S
c
h
a
c
h
c
l
u
b
 
v
o
n
 
1
9
8
4
 
 e.
 V.
 
 
 
 
 
 
[Grafik]
[Grafik]
 
 
www.kshamburg.de
 
 
Chronik: Archiv
Montag, 20. November 2017

Königsspringer Hamburg · Schachclub von 1984 e. V.


Königsspringer Hamburg
Schachclub von 1984 e. V.

Chronik

Archiv

KSH 1 · 2. Bundesliga Nord 1999/2000
Termine Tabelle Spieler Ergebnisse
↑
↓
Termine
1 10.10.1999 Hamburger SK 2 Königsspringer Hamburg 3 : 5
2 07.11.1999 Königsspringer Hamburg SC Kreuzberg :
3 12.12.1999 SC Empor Berlin Königsspringer Hamburg :
4 09.01.2000 Königsspringer Hamburg SK König Tegel :
5 30.01.2000 SK Zehlendorf Königsspringer Hamburg :
6 20.02.2000 SC Leipzig‑Gohlis Königsspringer Hamburg 3 : 5
7 12.03.2000 Königsspringer Hamburg VfL Blau‑Weiß Neukloster :
8 26.03.2000 SV Werder Bremen 2 Königsspringer Hamburg :
9 09.04.2000 Königsspringer Hamburg SG Isernhagen 3 : 5
↑
↓
Tabelle
Pl. Mannschaft 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 BP MP
1. SK König Tegel 5 5 4 6 42,5 15
2. SK Zehlendorf 3 5 4 6 43,5 13
3. SG Isernhagen 4 5 5 5 40,5 13
4. VfL Blau‑Weiß Neukloster 5 4 4 6 37,5 10
5. SC Leipzig‑Gohlis 3 3 4 3 34,5 9
6. SV Werder Bremen 2 3 3 4 4 35,5 8
7. Königsspringer Hamburg 3 5 5 35,0 8
8. Hamburger SK 2 4 3 3 6 6 37,0 7
9. SC Kreuzberg 4 2 2 3 30,5 5
10. SC Empor Berlin 2 2 2 5 23,5 2
↑
↓
Spieler
RL Name 1.R 2.R 3.R 4.R 5.R 6.R 7.R 8.R 9.R
1 Zlochevskij, Alexander                  
2 Lamprecht, Frank 1 ½ ½ 0 1 1 ½ ½ ½
3 Bekker‑Jensen, Simon 0   ½   0 ½ 1 ½ ½
4 Hochgräfe, Markus 1 ½ 0 ½ 0   ½ ½ 0
5 Buhr, Carl‑Christian 0 1 1 1 ½ 1 ½ 1 1
6 Wendt, Jan‑Dietrich ½ ½     0 0 ½   0
7 von Bülow, Georg 1 ½ 1   0 1 1 ½ 0
8 Pajeken, Wolfgang ½   ½ ½ ½ 0 ½ 0 1
9 Lindinger, Markus 1 0 1 0 ½ ½ 0 ½  
10 Neukirch, Detlef   0 0 ½   1     0
11 Lindner, Daniel       ½       0  
12 Wolter, Michael   ½              
13 Dinckel, Jörg                  
14 Zimmermann, Julian       ½          
↑
↓
1. Runde
10.10.1999 Hamburger SK 2 Königsspringer Hamburg 3 : 5
SV Werder Bremen 2 SC Leipzig‑Gohlis 4,0:4,0
SG Isernhagen BW Neukloster 4,0:4,0
SC Kreuzberg SK Zehlendorf 2,0:6,0
SC Empor Berlin SK König Tegel 2,0:6,0

Eine gute Wahl

Das eigentliche Wunder des Tages geschah schon um 09:15 Uhr: Markus Lindinger trat sage und schreibe 45 Minuten vor Öffnung der Wahllokale an die Urne. Damit hat er schon jetzt 12 % seiner Gesamtverspätung aus dem letzten Wahlkampf wettgemacht; und wer ihn kennt, weiß, dass er für diese unzumutbare Härte auf mindestens die Hälfte seines in Wahlkampfzeiten üblichen Schlafpensums verzichtet hat. Zur Überraschung aller Anwesenden waren seine Augen dieses Mal auch nicht himmelblau; nein, zur Abwechslung waren sie grasgrün.

