuschauerinteresse war besonders am Samstag doch beachtlich, wenn auch bedingt durch die parallel ausgetragene letzte Runde der Hamburger Jugendeinzelmeisterschaften viele Jugendliche unseres Vereines leider nicht zum Zuschauen kommen konnten.

Obwohl wir nach unserem letzten Zwischenhoch in Castrop‑Rauxel hoch motiviert waren, verlief der Kampf gegen Neukölln recht einseitig gegen uns und endete mit einer Niederlage in einer für uns vertrauten Höhe.

Schlecht schon der Beginn: Markus hatte sich zwar auf den richtigen Gegner, aber mit der falschen Farbe vorbereitet … Nach einem taktischen Übersehen war einfach eine Dame weg.

Ausgesprochen dumm auch meine Eröffnungswahl: Gegen Dirk Poldauf folgte ich in der französischen »Auf‑Leben‑und‑Tod‑Variante« dessen eigener Empfehlung, die er gerade in der letzten Ausgabe der RochadeEuropa bei der Kommentierung seiner Bundesligapartie vorgeschlagen hatte. Das erwies sich als nicht übermäßig clever, denn am Abend zuvor hatte er noch die Stellung nach dem 24. Zug von seinem Computer analysieren lassen, bis zu der ich schon einiges an Bedenkzeit verbraucht hatte. Mein 25. Zug war ein Fehler, und schon war’s vorbei. Also Leute: Finger weg von diesen Varianten, es sei denn, ihr habt sie vorher gründlich durch Dokhoian überprüfen lassen!

Weiter ging’s: Aleksandar stellte schnell durch einen uralten Sizilianischtrick einen Bauern ein … Oder war da doch irgendwann so etwas wie Kompensation in Sicht? Die unvermeidliche Zeitnot besiegelte dann sein Schicksal.

Jan konnte heute nicht so souverän wie gewohnt auftrumpfen und erreichte diesmal nur mit Mühe die Punkteteilung.

Dafür setzte Wolfgang Igor Stohl doch etwas unter Druck, selbst bis ins Bauernendspiel – immerhin ein Remis aus der Position der Stärke heraus.

Als Frank gegen seinen »alten Bekannten« Sergei Movsesian verloren hatte – beide waren vorher schon in Pardubice zweimal aufeinander getroffen – war der Kampf auch rechnerisch entschieden. In den letzten beiden Partien gelangen uns noch zwei Remisen, was uns insgesamt ein 2:6 bescherte.

Steve hatte aussichtsreich die Qualität geopfert und schien zwischenzeitlich sogar mal Richtung Gewinn tendieren zu können.

In der längsten Partie bekriegten sich noch Martin und Rainer Polzin (bei drei wechselseitig ausgeschlagenen Remisangeboten!) bis ins Springerendspiel – dann war’s überstanden, und Geburtstagskind Martin bekam seine Schwarzwälder‑Kirsch‑Torte überreicht, die wir dann umgehend vernichteten.

Weit ausgeglichener verlief der Kampf zwischen Neukölln und Werder Bremen am Sonntag morgen. Schnell friedenseinig war man sich an den ersten beiden Brettern; ich traf gerade noch rechtzeitig ein, um mir von Igor Stohl dessen Buch ›Instructive Modern Chess Masterpieces‹ signieren zu lassen. An allen übrigen Brettern wurde jedoch bis in die Zeitnotphase hart gekämpft. Nachdem zunächst CD Meyer zwar eine Figur gewinnen konnte aber nicht die Partie, schienen die Berliner klar auf der Siegerstraße zu sein: Dirk Poldauf vollbrachte das Kunststück, auch bei seiner 19. Bundesligapartie in Folge das Remis zu vermeiden, und in der vielleicht spannendsten Partie dieses Tages konnte Martin Borriss im Angriff Rainer Knaak bezwingen.

