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| Neuigkeiten: KSC | Sonntag, 5. Februar 2012 | ||||||

»Was ein Spiel, Junge!«, dachten sich die abertausenden Fußball-Fans am Riekbornweg vergangenen Samstag, die schlau und vorausschauend genug waren, nicht zum HSV-Spiel gegangen zu sein. Die Auswahlmannschaft des KSH bot zusammen mit dem Allstar-Team aller Hamburger Schachvereine Spielwitz und Finesse am Ball, dass die Kenner und Fußball-Gourmets mit der Zunge schnalzten.
Die erste Hälfte der 1. Halbzeit ging klar an uns, die Königsspringer, neben massig Ballbesitz und klarem Übergewicht im Mittelfeld, konnten auch einige gefährliche Spielzüge bis zum Strafraum des Gegners verzeichnet werden. Jedoch war die Chancenverwertung eher mäßig, zum abschließenden Torschuss kam es selten. Die taktische Formation ließ auf ein 4-4-2 bei uns schließen, während Ruben den rechten Flügel hoch und runter raste und Clemo links hinten eher defensiv bedacht war, standen im Zentrum Chlondi und Petsi ziemlich sicher. Letzterer kennt sich mit dem Verteidigen ja auch schachbedingt sehr gut aus, muss er sich doch in jeder Schwarzpartie gegen wütende Pirc-Verachter erwehren. Im Zentrum zogen Addy und Laxxmann ihre Kreise, auf rechts versuchte sich JFC als guter Doppelpass-Partner Rubens zu fungieren, links trabte Max Hort hin und her. Joshua und Jule warteten vorne auf Bälle, ersterer zwischen Gegenspielern Chancen suchend, da klein und wendig, letzterer auf Laufduelle hoffend, da mit guter Sprintgeschwindigkeit und hartem Torschuss ausgestattet. Die torgefährlichste Szene musste aber ausgerechnet ich vergeben. Kurz zuvor war ich für Josh reingekommen, Shumons Schuss rutschte vom Schlappen, landete sieben Meter vorm Tor in meinen Füßen, ein richtig platzierter Schuss ist mir aber nicht gelungen – Zaubi war schnell aus dem Kasten geeilt, verkürzte den Winkel, klärte zur Ecke. Das war so zur 30., alles lief gut, als plötzlich die Gäste aus dem Nichts zum ersten Treffer kamen. Eine Fehlerkette in der Abwehr, platzierter Torschuss am chancenlosen Guido vorbei, der Rückstand. Während die Mannschaft etwas geschockt wieder Ruhe ins Spiel bringen wollte, klingelte es gleich ein zweites Mal, kurze Zeit später sogar ein drittes.
Manche Fans waren so heiß darauf, die Königsspringer tatkräftig zu unterstützen, dass sie den wachenden Augen ihrer Mütter entflohen und aufs Spielfeld zu laufen versuchten. So bewies Nils Lampe ungeheuren Zug zum Tor, den nur der neue Abwehrmann der KSHler, sein Papa, aufhalten konnte. Keine Grätsche in die Beine, sondern ein Kuss auf die Stirn besänftigten den aufgebrachten Fan, der sich zurück in die Hände seiner Mutter bringen ließ. Wenn der Kerl auch nur ein wenig seinen Vater übertrifft, müssen wir uns über den Fußball-Nachwuchs keine Sorgen machen.
Wie dem auch sei, es lässt sich nicht vom Thema ablenken, es war Halbzeit, ein ernüchterndes 0:3 stand zu Buche. Ach, einen Aufreger gab es doch noch. Dem den Flügel rauf und runter rasenden Ruben kam Jan »Ich heiße einfach Jan, Ludwig ist mein Nachname« Ludwig unter die »Räder«. Der sich zwischen den Fronten befindende gegnerische Mittelfeldler, kein Fremder, doch auch kein 100%-Eigener, wurde von den neuen Vereinskameraden hin und wieder mit paar Extragrüßen in die Knochen versorgt. Vereinsinterne Konkurrenz, zusätzliche Motivation, was will man machen … Schiri Steffgü zeigte Ruben eine symbolische gelbe Karte.
In der Halbzeit rauchten die Köpfe, trotz ordentlicher Leistung dicker Rückstand, man musste was verändern. Und dies gelang vorzüglich. Geheimwaffe Guido wurde aus dem Tor nach ganz vorne befördert. Dass der Junge inzwischen etwas Schach spielen kann, daran müssen wir uns noch gewöhnen (und das wird hart …), dass er aber ein vorzüglicher Fußballer ist, das wussten wir. Auf die Außenpositionen hinten kamen Petsi und ich rein, Clemens rückte zur Stabilisierung zu Chlondi nach innen. Jörg zog die Torwart-Handschuhe über. Wiederanpfiff, das Spiel begann famos. Kaum angestoßen, Ball noch vorne gedribbelt, Stanau am Ball, Stanau müsste schießen, Stanau schießt …, Anschlusstor! Plötzlich begann alles viel einfacher zu werden. Die Bewegungen taten nicht mehr so weh, die Füße trugen einen wie von selbst nach vorne, das Spiel gelang. Die Gegner kamen kaum zur Entlastung, und schon gar nicht zu Ballbesitz in unserer Strafraumnähe. Nach unserem zweiten Treffer, etwa zur 70., folgte dann der erste längere positionelle Angriff der Allstars im zweiten Durchgang, der mit einem gut gelungenen Weitschuss endete und Jörg auf dem falschen Fuß erwischte, 2:4. Am Spielfeldrand versammelten sich rechtzeitig zur finalen Angriffswelle immer mehr Zuschauer. Auch ein ehemaliger Königsspringer, zurzeit wohl als brasilianischer Scout in Europa unterwegs, konnte gesichtet werden. Gesicherte Quellen ließen sich entlocken, dass die Abwehrasse Chlondini und Harderinho näher beobachtet worden sind, für die WM 2014 im eigenen Land versteht sich.
Das Spiel endete mit einem dem freundschaftlichen Rahmen angepassten Ergebnis 4:4, wer die Tore schoss, interessiert nur die Statistiker. Sowohl das Fußballspiel, als auch die Aktion Sommerfest als Ganzes war in diesem Jahr so fröhlich und ereignisreich wie selten zuvor. Dies war nicht nur mein Empfinden, sondern auch das vieler Anderer, mit denen ich undercover im Laufe meiner Recherche für die Reportage sprach ;) . Besonders das abendliche Blitzturnier sollte als fester Bestandteil solcher Feiern übernommen werden.
(Daniel Maiorov)