Nachdem alle Kandidaten schon in die Kabinen gegangen waren, wies uns der Wahlhelfer, offensichtlich vom Landeswahlleiter vorabendlich instruiert, darauf hin, dass man auf dem Wahlzettel Kreuze und keine Doppelpunkte machen muss. Andernfalls würde er eine abgegebene Stimme sofort für ungültig erklären. Kaum hatte Markus Lindinger seine Stimme abgegeben, trat seine Kontrahentin Anja Krone‑Schmalz‑Jacobsen entnervt zurück. Ich als einfacher Delegierter bin der Meinung, dass wir Markus, der in allen bisherigen Legislaturperioden mindestens eine ⅔‑Mehrheit erzielt hat, bei den nächsten Wahlen in einem bedeutenderen Wahlkreis nominieren sollten. Keine Angst, die Gefahr, dass er dann mit schneeweißen Lichtern antritt, besteht nicht.

Wenig später ergab die Auszählung der Stimmen, dass auch Georg von Bülow ein Direktmandat gewonnen hatte. Matthias Bach, der bei der Hamburger Meisterschaft noch wie ein reißender Strom aufgetreten war, machte diesmal eher den Eindruck eines plätschernden Rinnsals. Trotzdem ist sein mutiges Spiel immer wieder beeindruckend. Diesmal hatte er die Zahl seiner Bauernopfer allerdings nach der Nummer seines Wahlkreises ausgerichtet.

Indes konnte Carl‑Christian Buhr, der Spitzenkandidat der BIP (Bogoindische Partei), seinem überraschenderweise aus der freien Wirtschaft in die Politik zurückgekehrten Kontrahenten nichts entgegensetzen, und so ging ausgerechnet eine Hochburg der KÖP verloren.

Währenddessen holten Frank Lamprecht und Markus Hochgräfe in ihren Wahlkreisen zwar knapp, aber doch überzeugend die absolute Mehrheit. Dabei offenbarte Jürgen Stanke vor allem Schwächen in der Steuerpolitik; er steuerte in ein forciert verlorenes Damenendspiel. Vielleicht eine Folge seiner Interviews bei Newsmaker.

Im dritten Wahlkreis entbrannte eine schmutzige Wahlkampfschlacht. Nach plötzlichen erdrutschartigen Verlusten der dänischen Minderheit keimte bei der HSKP plötzlich wieder Hoffnung auf eine große Koalition auf, denn Jan Wendt und mir war es offensichtlich nicht gelungen, unsere Programmatik dem Wähler auch hinreichend zu vermitteln. Besonders bei mir sah es wieder einmal danach aus, als ob ich die vor der letzten Wahl gemachten Versprechungen nicht halten könnte und die vom Wähler in mich gesetzten Hoffnungen enttäuschen würde. Doch kurz vor Schließung der Wahllokale wurden alle Prognosen und Hochrechnungen über den Haufen geworfen, und in den beiden noch nicht ausgezählten Wahlkreisen kam es zu einer Koalition.

Am Ende hatte die KÖP also die 5‑Punkte‑Hürde genommen. Damit wir bei den anstehenden Wahlen in Berlin nicht wieder so zittern müssen, wird dort wohl auch unser Kanzlerkandidat in den Wahlkampf eingreifen. Unseren Gegnern von heute wünschen wir, dass sie nicht an den Rand der politischen Bühne gedrängt werden. Es wäre schade, wenn sie bei der nächsten Wahl nur noch auf kommunaler Ebene kandidieren dürften.

(Wolfgang Pajeken, BASS 183)

↑
↓
2. Runde
07.11.1999 Königsspringer Hamburg SC Kreuzberg :
SC Leipzig‑Gohlis SK König Tegel 3,0:5,0
SK Zehlendorf SC Empor Berlin 6,5:1,5
BW Neukloster Hamburger SK 2 4,5:3,5
SV Werder Bremen 2 SG Isernhagen 3,0:5,0