Dennoch gelang den Bremern noch der Ausgleich: Erst luchste Jacob Heissler seinem Gegner Lars Thiede um den 40. Zug herum eine Figur ab, dann konnte auch Yannick Pelletier seinen Mehrbauern im Turmendspiel gegen Stephan Berndt verwerten. Und schließlich ließ sich Rainer Polzin von Sven Joachim im Endspiel mit zwei Leichtfiguren gegen den Turm zum Remis verschaukeln – 4:4 der Endstand in diesem reinen Platzierungsspiel zweier Teams, die mit dem Abstieg oder der Meisterschaft schon lange nichts mehr zu tun haben.

Unser Weg zurück in die zweite Liga scheint dagegen nun klarer denn je vorgezeichnet. Gegen Godesberg und Porz werden wir nächstes Mal wohl nicht allzu viel ausrichten können, aber auf einige interessante Partien gegen Weltklassegroßmeister darf man wieder rechnen – und das ist doch auch schon was!

(Georg von Bülow)

↑
↓
12. + 13. Runde
13.04.2002 Godesberger SK Königsspringer Hamburg 5 : 3

14.04.2002 Königsspringer Hamburg SG Porz 0 : 8
Erfurter SK SG Heiligenhaus 7,0:1,0
SK König Plauen SG Aljechin Solingen 3,0:5,0
SV Wattenscheid Hamburger SK 4,0:4,0
SV Castrop‑Rauxel Lübecker SV 3,5:4,5
Schachfreunde Neukölln TV Tegernsee 3,0:5,0
SG Porz SV Werder Bremen 6,5:1,5

SG Heiligenhaus SK König Plauen 2,0:6,0
SG Aljechin Solingen Erfurter SK 5,0:3,0
Hamburger SK SV Castrop‑Rauxel 4,5:3,5
Lübecker SV SV Wattenscheid 5,0:3,0
Stuttgarter Schachfreunde Schachfreunde Neukölln 3,5:4,5
SV Werder Bremen Godesberger SK 5,5:2,5

Keine Sterne in Köln‑Porz

Die erste Hürde an diesem Wochenende bestand darin, überhaupt acht Spieler ans Brett zu bekommen. Unser Spitzenbrett Frank Lamprecht war unvermutet kurz vor dem Kampf erkrankt – an dieser Stelle nochmal alles Gute und eine baldige Besserung! Andere Spieler mussten arbeiten oder von den anstrengenden Strapazen der Abiturvorbereitung regenerieren. Mit einiger Mühe fanden sich dann erstaunenswerterweise doch noch drei Ersatzleute: Jan Wendts Weg führte von New York über Berlin nach Köln, während Daniel Lindner und Peter Fjodorow zu ihrem Bundesligadebüt kamen. Dank seiner Krawatte lief mir Daniel diesmal auch in der Kategorie »bestgekleideter Königsspringer« den Rang ab. Mit zwei Niederlagen erlebten wir ein aus unserer Sicht gewöhnliches Nullachtfünfdrei‑Bundesligawochenende, das unseren Abstieg aus der ersten deutschen Spielklasse endgültig besiegelte.

Die Leistung am Sonnabend beim 3:5 gegen Godesberg war angesichts unserer Rumpftruppe bemerkenswert. Etwas dürftig fiel diesmal mein Weiß‑Aufschlag aus: Nach meinen unguten Erfahrungen vom letzen Mal spulten mein Gegner und ich eine Ausgleichsvariante ab, ungleichfarbige Läufer, remis. Genug davon, denn von allen Varianten schätze ich doch am meisten die interessanten. Zum Beispiel das grünfeldindische Bauernopfer bei Daniel: Fast sah es nach einem ganzen Punkt aus, doch der Gegner konnte sich mit einer netten Kombination ins Dauerschach retten. Dann schlug Carlis große Stunde: trotz Zeitnot ließ er nichts mehr anbrennen und erst zwei Züge vor dem Matt gab Kveinys auf. Unser erster Sieg gegen einen Großmeister in dieser Saison, und war es nicht gar das erste Mal, dass wir überhaupt in Führung gingen? Leider verlor Wolfgang Pajeken – zum ersten Mal an Brett 1 und dementsprechend nervös – gegen Rustem Dautov, und Jan stellte im Doppelturmendspiel nach und nach alle Bauern ein. Martin Voigt jedoch konnte in einem wuseligen Franzosen Ferenc Langheinrich überlisten – Martins zweiter Sieg und seine sechste Partie in Folge ohne Niederlage. Das bedeutete den Ausgleich zum 3:3, aber in den letzten beiden Partien war nichts mehr zu holen. Markus Hochgräfe wurde vom sadistischen Kengis genüsslich gefoltert, und Peter verlor trotz tapferer Gegenwehr erst eine Qualität und später das Endspiel.

Was soll ich über den Sonntagskampf gegen die Porzer schreiben? Wir traten wieder zu acht an, alle Spieler saßen pünktlich am Brett, so weit, so gut. Beim Rundgang stellte ich mit Blick auf die Namensschilder der Spieler ernüchtert fest, dass unsere großmeisterlichen Gegner jeweils so 350 bis 400 Elopunkte mehr aufwiesen, und das sollte sich denn auch bemerkbar machen. Jan hätte zum Matchwinner avancieren können, er musste lediglich noch die Türme abtauschen um in ein totremises Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern abzuwickeln. Doch die verflixten Türme blieben auf dem Brett, Alexander Graf begann zu kurbeln, und nix war’s mit dem halben Punkt. Die besten Haltungsnoten an den übrigen Brettern verdienten sich Markus, der ein kompliziertes Endspiel gegen Loek Van Wely verlor, sowie Wolfgang, der vom Läuferpaar des deutschen Meisters Christopher Lutz gequält wurde. Eine gute Gelegenheit bot sich mir gegen Curt Hansen, bevor auch diese Partie den Bach herunter ging. Also die Höchststrafe für uns, was nicht einmal wirklich überraschend kam. Ich bin mir sicher, dass wir etwas dazugelernt haben.

Unserer Abschiedstournee von der Bundesliga endet am 27./28. April in Hamburg bei der HanseMerkur‑Versicherung, wo wir zusammen mit dem Hamburger SK noch einmal ein großes Bundesligaschachfest erleben werden, bei der am Sonnabend vermutlich der neue deutsche Meister gekürt wird. Wir treffen auf die Erfurter und den SK Plauen, zwei Vereine, die noch um den Klassenerhalt kämpfen müssen. Und wir werden alles dafür geben, die rote Laterne doch noch an Heiligenhaus abzugeben.

(Georg von Bülow)

↑
↓
14. +15. Runde
27.04.2002 Königsspringer Hamburg Erfurter SK :

28.04.2002 SK König Plauen Königsspringer Hamburg 4 : 4
SV Werder Bremen SK König Plauen 4,0:4,0
TV Tegernsee Godesberger SK 3,5:4,5
Stuttgarter Schachfreunde SG Porz 3,0:5,0
Lübecker SV Schachfreunde Neukölln 5,5:2,5
SG Heiligenhaus SV Castrop‑Rauxel 2,0:6,0
SG Aljechin Solingen SV Wattenscheid 5,0:3,0

Erfurter SK SV Werder Bremen 2,5:5,5
Godesberger SK Stuttgarter Schachfreunde 4,0:4,0
SG Porz TV Tegernsee 4,0:4,0
Schachfreunde Neukölln Hamburger SK 1,5:6,5
SV Castrop‑Rauxel SG Aljechin Solingen 3,0:5,0
SV Wattenscheid SG Heiligenhaus 7,5:0,5

Bericht

Es ist vollbracht! Die erste Saison des SC Königsspringer in der Königsklasse des deutschen Schachs liegt hinter uns! In den letzten beiden Kämpfen wollten wir uns noch einmal gut verabschieden. Wir standen zwar schon vorher als Absteiger fest, wollten aber auf jeden Fall noch vor Heiligenhaus landen. Die Voraussetzungen waren eigentlich ganz gut, denn am Samstag gegen Erfurt und am Sonntag gegen Plauen warteten schlagbare Mannschaften auf uns. Schlagbar ist natürlich relativ, da diese Mannschaften immer noch mit lauter Profis gespickt waren. Aber wir sind ja Härteres gewohnt, ich sage nur: Porz, Lübeck, Solingen.