Ein schlechter Zug

Das Unglück nahm an diesem Sonntag so spätestens morgens gegen halb zehn seinen Lauf: Drei Spieler unserer Mannschaft, Markus Hochgräfe, Markus Lindinger und Frank Lamprecht, hatten sich nach mehr oder weniger langem Nachdenken für einen äußerst ungünstigen Zug entschieden, nämlich die U2 Richtung Niendorf‑Nord, um zum Spielort zu gelangen. Gewöhnlich keine schlechte Wahl, aber heute! Ein auf die Schienen geworfener Einkaufswagen hatte das Stromnetz des HVV plötzlich und unerwartet zum Erliegen gebracht. So hingen die drei für fast 40 Minuten in einem U‑Bahn‑Wagen im Tunnel zwischen den Haltestellen Berliner Tor und Hauptbahnhof fest. Über Handy informiert wussten wir am Spielort zwar darüber Bescheid, mussten dann um 10:05 Uhr aber erstmal zu viert beginnen. Auch Jan Wendt kam über eine halbe Stunde zu spät, nachdem er vergeblich auf die U2 wartend schließlich entnervt ein Taxi genommen hatte. So um 10:45 Uhr waren dann alle da.

Der Kampf selbst war demzufolge von Nervosität geprägt und gegen eine stark ersatzgeschwächte Berliner Mannschaft lief auf unserer Seite dann auch fast gar nichts zusammen. Frank machte mit Schwarz schnell remis, aber fast genauso schnell ging leider Markus Lindinger, momentan in einer leichten Formkrise befindlich, in einer dubiosen Variante unter. Ersatzspieler Michael Wolter, der kurzfristig für Wolfgang Pajeken einspringen musste, agierte mit Weiß viel zu zaghaft und musste bald ins Remis einwilligen. Detlef Neukirch kam ganz vielversprechend aus der Eröffnung, wurde nach einem strategischen Fehlgriff aber überrannt. Den einzigen Lichtblick setzte diesmal Carl‑Christian Buhr, der in der Zeitnophase seinen Gegner aus einer etwas gedrückten Stellung clever auskonterte.

Zwischenstand 2:3 zur Zeitkontrolle, und es gab noch Hoffnung, denn Markus, Jan und ich standen allesamt minimal besser im Endspiel. Wir kneteten aus Leibeskräften, aber die Kreuzberger verteidigten sich umsichtig und brachten schließlich drei halbe Zähler unter Dach und Fach. So blieb bei uns das unbefriedigende Gefühl, auf dumme Art und Weise etwas leichtfertig zwei wichtige Punkte für harte Zeiten verschenkt zu haben. Aber nun, die Saison ist noch jung, in der nächsten Runde wird gegen Empor Berlin wieder ein Sieg angestrebt (sofern der Berliner Nahverkehrsverbund dann mitspielt). Zum guten Schluss noch der Kalauer des Tages (Frage an Frank nach dem Kampf): »Bist du eigentlich mit der U‑Bahn da?«

(Georg von Bülow)

↑
↓
3. Runde
12.12.1999 SC Empor Berlin Königsspringer Hamburg :
SG Isernhagen SC Leipzig‑Gohlis 3,5:4,5
Hamburger SK 2 SV Werder Bremen 2 3,5:4,5
SC Kreuzberg BW Neukloster 3,5:4,5
SK König Tegel SK Zehlendorf 4,5:3,5

Aufwärts gegen Empor

Noch vor wenigen Jahren gehörte Empor Berlin zu den führenden Mannschaften in Deutschland. Mit den Super‑Großmeistern Kramnik und Schirow wurde der letzte DDR‑Meister vom Prenzlauer Berg noch 1997 Dritter in der Bundesliga. Doch mit dem Sponsor gingen auch die Großmeister und der Erfolg, und in dieser Saison gehört Empor mit einer Amateurmannschaft bereits in der 2. Bundesliga zu den heißen Abstiegskandidaten.

Unsere beiden Spitzenbretter Frank Lamprecht und Simon Bekker‑Jensen wurden heute trotz deutlicher Elo‑Vorteile schnell neutralisiert und mussten sich mit Punkteteilungen zufrieden geben. An den anderen Brettern entwickelte sich dagegen ein munterer Schlagabtausch. Markus Lindinger gewann eine verwickelte Partie mit einem Damenopfer, während ich mit einem soliden Vorteil aus der Eröffnung kam, den ich erst in einen Mehrbauern und dann auch in einen Gewinn ummünzen konnte.

Carl‑Christian Buhr nahm mit Schwarz die Materialopfer seines Gegners an und setzte sich in Zeitnot klar durch. Dagegen übersah Markus Hochgräfe innerhalb von wenigen Zügen zweimal ähnliche Bauernkonterzüge seines Gegners, und der zweite Konter entschied diese Partie. Leider musste auch Detlef Neukirch aufgeben, als er in gegnerischer Zeitnot einen fatalen Fehlgriff beging und überraschend in einen unparierbaren Mattangriff geriet.

Beim Stand von 4:3 war es also durchaus noch spannend, denn Wolfgang Pajeken musste in der letzten noch laufenden Partie um das Remis kämpfen. Vor der Zeitkontrolle war es etwas drunter und drüber gegangen, und Wolfgangs Gegner überlegte nun an seinem 41. Zug – und überlegte und überlegte – über eine halbe Stunde. Bis dahin hatte er die Variante gefunden, die Wolfgang und die meisten anderen Spieler inzwischen auch gesehen hatten. Diese hätte forciert zu dem Endspiel König plus Läufer plus Springer gegen König geführt, aber er traute sich nicht, die Gewinnführung auch am Brett zu finden! Die übrigen Empor‑Spieler waren entsetzt, als er sich schließlich in die Abwicklung in ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern entschied. Dieses war zwar auch noch aussichtsreich, aber Wolfgang hielt dies mit einigen präzisen Zügen sicher remis und sicherte uns somit einen ganz wichtigen Sieg.

Fazit: Mit Ruhm haben wir uns wahrlich nicht bekleckert, aber warum sollten wir nicht auch einmal Glück haben? Am Ende zählen die zwei Mannschaftspunkte.

(Georg von Bülow)

↑
↓
4. Runde
09.01.2000 Königsspringer Hamburg SK König Tegel :
SC Leipzig‑Gohlis SK Zehlendorf 3,0:5,0
BW Neukloster SC Empor Berlin 6,0:2,0
SV Werder Bremen 2 SC Kreuzberg 3,5:4,5
SG Isernhagen Hamburger SK 2 5,0:3,0

Kommentar

Sehr unglücklich mussten wir beide Punkte den in gewohnt starker Formation angetretenen Gästen überlassen. Wir hingegen hatten fast die halbe Stamm‑Acht zu ersetzen, was für unsere Verhältnisse schon als außergewöhnlich bezeichnet werden muss. Nun enttäuschte die Reserve absolut nicht, der Blick auf die Einzelresultate verdeutlicht etwas ganz anderes: Sieg und Niederlage der Mannschaft scheinen bislang unmittelbar mit den Geschicken Markus Lindingers verknüpft.

(Thomas Rosien)

↑
↓
5. Runde
30.01.2000 SK Zehlendorf Königsspringer Hamburg :
Hamburger SK 2 SC Leipzig‑Gohlis 4,5:3,5
SC Kreuzberg SG Isernhagen 3,5:4,5
SC Empor Berlin SV Werder Bremen 2 1,5:6,5
SK König Tegel BW Neukloster 5,5:2,5

Keine Chance gegen Zehlendorf

Zwei gute Nachrichten standen für uns schon vorher fest: Wir konnten endlich mal wieder eine starke Aufstellung aufbieten, und tatsächlich waren dann auch noch alle Spieler pünktlich da. Im Kampf selbst waren wir allerdings chancenlos und wurden von den routinierten Zehlendorfern klar beherrscht.

Nach zwei Remisen aus verwickelten Stellungen von Markus Lindinger und Wolfgang Pajeken leitete ich das Unglück ein. Noch ordentlich aus der Eröffnung gekommen, verbrauchte ich viel Zeit, um schließlich doch in eine unangenehme Stellung zu schlittern, die dann bei hängenden Plättchen rasch zusammenbrach. Carl‑Christian Buhr steuerte in seiner fünften (!) Schwarzpartie in dieser Saison ein solides Remis bei, aber unser Widerstand wurde noch an drei weiteren Brettern gebrochen.

Jan Wendt, gerade erst seit einer Woche aus Indien zurückgekehrt, sah sich im Sizilianer mit dem klassischen Qualitätsopfer auf c3 konfrontiert. In wohl noch akzeptabler Lage verlor er später den Faden und geriet bald auch materiell in Nachteil. Markus Hochgräfe (als Gegenstück zu Carli nun fünfmal Weiß!) wurde von Mladen Muse überlistet, während unsere dänische Hoffnung Simon Bekker‑Jensen den entscheidenden Fehlgriff im 39. Zug beging und nach langem Kampf im Damenendspiel unterlag.