Leider mussten wir auch diese Kämpfe auf Franky verzichten, dafür kam Ilja Rosmann zu seinen ersten Einsätzen. Am Samstag gegen Erfurt zeigten wir sehr bald, dass wir den Respekt vor den Großmeistern verloren haben. Schon recht schnell konnte Wolfgang gegen Thomas Luther nach scharfer Eröffnung ausgleichen. Sein Remis mit Schwarz gegen so einen starken Spieler verdient Respekt. Vorher konnte ich mal wieder meine Abklammerfähigkeiten in einer Hauptvariante beweisen und schaffte mit Weiß recht problemlos remis. Leider verlor C.‑C. seine nach der Eröffnung ausgeglichene Stellung im Endspiel. Georg überzeugte wieder einmal mit seinen Schwindelqualitäten. Nach mehreren Bauernopfern bekam er Initiative und konnte – wie schon so oft in dieser Saison – eine merkgewürzte Stellung noch umhauen. Auch das verdient Respekt. Martins Gegener opferte in einer französisch‑artigen Stellung dubios den wichtigen Bauern d4, Martin zeigte ihm aber, dass es eher ein Einsteller war, jedenfalls ein toller Sieg gegen Großmeister Votava! Leider konnte Steve in der Zeitnot von Elisabeth Pähtz nicht seine schlechte Stellung verbessern, sodass er bald danach aufgeben musste. Auch Ilja spielte die Zeitnot einen Streich. Da nütze auch Aleksandars Remis nichts mehr, der Kampf ging knapp mit 3½:4½ verloren. Trotzdem: Wir haben gut gekämpft gegen wieder einmal deutlich bessere Gegner.

Da Plauen überraschend gegen Werder remisierte, würden sie bei einem Sieg gegen uns dem Abstieg entrinnen. Es sollte aber alles ganz anders kommen:

Am Sonntag waren wir wieder einmal kämpferisch eingestellt, das Ziel hieß, Heiligenhaus noch zu überholen, die einen Mannschaftspunkt mehr, aber deutlich weniger Brettpunkte hatten. Und es begann verheißungsvoll: Mit Schwarz konnten C.‑C. gegen Kindermann und ich gegen Bischoff schnell remisieren und die übrigen Stellungen sahen zumindest nicht schlechter aus. In der Zeitnotphase konnte Steve, der frühzeitig einen Bauern eingestellt hatte – ja, ich muss es so hart sagen, ich hoffe er wächst an der Kritik – durch Zugwiederholung ein Remis erzwingen. Georg, ich weiß nicht wie er das immer schafft, hob den Gegner in allerdings schon sehr guter Stellung über die Zeit und auch Martin konnte mit einem sehenswerten Königsangriff gewinnen. Auf einmal lagen wir nach der Zeitnotphase mit 3½:1½ in Front, ein ganz ungewohntes Gefühl für uns. Wolfgang hing in einem ungleichfarbigen Läuferendspiel mit Türmen gegen den Weltklassemann Beliavski, Aleksandar in einem unklaren Endspiel gegen Bönsch, und Ilja in einem besseren Turmendspiel. Das sah doch nach unserem ersten Sieg aus! Doch da zeigten die Großmeister ihre Zähne: Wolfgang geriet immer stärker unter Druck und musste erst einen und dann den nächsten Bauern geben. Kein Vorwurf an ihn, 300 Elo‑Punkte Differenz sind kein Pappenstil und gerade ich weiß, wie schwer es ist, dem andauernden Druck übermächtiger Gegner zu widerstehen. Dafür schaffte Aleksandar ein Remis und wir hatten zumindest einen Mannschaftspunkt gerettet. Ilja konnte ein paar Mal remis machen, aber zu diesem Zeitpunkt war das Geschehen an den vorderen Brettern zu unklar, außerdem stand er einfach besser. Doch seine Stellung wurde trotz Vorteils zunehmend komplizierter und schließlich setzte sich die größere Erfahrung seines Gegeners durch. Das 4:4 ist im Nachhinein als Erfolg zu werten, denn erstens konnten wir Plauen abschießen und zweitens sind wir tatsächlich vor Heiligenhaus gelandet. Klasse! Dieser 14. Tabellenplatz kann eventuell noch Gold wert sein, man weiß ja nie, ob und wer sich noch aus der Bundesliga zurückzieht. Ich würde gerne noch ein weiteres Jahr im Oberhaus spielen!