Den einzigen Glanzpunkt aus unserer Sicht setzte Frank Lamprecht: Nachdem er ein Remisangebot abgelehnt hatte, überspielte er den bekannten russischen GM Bagirov und gewann das technisch anspruchsvolle Endspiel mit König plus Springer plus Doppel‑g‑Bauer gegen König plus Läufer. Dies lässt uns hoffen, dass wir in den nächsten entscheidenden Kämpfen um den Klassenerhalt wieder punkten können.

(Georg von Bülow)

↑
↓
6. Runde
20.02.2000 SC Leipzig‑Gohlis Königsspringer Hamburg 3 : 5
BW Neukloster SK Zehlendorf 5,0:3,0
SV Werder Bremen 2 SK König Tegel 3,0:5,0
SG Isernhagen SC Empor Berlin 5,5:2,5
Hamburger SK 2 SC Kreuzberg 6,0:2,0

Kommentar

Nach diesem standortbestimmenden und deshalb überaus wichtigen Sieg holen wir erstmal tief Luft. Wir können also doch nicht nur schönes Schach spielen. Am Tabellenende macht der HSK auf sich aufmerksam, der sich noch nicht in sein Schicksal ergeben will. König Tegel scheint die Favoritenbürde indes leicht und locker über die Aufstiegsziellinie tragen zu können.

(Thomas Rosien)

↑
↓
7. Runde
12.03.2000 Königsspringer Hamburg VfL Blau‑Weiß Neukloster :
SC Kreuzberg SC Leipzig‑Gohlis 3,5:4,5
SC Empor Berlin Hamburger SK 2 2,0:6,0
SK König Tegel SG Isernhagen 3,5:4,5
SK Zehlendorf SV Werder Bremen 2 5,5:2,5

Wer zu spät kommt, …

Es ist schon eine Art Tradition bei unseren Heimkämpfen: Wir beginnen nie mit acht Spielern! Mal sind es vier (das Malheur gegen Kreuzberg), mal sieben (gegen Tegel), diesmal waren es sechs (Wettgebote für unseren letzten Heimkampf gegen Isernhagen bitte an die BASS‑Redaktion)! Jan Wendt traf nach zehn Minuten ein, Markus Lindinger fand seinen Platz nach 25 Minuten. Verschlafen, U‑Bahn verpasst, Spiellokal nicht gefunden: Der Ausreden gibt es viele, das Resultat (Zuspätkommen) bleibt stets das gleiche.

Dennoch sollte dies heute unser Tag werden, wie es sich auch schnell abzuzeichnen begann. Bereits nach zweieinhalb Stunden konnte ich uns in Führung bringen und den weiteren Verlauf entspannt als Zuschauer verfolgen. Ein nach seinem schweren Unfall gesundheitlich stark gehandicapter Artur Hennings leistete mir wenig Widerstand und verbrauchte kaum mehr als 40 Minuten Bedenkzeit für die gesamte Partie.

Es folgte eine Reihe von recht ausgeglichen verlaufenden Remispartien. Carl‑Christian Buhr hatte in der Eröffnung wenig herausgeholt und war diesmal mit dem halben Punkt ganz zufrieden. Markus Hochgräfe und Aleksandar Czerwonski hatten wechselseitig Remisangebote abgelehnt, bevor man sich doch einig wurde. Gerade als ich Wolfgang Pajeken überreden wollte, seine wohl immer noch leicht vorteilhafte Stellung mit dem Läuferpaar noch weiter zu spielen, reichte er schon Hannes Knuth die Hand zum Friedensschluss. Bei Jan Wendt und Friedemar Schirm war das Remis bis ins Endspiel wohl nie ernsthaft gefährdet. Frank Lamprecht und René Stern lieferten sich am Spitzenbrett einen abwechslungsreichen Kampf, wobei man in der Eröffnung einer aktuellen Partie Kasparow‑Morosewitsch nacheiferte. Nach einer Ungenauigkeit war Frank gezwungen, die Qualität zu geben, was sich aber zum Remis als vollständig ausreichend erwies.

Wir lagen also nach wie vor knapp vorn, als sich nun in den letzten beiden Partien die Zeitnotphase näherte. Im dänischen Duell hatte Simon Bekker‑Jensen gegen seinen früheren Vereinskameraden Carsten Hoi eine Remisofferte ausgeschlagen, nahm die angebotenen Materialopfer an und überstand die verzweifelten Angriffsversuche des Gegners. Simons erster Sieg für Königsspringer, und damit war dieser Kampf für uns entschieden!

So war es glücklicherweise nicht mehr entscheidend, dass Markus Lindinger völlig überraschend und unerwartet in unübersichtlicher Lage in starke Zeitnot geriet (etwa in der Größenordnung von fünf Minuten für 20 Züge) und seine Stellung folgerichtig binnen weniger Züge ruinierte. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben (in diesem Fall Stefan Brettschneider).

Dieser unverhoffte, aber doch recht sicher herausgespielte doppelte Punktgewinn gibt uns im Abstiegskampf nun alle Trümpfe in die Hand. Denn schon nächstes Mal gegen Werder Bremen II können wir nun mit einem erfolgreichen Auftritt vorzeitig den Klassenerhalt sichern.

(Georg von Bülow)

↑
↓
8. Runde
26.03.2000 SV Werder Bremen 2 Königsspringer Hamburg :
SC Leipzig‑Gohlis BW Neukloster 4,5:3,5
SG Isernhagen SK Zehlendorf 3,5:4,5
Hamburger SK 2 SK König Tegel 3,5:4,5
SC Kreuzberg SC Empor Berlin 3,0:5,0

Vor dem Endspiel

Nach dieser knappen und ärgerlichen Niederlage gegen Werder Bremen II stecken wir also wieder tief im Abstiegskampf. Ehrlicherweise muss man aber zugeben, dass diesmal kaum mehr als 4:4 drin gewesen wäre und das Ergebnis insgesamt in Ordnung geht.

An den ersten drei Brettern neutralisierten sich die Cracks und es wurde schnell Frieden geschlossen.

Markus Lindinger zeigte eine seiner gewohnt verwickelten Partien, die mit einer scharfen Bauernopfervariante begann und nach der Zeitkontrolle und einigen Turbulenzen in ein remisiges Endspiel verflacht war.

Pechvogel war diesmal Wolfgang, der seine zwischenzeitlich glatt verlorene Stellung saniert hatte und dann im 40. Zug mit noch einer Minute auf der Uhr die Partie zweizügig wegstellte.

Daniel, der ganz kurzfristig als Ersatzspieler eingesprungen war – wie so oft in dieser Saison mussten wir im letzten Moment in der Aufstellung umdisponieren – geriet allmählich unter Druck und musste im Turmendspiel schließlich die Segel streichen.

Carli und ich mussten also gewinnen, aber mein Gegner verteidigte sich zäh und ich konnte diesmal aus dem Endspiel nichts herauspressen. Im Gegenteil, zum Schluss war eher ich es, der mit dem halben Zähler zufrieden sein musste.

Schön immerhin, dass Carli ein taktisches Endspiel im Mattangriff für sich entscheiden konnte. Schon wieder mit Schwarz, steigerte er sein Score auf beeindruckende 6 aus 8!

Nachdem die neuen Bundesländer derweil Solidarität demonstrierten und Neukloster mit fünf Spielern Leipzig zwei Punkte im Abstiegskampf schenkte (Leute, die kein Blatt vor den Mund nehmen, würden es auch Wettbewerbsverzerrung nennen), benötigen wir nächstes Mal noch ein 4:4 gegen Isernhagen, um den Klassenerhalt zu sichern. Schon am 9. April ab 11:00 Uhr gibt es nun also Abstiegskampf pur bei uns in der Paul‑Sorge‑Straße, und ich bin optimistisch, dass wir es dieses Jahr schaffen.

Nicht vergessen werden soll an dieser Stelle noch ein dickes Dankeschön an Günter Schierholz, der bereitwillig seinen Sonntag opferte und uns mit seinem Bus zum Kampf nach Bremen fuhr!

(Georg von Bülow)

↑
↓
9. Runde
09.04.2000 Königsspringer Hamburg SG Isernhagen 3 : 5
SC Empor Berlin SC Leipzig‑Gohlis 3,5:4,5
SK König Tegel SC Kreuzberg 4,0:4,0
SK Zehlendorf Hamburger SK 2 4,0:4,0
BW Neukloster SV Werder Bremen 2 4,0:4,0

Zittern bis zum Schluss

Kurz nach vier setzte an diesem Sonntag das große Zittern bei uns ein. Wir hatten gerade mit 3:5 gegen Isernhagen verloren, mit 8:10 Mannschaftspunkten einen mehr als vor zwei Jahren bei unserem Zweitliga‑Debüt erreicht, aber niemand wusste, ob das reichen würde. Was war heute schon wieder schiefgelaufen?