Unten noch mal die Einzelergebnisse aller Mitspieler:

  • Frank Lamprecht: 2,5/10
  • Wolfgang Pajeken: 2/14
  • Dr. Markus Hochgräfe: 3/14
  • Aleksandar Trisic: 1,5/10
  • C.‑C. Buhr: 2/10
  • Martin Voigt: 6/14
  • Georg von Bülow: 8/14
  • Steve Berger: 3/12
  • Jan Wendt: 3/8
  • Ilja Rosmann: 0/2
  • Daniel Lindner: 0,5/2
  • Peter Fjodorow: 0/2

Frank, Wolfgang und ich waren die ganze Saison über jedes Remis froh, insofern sind die Ergebnisse okay. Kaum zufrieden werden Aleksandar, C.‑C. und Steve sein. Martin und insbesondere Georg, der eine 14‑rundige IM‑Norm gemacht hat, überzeugten dagegen. Unsere Ersatzspieler konnten einige wichtige Erfahrungen sammeln, was ja im Hinblick auf die Zukunft auch nicht unwichtig ist.

Zunächst etwas Kritik: In den Auswärtskämpfen waren wir unseren Gegnern auch deswegen unterlegen, weil wir schlechtere Unterkünfte und Anfahrtschwierigkeiten hatten. Der Gipfel war das Wochenende gegen Porz, wo wir mit einem Auto für alle Leute auskommen mussten. Da kann man sich im Nachhinein fragen, ob es nicht besser gewesen wäre, ein paar Euro mehr zu spendieren. Ich und auch einige andere Spieler wären bereit, den einen oder anderen Euro zu investieren, um bessere Unterkünfte zu bekommen. Gerade in den Sonntagsrunden, wo es um 09:00 Uhr losgeht, machte es sich sehr oft negativ bemerkbar, wenn wir schon sehr früh aufstehen mussten, um den weiten Weg zum Brett anzutreten. Auch Zweibettzimmer sollten eigentlich drin sein, man schläft einfach erholsamer.

Aber das Positive überwiegt selbstverständlich: Wir haben im Laufe der Saison immer mehr den Respekt vor den Gegnern verloren, auch das ist natürlich eine gute Erfahrung. Unsere zwei Mannschaftspunkte werte ich ebenso als Erfolg, nicht wenige haben uns gar keine Punkte zugetraut. Und last but not least sind wir nicht Tabellenletzter geworden, darüber freue ich mich am meisten.

Ich freue mich auch auf die nächste Saison, ich hoffe doch, dass wir in der 2. Bundesliga ein gewichtiges Wort um den Aufstieg mitreden können.

Danken möchte ich Georg für sein Amt als Mannschaftsführer.

(Markus Hochgräfe)

 
 
 
 
 
 
 
 
https://www.kshamburg.de/archiv/02-ksh1.php
01.01.2017, 00:01 (tr)
 
 
 
 
 
 
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