Nun, der Anfang sah recht vielversprechend für uns aus. Nachdem alle (!) Spieler pünktlich gekommen waren, erreichte Frank Lamprecht schnell mühelosen Ausgleich und sicherte sein Schwarz‑Remis gegen Sven Joachim ab. Wenig später konnte Wolfgang Pajeken mit seiner geliebten Aljechin‑Verteidigung endlich seinen ersten Sieg in der 2. Bundesliga feiern; da nun der Bann gebrochen ist, werden sicherlich weitere folgen.

Simon Bekker‑Jensen und der Isernhagener Topscorer Alexander Bangiev trennten sich in einer Kampfpartie friedlich, während Markus Hochgräfe an Brett 3 ein interessantes Damenopfer probierte. Leider war das Opfer hauptsächlich interessant und nicht wirklich gut, sodass Isernhagen ausgleichen konnte.

Doch wir haben ja noch Carl‑Christian Buhr, der eine seiner typischen Partien zeigte: Erst eine etwas dubiose, aber komplizierte Stellung erreichen, dann bärenstark spielen und schließlich überzeugend gewinnen. Seine sieben Punkte am dritten und vierten Brett sprechen eine deutliche Sprache, und der einzige Wermutstropfen war, dass ihm bei diesem herausragenden Ergebnis ein Titelträger zum Erreichen seiner zweiten IM‑Norm fehlte.

Unterdessen geriet Jan Wendt, der laut eigener Aussage momentan etwas die Lust am Schach verloren hat, in einen gegnerischen Königsangriff, dem er in Zeitnot nicht standhalten konnte. Ein Brett tiefer war ich gut aus der Eröffnung gekommen, aber es gab einfach zu viele verlockende Möglichkeiten. Letztlich nahm ich einstehende Bauern mit, doch mit dem König in der Mitte ist das bekanntlich ein riskantes Geschäft, was ich bald darauf recht unsanft zu spüren bekam.

Mit 3:4 im Rückstand musste Detlef Neukirch nun unbedingt gewinnen, damit wir den Klassenerhalt aus eigener Kraft hätten sichern können. Lange Zeit sah es auch ganz danach aus, denn Detlef hatte seinem Gegner den schlechten Läufer verpasst und einen gefährlichen Freibauern auf der a‑Linie erhalten. Ilya Rozman verteidigte sich jedoch zäh und nach der Zeitkontrolle wurde die Stellung immer unklarer. Schließlich zog Detlef seinen Bauern nach a7, den sein Gegner mit dem Läufer kurzerhand schlug. Geschockt von dieser Wendung nahm Detlef nun nicht den Läufer wieder, was zum Dauerschach geführt hätte, sondern gab zur Verblüffung des Gegners und zu unserem Entsetzen die Partie auf! Nachher konnte Detlef es am allerwenigsten begreifen.

Uns hätte dieser Blackout teuer zu stehen kommen können, denn Werder Bremen II spielte 4:4 und hatte uns nun um einen halben Brettpunkt überholt! Stattdessen hätte bei gleicher Brettpunktanzahl uns die Berliner Wertung an allen Brettern über die ganze Saison vor Bremen gesehen. Leipzig zog mit einem Sieg gegen immerhin sieben Gegner ebenfalls noch an uns vorbei, aber der HSK II konnte das Wunder gegen Zehlendorf nicht ganz vollbringen und blieb hinter uns. Platz 7 bedeutete die Rettung für uns! Somit muss leider der zweite Hamburger Zweitliga‑Vertreter in den sauren Abstiegsapfel beißen, falls nicht doch noch eine vage Hoffnung wahr wird, und Isernhagen es den Delmenhorstern in der Bundesliga gleichtut und seine Mannschaft mangels Geld zurückzieht. Wir hatten dagegen trotz einer alles andere als optimal verlaufenden Saison diesmal wohl das nötige Quäntchen Glück, und Königsspringer bleibt somit in der 2. Bundesliga Nord.

(Georg von Bülow)

 
 
 
 
 
 
 
 
https://www.kshamburg.de/archiv/00-ksh1.php
01.01.2017, 00:01 (tr)
 
 
 
 
 
 
K
 
Valid HTML
Valid CSS
 
 
F W
TR